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Barlachtheater Güstrow : Nach Güstrow zurückgekehrt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Theaterförderverein Güstrow präsentiert zwei Neuerwerbungen, die zur Geschichte des Schauspielhauses passen.

Zwei Zeitzeugnisse aus der Geschichte des Güstrower Theaters konnte Heidemarie Beyer, Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Ernst-Barlach-Theaters, jetzt vor der Jahresversammlung präsentieren. Sie berichtete den Vereinsmitgliedern von einem Angebot von Helmut Martin aus dem Antiquariat Am Roßacker aus Rosenheim. Im Nachlass der im Alter von 102 Jahren verstorbenen ehemaligen Schauspielerin Ruth Schmittinger hatte der Antiquar das Buch „Mecklenburgische Landesbühne Güstrow. 1938 - 1942“ entdeckt. Genau während dieser Zeit war Schmittinger in Güstrow engagiert und hatte über die Spielzeiten Programmzettel, Spielpläne und Berichte über das Theater gesammelt und binden lassen.


Einblicke in Zeit des Zweiten Weltkriegs


„Wir haben nicht gezögert und das Buch erworben. Es gehört zu unserem Theater“, berichtet Beyer. Die Darlegungen sind umso wertvoller, da frühere Forschungen und Publikationen zur Geschichte des Güstrower Theaters die Zeit des Nationalsozialismus weitgehend ausgespart haben. Nun lässt sich nachvollziehen, welche Leistungen das Ensemble in den Kriegsjahren vollbracht hat. Beispielsweise spielte es 1942 von den aufgeführten 275 Vorstellungen unter anderem 113 für die Wehrmacht, 81 im Güstrower Schauspielhaus und 49 in Abstecherorten. Diese führten die Mimen in die Region von Schönberg und Boizenburg im Westen, bis Friedland und Stavenhagen im Osten. Nicht eingerechnet in diese Zahlen sind die Vorstellungen für Kinder. „Auf den Spielplänen standen zumeist heitere Stücke, Lustspiele und Operetten, aber auch Klassiker wie ‚Der zerbrochene Krug’ von Heinrich Kleist, ‚Kabale und Liebe’ von Friedrich Schiller und Goethes ‚Faust’“, erzählt Heidemarie Beyer.

Bekannt ist die weitere Geschichte des Güstrower Theaters: Am 1. September 1944 fiel der letzte Vorhang. Das Theater wurde als „Maßnahme zur totalen Kriegsführung“ geschlossen. Aber als eines der ersten Häuser in Norddeutschland nahm es am 20. Mai 1945 wieder den Spielbetrieb auf. In etwa aus dieser Zeit stammt das zweite Stück, das Heidemarie Beyer den Vereinsmitgliedern vorstellte: ein schwarzes Kleid, das die Sängerin Luise Schloite aus zwei Konfirmationskleidern für eine Aufführung geschneidert hatte. „Der Fundus des Theaters war nach dem Krieg weitgehend leer, weshalb die Schauspieler oft selbst für die Garderobe für ihre Auftritte sorgen mussten“, hatte Beyer in Erfahrung gebracht. Schloite, die von 1948 bis 1951 am Güstrower Theater wirkte, hatte das Kleid, das wegen seines gewagten Dekolletés einiges Aufsehen erregte, in all ihre nachfolgenden Engagements mitgenommen. „Nun soll es wieder dahin zurück, wo es entstand“, hatte Schloites Ehemann, Hans-Heinrich Höffer, verfügt.

Das neuerworbene Buch wird der Freundeskreis des Theaters dem Güstrower Stadtmuseum als Dauerleihgabe übergeben. Dort dürfte es eine Ergänzung der umfangreichen Sammlung von Theaterzetteln sein. Das Kleid aber soll den Theaterbesuchern nicht vorenthalten werden. Diskutiert wird noch, ob es in der Vorverkaufskasse oder in einer Vitrine im Foyer seinen Platz finden soll.

 

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