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Min lütt Dörp : Neu Mistorf: „Ein guter Ort zum Leben“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Die kleine Ansiedlung in der Gemeinde Mistorf liegt etwas versteckt hinter sanften Hügeln. Die Neu Mistorfer schätzen die wenigen Einwohner und die viele Natur.

von
erstellt am 07.Aug.2014 | 23:30 Uhr

Die Betonspurbahn schlängelt sich durch Felder. Hinter einem Hügel werden Dächer sichtbar. Die Häuser von Neu Mistorf ducken sich in die Landschaft. Ein Schild an der Kreuzung weist auf einen Yoga-Kursus hin. Der Treff ist aber nicht in Neu Mistorf, sondern am Ende der Straße. Dort ist schon Rukieten. In der kleinen Ansiedlung treffen die beiden ehemaligen Landkreise Güstrow und Bad Doberan aufeinander. Ein bisschen sei das auch drei Jahre nach der Kreisgebietsreform noch so, erzählen die Einwohner und nennen die Müllabfuhr als Beispiel.

„Wenige Leute, die man gut kennt, und viel Natur“, so beschreibt Reinhard Böttner (71) Neu Mistorf. „Man lebt hier mit den Jahreszeiten“, fügt seine Frau Marlies Böttner (69) hinzu. Und man habe keinen Mangel an Beschäftigung. Im und am Haus und auf dem Hof sei immer zu tun, das bestätigen auch Ulla (70) und Fritz (72) Altmann. Sie liebt Rosen und Kräuter. Er lebt seine handwerklich-künstlerische Begabung aus. Windspiele bringen den Garten der Altmanns zum Klingen. Und ein bisschen Humor steckt immer dahinter.


Viel Besuch in den Sommermonaten


„Es gibt hier herrliche Sonnenuntergänge und einen fantastischen Sternenhimmel“, benennt Marlies Böttner ein weiteres Plus für das Dorf. Kleine Ärgernisse, erwähnt Reinhard Böttner wie nebenbei, gebe es. Aber mit dem Alter werde man zunehmend toleranter. Viel Besuch von Verwandten und Bekannten bekommen die Altmanns und die Böttners besonders in den Sommermonaten. Im November eher selten, fügt Reinhard Böttner hinzu. In der dunklen Jahreszeit lese man viel. „Wir tauschen auch Bücher aus“, berichtet Ulla Altmann. Und Rostock sei nicht weit. Böttners schätzen Veranstaltungen der Hochschule für Musik und Theater in der Hansestadt. „So ist auch der November erträglich“, sagt Marlies Böttner.


Wochenendhäuser ab Mitte der 1970er-Jahre


Beide Familien wohnen seit etwa 20 Jahren in Neu Mistorf, waren aber schon seit der Mitte der 1970er-Jahre Wochenend- und Feriengäste in dem kleinen Dorf. Zur Wendezeit seien in Neu Mistorf nur zwei Häuser ständig bewohnt gewesen, alles andere waren Ferienhäuser, erzählt Heide Berling (73). Wie andere auch war sie mit Mann Hagen Berling (79) schließlich aus Rostock ganz nach Neu Mistorf gezogen. Ganz ungetrübt sei die ländliche Idylle aber nicht. „Ruhe und Besinnlichkeit ist Vergangenheit“, sagt Heide Berling. Es gebe immer mehr Tiere – Pferde und Schafe, auch Rinder. „Man kann nicht mehr querfeldein gehen. Überall elektrische Zäune“, schildert sie. Tuckernde Traktoren und Übungsflüge für Piloten würden die Ruhe stören. „Unvergleichlich viel Platz“ zu haben, sei aber ein Grund doch zu bleiben, auch wenn man älter werde, und manches beschwerlicher. Dann müsse es Lösungen geben. Notfall könne man sich mit dem Taxi zum Einkaufen fahren lassen.

Es sind nicht nur die Äpfel und ein Korb Bohne auf dem Tisch, die die leidenschaftliche Gärtnerin verraten. Vor und im Wintergarten stehen viele große Töpfe mit Tomaten. Im Gemüsegarten hat sie gerade Gurken und Rote Bete geerntet. Mit vielem könne man sich so selbst versorgen. Legendär sei das Apfel-Tomaten-Chutney seiner Frau, erzählt Hagen Berling, der mit ausgeprägtem handwerklichen Geschick seinen Teil zu einem schönen Zuhause beiträgt.


Brauns leben ihren Traum vom Bauernhof


„Über Menschen, die sich über Pferde oder Schafe ärgern“, könnte Silvio Braun (42) sich ärgern, versucht dies aber zu vermeiden. Er und seine Frau Anke haben in Neu Mistorf gefunden, was sie suchten. „Ein guter Ort zum Leben“, sagt der 42-Jährige. Eine alte Büdnerei – also einen kleinen Bauernhof – lassen sie wieder aufleben. Der selbstständig in der Baubranche Tätige ist hier Landwirt im Nebenerwerb. Pferde (Haflinger), Pommernschafe, Pommerngänse und -enten sowie Hühner tummeln sich auf dem Hof und auf den Weiden. „Wir kommen beide aus Vorpommern und sind auf Bauernhöfen großgeworden“, erklärt Silvio Braun und hat eigentlich gar keine Zeit. Er will die Pferde anspannen und mit ihnen trainieren. Silvio Braun bietet Kutschfahrten an, übt jetzt aber für den Auftritt seiner Haflinger bei der Mela in Mühlengeez. Einen treuen Mitarbeiter habe er auf dem Hof mit dem Border Collie Kylie. Er helfe, wenn Schafe oder Pferde die Koppel wechseln. „Es ist als habe der Hund die täglichen Abläufe im Kopf“, denkt Silvio Braun und erzählt die Geschichte vom Ausbrüten der Küken. Als er einmal vergessen hatte Wasser nachzufüllen, habe der Hund solange vor der Tür, hinter der sich der Brutapparat befand, Stress gemacht, bis der Landwirt im Nebenerwerb bemerkte, was er vergessen hatte.

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