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Soziale Arbeit in Güstrow : Neiddebatte um Sozialleistungen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrower Sozialausschuss gibt Zuwendungsbescheide zunächst nur für 2016 frei. Wohlfahrtsverbände unter der Lupe.

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erstellt am 08.Sep.2016 | 05:00 Uhr

42  500 Euro gibt die Barlachstadt in diesem Jahr für soziale Projekte ihrer Vereine aus. Das ist weniger, als die Vereine beantragt haben, und noch viel weniger als sie tatsächlich für ihre Arbeit im Interesse der Bürger der Stadt benötigten. „Wir sind sehr froh und auch stolz, dass es gegenüber dem vergangenen Jahr keine Abstriche gibt“, sagte Gisela Karmann, Leiterin des Güstrower Schulverwaltungs- und Sozialamtes, als sie den Mitgliedern des Sozialausschusses die Antragsliste der sozialen Vereine vorlegte. Der Ausschuss brauchte nur dem Vorschlag der Verwaltung zur Aufteilung der Mittel folgen: Der sieht vor, jedem beantragenden Verein wieder genau den Betrag zur Verfügung zu stellen, den er im vergangenen Jahr bekommen hatte. Dass die gleichen Vereine wie 2015 auch für 2016 und 2017 Zuschüsse beantragt haben, hätte die Sache relativ einfach machen können.

Wurde es aber nicht. Torsten Schumann, stellvertretender Vorsitzender des Beirates der Barlachstadt für behinderte und chronische Menschen, pochte auf sein in der Hauptsatzung der Stadt verbrieftes Recht auf Mitsprache. Schließlich ginge die Mittelverteilung auch Menschen mit Behinderung an, so sein Argument. 200 Euro, diesen Betrag soll sein Verein pro Jahr bekommen, wären in keinem Fall ausreichend, sagte Schumann. Dass dagegen beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt (Awo) allein 10  000 Euro bekommen soll, auch das DRK mit 5000 Euro über die Maßen gut bedient sei, wollte Schumann als viel zu große Diskrepanz bewerten. Damit war eine Neiddebatte losgetreten, die Karen Larisch (Die Linke) als Ausschussvorsitzende nur schwer zu zähmen vermochte. Zwar musste das Argument eines Stadtvertreterbeschlusses stechen, wonach die Stadt mit diesem Betrag erforderliche Komplementärmittel bereit stellt. Nur so bekäme man auch 30  000 Euro vom Bund und 20  000 Euro vom Land, damit das Mehrgenerationenhaus, von der Awo betrieben, überhaupt existieren könne, erinnerte Larisch. Von „Erpressung“ sprach die Ausschussvorsitzende in diesem Zusammenhang, der man sich halt per Beschluss gebeugt habe.

Doch gerade an den Wohlfahrtsverbänden erhitzte sich die Debatte weiter. Volkssolidarität, DRK, Diakonie und Caritas sollen jeweils Zuwendungen über 4000 bis 5000 Euro für zusammen elf vielfältige Projekte bekommen. Dem gegenüber stehen 2900 Euro insgesamt für weitere elf Vereine, die sich zur Unterstützung ihrer Beratungsangebote mit Beträgen zwischen 100 und 600 Euro bescheiden müssten. Ausnahme: Das Güstrower Bündnis, das mit 4200 Euro bezuschusst wird.

Auf Vorschlag von Steffen Camenz (CDU) beschloss der Ausschuss, die Mittel zunächst nur für 2016 zu bestätigen. Die Anträge der Wohlfahrtsverbände sollen nochmals ganz speziell unter die Lupe genommen werden.

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