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Windanlagen in Linstow und Groß Bäbelin : Nein der Gemeinde, gebaut wird trotzdem

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Die Gemeindevertretung Dobbin-Linstow will keine Windkraftanlagen. Doch sie sind aber Bestandteil der Landesplanung. Sie sollen nahe Groß Bäbelin und bei Linstow errichtet werden. Investoren sind Landwirte.

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erstellt am 08.Apr.2013 | 07:36 Uhr

Dobbin-Linstow | Die Gemeindevertretung Dobbin-Linstow hat sich auf einer Sitzung in einer Stellungnahme gegen den Bau von zwei Windkraftanlagen in der Gemeinde entschieden. Sie sollen auf 75 Hektar nahe Groß Bäbelin und auf rund 100 Hektar bei Linstow errichtet werden. Investoren sind Landwirte. In Groß Bäbelin ist es Henrik Oevermann, in Linstow die Agrargesellschaft Hohen Wangelin. Beide haben allerdings trotzdem gute Chancen, dass ihre Vorhaben realisiert werden. Denn im Land ist es ein strategisches Ziel, die Windanlagen-Vorranggebiete zu erweitern, und zwar von 0,8 auf 1,5 Prozent der Fläche. Dazu beschloss die Verbandsversammlung des Planungsverbandes Region Rostock die Fortschreibung des Kapitels "Energie" im Raumentwicklungsprogramm (wir berichteten). Danach habe die Versammlung "rund 1300 Hektar an 16 Standorten als Eignungsgebiete für Windkraftanlagen auf den Markt geworfen", hatte nach der Versammlung Gerd Schäde, Leiter der Geschäftsstelle des Planungsverbandes, unserer Zeitung in den Block diktiert. Darunter sind Groß Bäbelin und Linstow.

Der Gegenwind gegen die Anlagen kommt vor allem aus der Tourismusbranche, aus dem Feriendorf Linstow. Das hat Sorgen, dass wegen der "Windmühlen" die Gäste ausbleiben. So jedenfalls war es auf der Sitzung der Gemeindevertretung zu hören. Bürgermeister Wilfried Baldermann gibt zu, dass vor allem deshalb die Gemeindevertretung gegen den geplanten Bau gestimmt hat. "Wir folgen den Sorgen des größten Arbeitgebers und Steuerzahlers der Region", sagt er. Baldermann versteht als Landwirt aber auch die andere Seite: "Es ist unstrittig, dass die Erlöse von diesen Anlagen trotz der Investition höher sind als ein landwirtschaftlicher Betrieb abwirft." In diesem Spannungsbogen verlaufe der Interessenkonflikt, bestätigt der Bürgermeister.

Investor Henrik Oevermann bedauert das Nein, auch wenn es für seine Investition höchstwahrscheinlich nicht von Bedeutung sein wird. "Der Tourisms gilt nicht mehr als Versagungsgrund wie vor einigen Jahren", so Oevermann. Er will auf den 75 Hektar in einem "Bürger-Windpark", der Einwohnern wie Unternehmen Energie liefern soll und letztlich eine sichere Einnahme für die Gemeinde sein wird, fünf bis sieben Anlagen errichten. Das ist eine Investition von 20 bis 25 Millionen Euro. Oevermann sagt klar: "Das ist für mich ein weiteres Standbein." Bisher konzentriert er sich auf die Schweinemast und er betreibt eine Biogasanlage.

Der endgültigen Entscheidung sind Beteiligungsverfahren in zwei Stufen vorgeschaltet, in denen die Einwände der Bürger und der so genannten Träger öffentlicher Belange erfasst werden. Die Entwurfsplanung ist u.a. im Internet auf der Homepage des Planungsverbandes und im Amt Krakow am See einzusehen. Im Mai will der Verband die Stellungnahmen abwägen. Danach gibt es eine zweite Runde der Entwurfsplanung, die am Jahresende ausgelegt werden könnte. Oevermann rechnet in einem Jahr um diese Zeit mit dem Baubeginn seines Vorhabens.

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