Polchow : Neue Glocke aus alten Trümmern

Als im Oktober 2012 die vom Friedhof Groß Ridsenow gestohlene historisch wertvolle Glocke gefunden wurde, war sie schon in hunderte Teile zerlegt.
Als im Oktober 2012 die vom Friedhof Groß Ridsenow gestohlene historisch wertvolle Glocke gefunden wurde, war sie schon in hunderte Teile zerlegt.

Ende der unsäglichen Geschichte vom Glockendiebstahl auf dem Friedhof Groß Ridsenow – Glockenweihe am 24. Juni in Polchow.

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24. Mai 2017, 05:00 Uhr

Das Johannisfest in Polchow wird in diesem Jahr ein ganz besonderes: Eine neue Glocke mit langer Geschichte wird am 24. Juni um 14 Uhr eingeweiht. Die vom Friedhof in Groß Ridsenow gestohlene und bei einem Schrotthändler zerlegte Glocke wird in drei Wochen aus den Einzelteilen neu gegossen. Interessenten können beim Glockenguss zuschauen.

„Die Glockengießerei Bachert in Karlsruhe erwartet uns zum Neuguss am 16. Juni um 15 Uhr“, berichtet Pastor Thomas Kretschmann. Maximal zehn Personen können daran teilhaben. Gegen 4 Uhr wird man an jenem Freitag in Laage starten müssen, um rechtzeitig in Karlsruhe zu sein. Der Besuch in der Glockengießerei werde durch einen Vortrag rund um das Thema Glockenguss und Glockenklang sowie einen Film über die kunsthandwerkliche Herstellung der Lehmformen abgerundet. Interessenten melden sich im Laage Pfarramt unter Telefon 038459 18997. Vorgesehen ist eine Übernachtung und die Rückfahrt am Sonnabend.

Die Trümmer der im Oktober 2012 vom Friedhof in Groß Ridsenow gestohlenen Glocke sollten zunächst in der darauf spezialisierten Glockengießerei Bachert in Karlsruhe wieder zusammengefügt werden. Das erwies sich als nicht machbar. Also wurde entschieden die Einzelteile einzuschmelzen und aus dem historischen Material eine neue Glocke zu gießen.

Die frevelhafte Tat hatte Wogen der Empörung ausgelöst. Die alte Glocke aus der Rostocker Gießerei von Rinkert de Monkehagen war etwa 600 Jahre alt, knapp 600 Kilogramm schwer und hatte anders als viele andere Glocken die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts überstanden und war nicht eingeschmolzen worden. Dass sie nun Dieben und Hehlern zum Opfer gefallen war, schien unbegreiflich. Daraus war eine einzigartige Spendenbereitschaft erwachsen. Schnell war so das Geld – zuzüglich der Versicherungssumme – für einen Neuguss zusammengekommen. Da eine Aufhängung der neuen Glocke auf dem Ridsenower Friedhof, auf dem keine Bestattungen mehr stattfinden, wenig sinnvoll erscheint, findet die Glocke nun ihren Platz in der Polchower Kirche.

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