SVZ-Sommertour : Netze gegen die Weiße Fliege

Gunnar Hirthe mit Anita und Joachim Radcke vor Rosenkohl, frei wachsend oder unter Netzen. Fotos: hans-jürgen kowalzik
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Gunnar Hirthe mit Anita und Joachim Radcke vor Rosenkohl, frei wachsend oder unter Netzen. Fotos: hans-jürgen kowalzik

Fünfte Station der SVZ-Sommertour führte gestern ins Gartenbau-Kompetenzzentrum des Instituts für Pflanzenzüchtung Gülzow.

„Unternehmen Sie etwas gegen die Weiße Fliege?“ Mit der Frage sprach Anita Radcke gestern ein Thema an, dem das Gartenbau-Kompetenzzentrum des Instituts für Pflanzenzüchtung Gülzow, fünfte Station der SVZ-Sommertour, nachgeht. Dr. Kai-Uwe Katroschan, seit Mai 2015 Leiter der Forschungseinrichtung und wissenschaftlicher Mitarbeiter für diese Abteilung, und sein Kollege Gunnar Hirthe bestätigten das. Es sei sogar ein Schwerpunkt, betonten sie. Katroschan und Hirthe erläuterten u.a. an einem Rosenkohlfeld ihre Versuche, um gegen die Kohl-Motten-Schildlaus – so der korrekte Name – vorzugehen.


Für den ganzen Norden tätig


Es ist aber ein komplizierter Kampf, weil sich die Laus u.a. über den Ackerbau im Gemüse ausbreitet. „Sie kommt millionenfach im Raps vor. Dort gilt sie aber nicht als Schädling“, erfuhren die SVZ-Leser. Ob Anita Radcke, die von 1952 bis 1992 im Gülzower Institut als Assistentin in der Getreidezüchtung arbeitete, allerdings künftig Netze über ihren Grünkohl spannen wird, ließ sie offen. Denn dass Netze über den Kohl-Flächen gegen die Laus helfen, haben die Gülzower festgestellt. „Aber das, was wir in diesem Fall oder bei all unseren anderen 15 Kulturen herausfinden, ist nur eine Empfehlung für die Gemüseanbauer. Wir informieren und unsere Berater leiten das weiter. Der Landwirt entscheidet letztlich“, so Katroschan.

Diese Ratschläge aus Gülzow gelten allerdings für den gesamten norddeutschen Raum. Kai-Uwe Katroschan: „Wir sind seit zehn Jahren Kompetenzzentrum für Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt.“ In Gülzow geht es jedoch nicht um den Haus- oder Kleingarten, auch wenn die Weiße Fliege unsere Leser Anita Radcke oder Willi Holst ärgert, sondern um Anbauhilfen für die Betriebe. Auf eine Leser-Frage nannte Katroschan z.B. eine Beratung für den Kürbisanbau in Steinhagen bei Wismar. „Mit unseren Hinweisen gelang es, die Erträge zu steigern“, informierte er. Das Zentrum kümmert sich um Düngung, Bodenbearbeitung, Bewässerung, ökologischen Anbau und Pflanzenschutz. Letzterer ist besonders wichtig, weil die Anforderungen immer größer werden. Einen Anteil schreibt sich das Zentrum auch bei der neuen Düngeverordnung zu. Katroschan und Hirthe hoffen, dass sie 2017 bundesweit umgesetzt wird. Da gehe es u.a. um Nährstoffeffizienz und -bilanzen oder um das Nutzen von Gärresten in den Fruchtfolgen.


Gemüseanbau im Land ausbaufähig


Die Versuchsarbeit spielt sich auf zwei Hektar ab. Beide Experten sehen für den Gemüseanbau im Land Reserven. 2000 Hektar seien für ein Agrarland ausbaufähig, meint Katroschan. Aktuell kann Gülzow mit Sortenempfehlungen, Hinweisen für wirksame Pflanzenschutzmittel und angepassten Dünge-Tipps vor allem kleineren Öko-Betrieben helfen. Kai-Uwe Katroschan und Gunnar Hirthe verweisen aber auch auf die hohe Wertschöpfung, die der Gemüseanbau ermöglicht, auf das verbesserte regionale Angebot, das von Kunden gewünscht wird, sowie „dass noch viel Luft nach oben für die Selbstversorgung aus deutschen Landen“ sei.

Nach diesen vielen Informationen bestätigten die SVZ-Leser unisono, dass sie ganz sicher beim nächsten Gemüse-Kauf an die Arbeit des Gülzower Gartenbau-Kompetenzzentrums denken werden.


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