Güstrow : Netzwerk will Kinder auf Bauernhöfe bringen

Stellte gestern im Bürgerhaus in Güstrow mit anderen Aktiven das junge Netzwerk Lernort Bauernhof M-V vor: Projektleiterin Solveig Borges aus Sundhagen (2.v.r.).
Stellte gestern im Bürgerhaus in Güstrow mit anderen Aktiven das junge Netzwerk Lernort Bauernhof M-V vor: Projektleiterin Solveig Borges aus Sundhagen (2.v.r.).

Motto einer Tagung: „Erlebnis gesucht – Bauernhof gefunden“.

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13. März 2020, 10:00 Uhr

Kinder werden heute in der Regel ganz anders groß als früher. Sie schauen heutzutage mehr fern, haben Handys und sind im Internet unterwegs. Früher war der Nachwuchs mehr draußen. Und auch der Radius, indem er sich bewegen durfte, war viel größer. So fasste es gestern Dr. Anja Kofahl von der „Naturschule MV in natura“ aus Wismar in ihrem Vortrag im Bürgerhaus in Güstrow zusammen.

„Viele denken, Lernen mit Büchern spare Kosten und sei effektiver. Dem ist nicht so“, sagte die Agrarökologin und Berufsschullehrerin. Sie brach eine Lanze dafür, dass Kinder – ob in der Kita oder in einer Schulklasse – auch auf dem Bauernhof lernen sollten. Eine große Metastudie habe ergeben, dass Kinder sich wohler fühlten, wenn sie Tiere erleben könnten. Das zeige bereits der Einsatz eines Schulhundes. Auf einem Bauernhof lernten Kinder aber auch, sozial zu handeln und sie würden physisch stärker gefordert. Sie würden dann weniger krank, ihre Motorik verbessere sich. „Ganzheitliche Naturbildung und Natur-Erfahrungen haben großen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern“, sagte die Expertin.

Etwa 40 Interessierte waren zur Tagung „Netzwerk Lernort-Bauernhof MV: Erlebnis gesucht – Bauernhof gefunden“ gekommen. Die Landeslehrstätte für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung MV als Teil des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) hatte dazu eingeladen.

Das Netzwerk wird gerade aufgebaut, es hat zurzeit rund 30 Mitglieder. Es ist ein Zusammenschluss von Landwirten, Gärtnern, Schulbauernhöfen, Umweltbildnern und verarbeitenden Betrieben. Es gibt bereits andere Netzwerke in diesem Bereich, aber das sieht die Projektleiterin Solveig Borges als Ergänzung an. „Ziel ist, dass die Netzwerke mal von Bund und Land finanziert werden“, sagte sie.

„Für einen Bauernhof bieten sich Optionen, über neue Organisations- und Wirtschaftsformen nachzudenken“, erläuterte Martina Nösse vom Lung einen weiteren Grund, warum Schulbauernhöfe wichtig seien. Und: „Diese Arbeit darf und soll sich auch rechnen.“ In den alten Bundesländern sei man in dieser Angelegenheit viel weiter, MV hinke etwas hinterher.

Einiges muss geklärt werden, bis mehr Kinder in MV sehen, wo die Lebensmittel her kommen. Zum Beispiel: Wer organisiert und bezahlt den Transport der Kinder? Welche Versicherungen sind nötig? Dr. Kai-Uwe Kachel vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt M-V berichtete den Teilnehmern, dass es zumindest Fördermöglichkeiten bei der Umgestaltung von Räumen und andere Zuschüsse für Teilbereiche gebe.

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