Archäologen auf dem Klosterhof : Nach Skelettfund jetzt altes Pilgerzeichen entdeckt

Dieses Pilgerzeichen aus dem 13. oder 14. Jahrhundert gehört zu den Höhepunkten der auf dem Areal des Klosterhofs bislang geborgenen Funde.
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Dieses Pilgerzeichen aus dem 13. oder 14. Jahrhundert gehört zu den Höhepunkten der auf dem Areal des Klosterhofs bislang geborgenen Funde.

Archäologen beginnen jetzt mit Grabungen auf dem vierten Baufeld am Güstrower Klosterhof.

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07. November 2017, 05:00 Uhr

Über einen Fund auf der Grabungsstätte des künftigen Bau-Areals „AWG-Klosterhof“ im Güstrower Stadtzentrum geriet Dr. Holger Fries ganz aus dem Häuschen. Behutsam wickelt der Archäologe eine zirka sieben Zentimeter große Marienfigur aus, die bequem auf seiner Handfläche Platz hat. „Das ist ein Pilgerzeichen und dürfte aus der Zeit zwischen 1250 und 1339 stammen“, schätzt Fries.

Die Figur aus einer Blei-Zinn-Legierung ist nicht ganz vollständig. Es fehlt ein Arm der Maria, auf dem sie vermutlich das Kind trug. Zu sehen sind dagegen die kleinen Ösen, durch die das Zeichen an der Kleidung befestigt wurde. Nicht zu ermitteln ist der Ausgangsort des Pilgers, aber es dürfte sich dabei um einen Marien-Wallfahrtsort handeln. „Das ist doch eine tolle Geschichte, bei der das Mittelalter wieder lebendig wird“, schwärmt Fries und kann sich den beschwerlichen, an Entbehrungen reichen und nicht ungefährlichen Weg des Pilgers gut vorstellen. Ziel des Mannes könnte die Heilig-Blut-Kapelle gewesen sein, durch die das Pilgerwesen im 14. Jahrhundert in Güstrow einen großen Aufschwung nahm.

Gefunden wurde das Zeichen dank eines Metalldetektors auf dem Areal des Klosterhofes auf der Seite des Finanzamtes. „Hier befand sich ein Friedhof aus der Zeit der Heilig-Blut-Kapelle, die ab 1336 errichtet wurde. Um 1510 wurde das Franziskanerkloster gebaut. Die letzte urkundlich belegte Bestattung auf diesem Friedhof stammt von 1599“, erklärt Fries. Der Grabungsleiter vermutet, dass der Pilger in Güstrow verstarb und auf dem Friedhof bestattet wurde. Insgesamt, so Fries, habe man hier 50 Gräber gefunden (SVZ berichtete). Jetzt legte er die letzte Grabstätte frei und dokumentierte das noch gut erhaltene Skelett einer Frau.

An dieser Stelle an der Seite des Finanzamtes werde später noch etwa einen Meter tiefer gegraben. In diesem Monat werden die Archäologen an der Armesünderstraße, an der das vierte Gebäude errichtet werden soll, mit den Grabungen beginnen. An verschiedenen Stellen des übrigen Areals sind noch Restarbeiten zu erledigen. Insgesamt wird nur so tief gegraben wie es der Neubau des Wohngebietes erfordert, versichert Fries.

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