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Historische Serie : Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Klosterhofes

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Historische Baulücken in Güstrow“ / Heute: Baulücke Klosterhof Nr.2

Schon bald nach der Stadtgründung begann die Bebauung des Areals des heutigen Güstrower Klosterhofes, wobei die Bezeichnung Klosterhof erst nach der Errichtung eines Franziskanerklosters (existiert von 1509 bis 1550) gebräuchlich war.

Hier befand sich bis in die jüngere Vergangenheit das Armenviertel Güstrows. Mit erste Siedler waren vertriebene Juden aus dem Brandenburgischen, die sich nach Gründung einer jüdischen Gemeinde dort auch eine Synagoge bauten. Mit Privilegien ausgestattet, waren sie für den Fürsten willkommene Geldbeschaffer. Durch gezielte Verleumdung kam es 1330 zu einem großen Pogrom, dem alle Güstrower Juden zum Opfer fielen. Das gesamte Vermögen der Juden wurde eingezogen.

An Stelle der abgerissenen Synagoge ließ der Fürst eine Heiligblutkapelle errichten und deklarierte sie durch Reliquien und geweihte Hostien zu einem Wallfahrtsort, um sich damit eine neue Geldquelle zu erschließen. Beim ersten großen Stadtbrand in Güstrow im Jahre 1503 wurde auch die Heiligblutkapelle ein Raub der Flammen.

Nachdem auch das Kloster säkularisiert worden war und mit den vielfältigen Nebengebäuden nach und nach abgerissen wurde, erfolgte im 18. Jahrhundert eine kleinteilige Wohnhausbebauung, die zum überwiegenden Teil wegen Baufälligkeit und kaum vorhandener Bauressourcen in der DDR in den 1970er-Jahren abgerissen wurde. Erhalten blieben die Häuser der Nummern 1 (heutiges Finanzamt) 4 und 5 (kleine Wohnhäuser). Interessant war das alte Wohnhaus Nummer 2, wohnte doch dort der Tischlermeister Büntzel, von dem Ernst Barlach für seine bildhauerischen Holzplastiken einen Großteil seiner Qualitätshölzer bezog.

Interessant für die archäologische Forschung auf dem Areal Klosterhof könnte es in der nächsten Zeit werden, wenn bei einer geplanten Bebauung durch die AWG Güstrow eventuell neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Klosterhofes gewonnen werden könnten.  


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