Uhrmachermeister : Neuer Glanz für Krakower Kirchturmuhr

In seiner Werkstatt reinigt und konserviert Helmut Langner Stück für Stück die Teile der Krakower Kirchturmuhr.
In seiner Werkstatt reinigt und konserviert Helmut Langner Stück für Stück die Teile der Krakower Kirchturmuhr.

Der Schwaaner Uhrmachermeister Helmut Langner saniert in seiner Werkstatt das Uhrwerk aus Krakow am See

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11. Januar 2016, 13:18 Uhr

Die Kirchturmuhr aus Krakow am See läutet seit über 100 Jahren unermüdlich – alle 15 Minuten. Noch im August war sie genau deshalb Thema in der Stadtvertretung Krakow am See. Denn auch nachts gab sie keine Ruhe, störte Hotelgäste und Anwohner (SVZ berichtete). Eine Abschaltung war die Konsequenz. Aktuell herrscht jedoch Ruhe. Das ganze Uhrwerk wird saniert.

Der Schwaaner Uhrmachermeister Helmut Langner hat bereits im Oktober begonnen, die Uhr zu demontieren und zu reinigen. „Wir mussten sie vor Ort auseinandernehmen“, sagt er und muss lächeln. Denn in den vergangenen 100 Jahren gab es auch an der Kirche einige Veränderungen. So wurde unter anderem eine neue Tür eingebaut – durch die die Uhr heute nicht mehr in Gänze durchpasst.

Aber auch ohne diese Hürde sei die Turmuhr eine große Herausforderung. „Das ist schon die schiere Größe“, so Langner. Das gute Stück wiege gut 200 Kilo, schätzt er. Und die bekommt er auch in zerlegter Form nicht in seiner Werkstatt im Schwaaner Geschäft unter.

In seiner Privatwerkstatt stehen deshalb kistenweise Teile, die nur mit sehr viel Fantasie eine Uhr ergeben. Davon einmal abgesehen, sei das Grundprinzip aber vergleichbar mit kleinen Uhren, wie sie viele am Handgelenk tragen, so der 57-Jährige. „Im Prinzip wird jedes Rad einzeln ausgebaut“, erklärt der Uhrmachermeister, der auch schon die Uhr auf dem Dachreiter der Bützower Stiftskirche reparierte.

Die Einzelteile werden nach und nach in einer Präzisionsdrehbank eingespannt und bearbeitet. Zunächst wird der Rost mit Sandpapier entfernt, „und zum Schluss wird alles konserviert, damit es nicht wieder rostet“, so Langner. Diese Prozedur wiederholt der 57-Jährige bereits wochenlang. „Dabei wird darauf geachtet, dass an der Uhr nichts verändert wird.“

Denn die eigentliche Herausforderung ist weniger das Reinigen der Teile, sondern diese am Ende wieder zu einer funktionierenden Uhr zusammenzusetzen. „Alles muss an seinen Platz. Es ist eingepasst worden, als es gebaut wurde“, erklärt er. Keine einfache Aufgabe.

Ein Unikat ist die Uhr dennoch nicht. „Das wurde in Serie in großer Stückzahl hergestellt“, sagt der Uhrmacher. Die Uhr stammt aus der Turmuhrenfabrik Ed. Korfhage & Söhne GmbH & Co in Melle. Die Firma gibt es heute noch. Einige technische Besonderheiten hat sie dennoch zu bieten. So schlägt sie im Viertel-Stunden-Takt. „Das wissen die Krakower zur Genüge“, kommentiert Langner lachend und spielt auf die Nachtabschaltung an. Zudem bewegt sich das große Pendel nicht im Sekundentakt, sondern braucht für eine Bewegung mit 1,25 Sekunden etwas länger.

Dass die Uhr immer zur rechten Zeit läutet, dafür sorgt künftig der Krakower Elektriker Volker Stelzl. „Man muss jemanden finden, der sich kümmert“, sonst sei die ganze Arbeit umsonst, meint der Schwaaner.

Weil auch nach der Sanierung noch immer die Tür zu eng ist, baut Langner die Uhr auch wieder vor Ort zusammen. Einige größere Teile habe er bereits vor Ort eingebaut. Schon im Februar hofft er, fertig zu werden. „Das schaffe ich“, ist er überzeugt.

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