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Historisches Gebäude : Neuer Investor für Eckhaus in Sicht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Eigentümer will historisches Haus in Güstrow jetzt verkaufen / Projekt für Wohnnutzung und Baugenehmigung liegen seit Jahren vor

von
erstellt am 19.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, verfällt das gewaltige Eckhaus am Güstrower Markt. Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Der Eigentümer will verkaufen. Die Verhandlungen seien so weit gediehen, dass nach einem Termin in der nächsten Woche die Verkaufsentscheidung fallen könnte, informierte der Neumünsteraner gestern auf SVZ-Nachfrage.

Bei der Stadt betrachtet man die Ankündigung mit Vorsicht. Schon vor drei Jahren standen die Signale für eine Sanierung des Hauses in der Gleviner Straße 1 auf Grün. Es gibt eine Planung, die Wohnungen auf einer Fläche von etwa 600 Quadratmetern und außerdem eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss vorsieht. Seit Mai 2012 liegt eine Baugenehmigung vor. Auch Städtebaufördergelder sind seither zugesagt – 467 000 Euro. Aber nichts passierte.


Für Eigentümer war anderes wichtiger


Der Eigentümer begründet es mit privaten und wirtschaftlichen Dingen, denen er in den vergangenen Jahren Vorrang habe einräumen müssen. Als Beispiel nannte er ein Haus in Rostock, dass dringender hätte saniert werden müssen. Auch habe er als Kaufmann trotz einer beachtlichen Fördersumme immer wieder an der Tragfähigkeit dieser Investition gezweifelt. Deshalb wolle er nun verkaufen.

Der Münsteraner sparte gestern nicht mit Kritik. „Mir wurden auch viele Hindernisse in den Weg gelegt“, betonte er und erinnerte an ein erstes Projekt. Eine Bank wollte in das Haus einziehen, in dem vor rund 300 Jahren August der Starke, König von Sachsen und Polen, logierte, als 1712 während des Nordischen Krieges Verhandlungen in Güstrow stattfanden. „Die Stadt wollte das damals mit dem Hinweis auf diverse Banken am Markt nicht“, erklärt der Neumünsteraner. Zeit- und nervenraubend seien auch intensive Verhandlungen mit der Denkmalschutzbehörde gewesen. Letztendlich habe auch noch ein Artenschutzgutachten (z.B. Fledermäuse) angefertigt werden müssen.

Im Herbst, so bestätigt Jane Weber, habe der Eigentümer die Stadt über seine Verkaufsabsicht informiert. „Wir haben Unterstützung zugesagt und zwei Kaufinteressenten vermittelt“, informiert die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes. „Wir möchten so schnell wie möglich eine Entscheidung“, fügt sie hinzu. So viele Objekte in der Größenordnung gebe es in der Innenstadt nicht mehr. Die Stadt hatte in den vergangenen Jahren immer wieder das Gespräch mit dem Eigentümer gesucht und dabei sogar mit einem Sanierungsgebot gedroht. Jahrelange Kleinarbeit könnte jetzt fruchten.

Das massive Giebelhaus aus der Renaissance dürfte um 1600 gebaut worden sein. Ein aufwendig gestaltetes Giebeldreieck prägt die Fassade. Spannend sind aus bauhistorischer Sicht die Biegung, die das Haus in der Hollstraße nimmt, und das steile Dach. 

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