Krakow am See : Neues Feuerwehrhaus wird ’ne heiße Kiste

… und hier, links neben dem Dorfgemeinschaftshaus, wäre Platz für einen Neubau.
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… und hier, links neben dem Dorfgemeinschaftshaus, wäre Platz für einen Neubau.

Stadtvertretung Krakow am See kippt mehrheitlich Neubau für Bellin von der Tagesordnung / CDU und Linke monieren Informationsdefizite und Verstöße

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16. April 2015, 06:00 Uhr

Eine kleine Garage, eher eine Hütte ist in Bellin das Domizil der freiwilligen Feuerwehr. Eine Doppelgarage, und größer, wäre zwingend nötig, um die Einsatzbereitschaft des Standortes auch in der Zukunft zu gewährleisten. Seit der Eingemeindung Bellins in die Stadt Krakow am See ist die Stadtvertretung dafür verantwortlich. Ob die dem für ihren Ortsteil gerecht wird, steht auf dem Spiel. Denn den dringend erforderlichen Neubau, so steht zu befürchten, wird es nicht geben. Kurzerhand kippten die Fraktionen CDU und Linke mit ihrer Mehrheit am Dienstag die Entscheidung von der Tagesordnung.

Zur Erinnerung: Der Landkreis signalisierte eine Förderung von 80  000 Euro allein für einen Feuerwehrneubau. Das derzeitige Gebäude ist nur gemietet und nicht ausbaubar. Neben dem Dorfgemeinschaftshaus aber gibt es für einen Anbau eine genügend freie Fläche der Kommune. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) wiederum fördert aber nicht die Feuerwehr, dafür jedoch zu 65 Prozent die Sanierung des Gebäudes am Karpendiek – jedoch nur, wenn das gesamte Vorhaben noch in diesem Jahr abgerechnet (!) wird. Im Dorfgemeinschaftshaus hätte die Feuerwehr genügend Platz für Schulung, Umkleide, Sanitär. Und das Haus selbst könnte in Heizung und Dämmung saniert werden. Alles zusammen würde die Stadt 300  000 Eigenmittel kosten und damit weniger als ein separater Feuerwehr-Neubau. Doch die Zeit rinnt. Schon mal gab es eine seitens des Stalu eine Fristverlängerung für den Förderantrag aus Krakow am See – bis gestern!

Doch Christoph Küsters (Die Linke) zeigte sich plötzlich nicht informiert, fand eine ihm bisher unbekannte Kostensteigerung um 100 Prozent heraus. Auch gäbe es rechtliche Fragen bezüglich der Planungsverfahren. Erst am Abend zuvor habe der Bauausschuss dazu getagt, das Ergebnis sei ihm unbekannt. Nils Ruhnau (CDU) sieht Verstöße bis hin zur Honorierung des Planers, und es wären Planungsleistungen „seit 2012 an der Stadtvertretung vorbei im Gange“. Warum, das sei ungeklärt, ebenso sehe er die Wirtschaftlichkeit für einen Neubau nicht nachgewiesen, was aber eine Bedingung sei. Michael Altmann (SPD) hätte gerne den – am Dienstag verhinderten – Vorsitzenden des Finanzausschusses dazu gehört und enthielt sich der Stimme.

All diese Fragen in der Diskussion zu klären, statt das Thema von der Tagesordnung zu nehmen, forderte Frank Eilrich (SPD) vergeblich. Auf den Kompromissvorschlag von Bürgermeister Wolfgang Geistert, den Beschluss zu fassen ohne Beauftragung eines konkreten Planungsbüros, wurde nicht eingegangen.

Die anschließende Bürgerfragestunde nutzte Amtswehrführer Nico Mertel für ein eindringliches Plädoyers an die Stadtvertreter. „Es ist Dringlichkeit geboten, der Standort Bellin ist wichtig!“ Noch sei die Brandschutzbedarfsplanung für das Amt Krakow am See – eine weitere Bedingung für den Neubau neben der Förderung – in Arbeit, aber: „Klar ist jetzt schon, dass der Standort erhalten bleiben muss.“ Der gegenwärtige Zustand sei nicht tragbar, und andere Wehren von Bellin zu weit entfernt, um die zeitgemäße Brandbekämpfung sichern zu können.

Bürgermeister Geistert zeigte sich gestern betroffen, Krisensitzung im Amt war angesagt. Vorwürfe in Richtung Arbeit der Verwaltung weist Geistert zurück. Und: „Wir bemühen uns nochmals um eine Verlängerung beim Stalu.“ Doch auch ganz praktisch werde es jetzt äußerst eng: Baugenehmigung, Ausschreibung, Vergabe… alles fehlt noch, bevor erst mit dem Bau begonnen werden kann…  

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