zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

24. Oktober 2017 | 04:22 Uhr

Frühjahrsputz : Nebel von viel Müll befreit

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Säuberungsaktion der Fachgruppe Ornithologie und Naturschutz zwischen Wildpark und der Fischtreppe Parum.

Ziemlich „sauer“ reagiert die Elritze, der kleine, auf sauberes Wasser angewiesene Karpfenfisch, auf Müll in der Nebel. Nicht anders die vier Männer, die am Freitag bis in die Abendstunden das Ufer eines der artenreichsten Flüsse in Deutschland vom Wildpark bis zur Fischtreppe Parum säuberten. „Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht“, sagte sarkastisch ein frustrierter Jörg Bußmann, Mitglied der Fachgruppe Ornithologie und Naturschutz Güstrow, die erstmals zu einer solchen Aktion aufgerufen hatte. Bußmann, der in Parum wohnt und der an der Nebel seine Rad- und Laufstrecke hat, wurmt schon lange, was sich auf dem Fluss aus Richtung Güstrow an Müll über den Kanal und die Warnow bis in die Ostsee ergießt. „Ab Güstrow beginnt der Haupt-Mülltrieb, deshalb sind wir am Wildpark gestartet“, erklärte Jörg Bußmann, seit Kindheitstagen der Natur und ihrem Schutz mit Leib und Seele verbunden.

In zwei Kanus saßen neben Jörg Bußmann sein Sohn Jonas, Guntram Trost, ebenfalls Fachgruppen-Mitglied, und Hans-Jürgen Kowalzik, der für die SVZ die Tour begleitete. Zwölf Säcke von je 120 Litern waren nach fünf Stunden rappelvoll mit Müll so gefüllt, dass die Aktivisten bei viel Gegenwind sogar aufpassen mussten, nicht zu kentern. „Das war anstrengend und kein Spaß“, fasste Jonas Bußmann seine Gedanken nach der Tour zusammen. Die Boote kamen von Wanderer-Aktivtour. „Im Naturpark Sternberger Seenland gibt es seit Jahren diese Aktion von Naturfreunden, früh die Paddelstrecken zu inspizieren und zu reinigen“, erklärte Inhaber Sven-Erik Muskulus aus Oldenstorf, warum er die Kanus bereitstellte.

Besonders viel Müll lag an den Brücken, zum Beispiel in Güstrow in der Eisenbahnstraße und in der Hafenstraße, an den vielen Anglerplätzen und ab der neuen Brücke Am alten Hafen in Richtung Parum. Flaschen, meist Alkohol, Sprayflaschen und Plastiktüten wurden massenweise eingesammelt. „Ich bin sehr enttäuscht über dieses Ergebnis. Warum können diejenigen, die das verursachen, nicht wie wir einen Sack nehmen und den Müll einfach wieder mitnehmen“, bilanzierte Guntram Trost den Einsatz.

Die Männer in den beiden Kanus meinten auch, dass so viel Müll ein Schlag ins Gesicht für diejenigen sei, die die Nebel in den vergangenen 20 Jahren renaturiert haben. Die neue Fischtreppe Parum, an der besonders viel Müll eingesammelt wurde, war 2015 als letztes Vorhaben in diesem Millionen-Projekt fertiggestellt worden. Nur für einen Fund konnten die vier Männer Verständnis aufbringen: eine Flaschenpost mit Grüßen und einer Eisenbahn-Fahrkarte „von Hannes, Nele und Jessy“.

Manches musste am Ufer und im Wasser liegen bleiben. „Wir konnten von den acht Fahrrädern, die hier vor sich hinrosten, nur zwei mitnehmen. Auch sechs Einkaufswagen fanden in den Kanus beim besten Willen keinen Platz“, so Jörg Bußmann. Die Fachgruppe wird den Güstrower Werkstätten, die den Müll abfuhren, die Fundorte mitteilen und bitten, ob sie das auch noch entsorgen können. Schade fanden die vier Männer, dass die in einem zarten Grün erwachende Natur, der besondere Blick vom Wasser auf die Landschaft und die kurz vor dem Ende der Aktion hervorkommende Sonne das Ergebnis der Müll-Tour nicht mehr kaschieren konnten. Der Müll in den zwölf Säcken war für ihre Stimmung ernüchternd.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen