Obsternte : Neuer Bioobsthof nach Preissturz

Familien-Obstbaubetrieb Sternberg in Badendiek beginnt heute mit Apfelernte / Obstgarten Fetkenheuer erwartet Durchschnittsertrag

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15. September 2015, 06:00 Uhr

Wolfgang Sternberg prüft mit geschultem Auge Äpfel der Sorte „Carola“. „Sie können gepflückt werden“, steht seine Entscheidung fest. Heute geht es daher los. Dabei unterstützen den Badendieker Familien-Obstbaubetrieb 14 Saisonkräfte. Bis in den November hinein werden sie auf den 35 Hektar gut zu tun haben, weil die Ernte 14 Tage später beginnt. Der Grund sind die zu warmen Nächte der vergangenen Wochen. „Die Äpfel brauchen aber kalte Nächte, um Farbe zu bekommen“, erklärt der Obstbauer. Sternberg rechnet mit 750 bis 800 Tonnen, eine gute und reichliche Ernte.


Probleme durch Russland-Embargo


Damit will und muss er aber mehr Gewinn machen als im vergangenen Jahr. Das wurde für das Unternehmen durch das Russland-Embargo negativ bestimmt. Weil die Polen ihre Ware nicht mehr in Russland verkaufen konnten, überschwemmten sie den deutschen Markt mit preisgünstigerer Ware. Sternberg: „Das gab einen Preissturz. Vier Cent für das Kilogramm führten dazu, dass wir z.B. über 100 Tonnen Äpfel lieber am Baum ließen, weil der Verkauf sich nicht lohnte.“ In dieser Situation musste sich die Familie etwas Neues einfallen lassen. Wolfgang Sternberg: „Wir haben einen neuen Betrieb gegründet, die Bioobsthof GbR.“ Inhaber sind Wolfgang Sternberg und seine Frau Angela. Mit dem Unternehmen werden künftig 70 Prozent der Badendieker Äpfel vermarktet. Darunter auch ältere Sorten wie Gloster und Idare, die der Handel als Tafel-Ware nicht mehr will. Das Vermarkten übernimmt die „Mecklenburger Ernte“, in der der Obsthof Mitglied ist. Die Äpfel landen in Bio-Säften und im Bio-Apfelmus. Auch die Äpfel für die Babynahrung, die Badendiek seit Jahren liefert, werden jetzt auf der Bio-Strecke verkauft. „Da bekommen wir zwischen 24 und 30 Cent für das Kilogramm“, macht der Obstbauer auf den gewaltigen Unterschied aufmerksam. Drei Jahre benötigt der neue Bioobsthof, um ein Zertifikat zu bekommen. Wie lange das alles aber gut geht, weiß der erfahrene Obstbauer allerdings auch nicht. „Der Preisverfall durch das Russland-Embargo war ja auch nicht vorher zu sehen“, erklärt er die Stimmung.

Mit dem weiter bestehenden Obsthof Sternberg gibt es damit zwei Betriebe. Der liefert sortierte Tafel-Ware. Außerdem werden vom Obsthof Äpfel aufgekauft, die gegen Saft getauscht werden. Im vorigen Jahr waren das 20 Tonnen. Den Obsthof führt Wolfgang Sternberg weiter. Mit Sohn Christian und Schwiegertochter Yvonne, die ebenfalls im Betrieb arbeiten, weiß der 60-Jährige aber auch schon ziemlich genau, dass die Firmen-Nachfolge gesichert ist. Und er schmunzelt als er sagt: „Sechs Enkelkinder haben wir ja schon…“


Mostverkauf um das Zehnfache erhöht


Auch der Güstrower Obstgarten Fetkenheuer startet mit der Apfelernte. Inhaber Frank Fetkenheuer erwartet auf seinen 20 Hektar mit 30 Sorten eine durchschnittliche Ernte. „Sie hätte nur noch besser ausfallen können, wenn das Frühjahr wärmer gewesen wäre und die Bienen mehr geflogen wären“, erläutert der 50-Jährige.

Auch im Obstgarten gibt es Neuigkeiten. „Ich baue jetzt komplett Bio-Früchte an“, berichtet Fetkenheuer, der nach dem Tod seines Vaters als Einzelunternehmer firmiert. Die GbR musste aufgelöst werden. Seine Bio-Produktion kommt allerdings nicht in den Handel, sondern als Tafelware ausschließlich in seinen Hofladen. „Damit bin ich nicht von Warenketten abhängig“, betont er. Weiter bietet Fetkenheuer dieses Jahr das erste Mal das Selbstpflücken von Äpfeln und Pflaumen ca. für den halben Preis an. Auch bei Pflaumen sei eine gute Ernte mit 15 Sorten herangewachsen, betont er.

Ein seit zwölf Jahren wichtiges Standbein ist die Mosterei. „Ich habe mal mit 10 000 Flaschen angefangen, jetzt habe ich zwei Pressen und verkaufe das Zehnfache“, erläutert der Obstbauer. Wichtig dabei ist: Jeder bekommt den Saft aus seinen Äpfeln und kann beim Mosten dienstags und donnerstags sogar zuschauen. Allerdings will der Fachmann die Eile mancher Kunden bremsen, weil die Äpfel dieses Jahr später reif sind. Denn es gilt: Je reifer die Früchte, desto aromatischer ist der Saft.

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