Zeitreise nach Krakow am See : Nach 50 Jahren zurück in Krakow

Überraschung mit Blumenstrauß zum Hochzeitstag: Margit und Arnd Hornickel vor ihrem Wohnwagen auf dem Krakower Zeltplatz
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Überraschung mit Blumenstrauß zum Hochzeitstag: Margit und Arnd Hornickel vor ihrem Wohnwagen auf dem Krakower Zeltplatz

Zeitreise: Ehepaar aus Thüringen verlobte sich 1966 am Krakower See.

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26. August 2016, 05:00 Uhr

Camper sind ja meistens Frühaufsteher. Doch für Margit (68) und Arnd (71) Hornickel endete die Nacht gestern früh doch abrupt: Um 8 Uhr stand ein Fleurop-Bote vor ihrem Wohnwagen und überreichte einen Blumenstrauß. Eine Überraschung von Sohn und Schwiegertochter zum 50. Verlobungstag.

Für das Ehepaar aus Arnstadt war diese Woche auf dem Krakower Campingplatz eine Zeitreise. Vor genau 50 Jahren waren die Thüringer das erste Mal hier. Mit MZ ES 150 und kleinem Zweimannzelt knatterten sie zum Krakower See. Höhepunkt ihrer zwei Urlaubswochen wurde der 25. August: ihre Verlobung. Schon drei Jahre wären sie zusammen, und nun sollten die Ringe getauscht werden. „Das Gold dafür hatten wir von meinem Onkel aus dem Westen bekommen – in einem ganz normalen Brief geschickt“, erzählt Arnd Hornickel. Seine Ehefrau will das heute noch kaum glauben: „Wir haben uns jedenfalls sehr gewundert, dass das klappte.“

Dann kam der entscheidende Tag – und es goss in Strömen, erinnern sich die Rentner an den 25. August 1966. „Der Zeltwart hatte Mitleid mit uns und ließ uns in einem großen, leeren GST-Zelt übernachten“, erzählt der Kfz-Ingenieur, denn alle ihre Sachen wären durchnässt gewesen. Aber am nächsten Tag war ohnehin die Heimfahrt geplant.

In Krakow am See waren die Hornickels seitdem nie wieder – bis in diese Tage. „Der fürchterliche Regen hatte uns wohl schockiert“, mutmaßt der 71-Jährige heute. „Und wir wollten ja noch viel mehr von der Welt sehen“, warf seine Frau ein. Das haben die passionierten Camper denn wohl. Bald schon wurde aus dem Zweimann- ein kleines Hauszelt, aus dem Motorrad ein Auto, und der Lada zog dann auch einen Queck-Junior, Standard-Wohnwagen zu DDR-Zeiten. Unterwegs waren die Hornickels oftmals zum Motorsport, Arnd als Aktiver. „Mit der Autocross-Nationalmannschaft bin ich viel herum gekommen, war in Ungarn, in Tschechien, der Sowjetunion… Und meine Frau immer dabei. Sie wurde dafür sogar freigestellt, als ,Betreuerin’.“ Auch auf dem Teterower Bergring sei er damals gefahren, berichtet der Motorsportfreak. Als dann die Wende kam, kauften sich die eingefleischten Camper ein Wohnmobil. „Ein Mitsubishi, uralt. Unsere erste Reise ging nach Norwegen“, berichtet Arnd Hornickel. Inzwischen sind sie auf Gespann umgestiegen. Auto und Wohnwagen sei für sie praktischer geworden, seit die Ehefrau aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Rad fahren kann.

Zur Ehefrau Hornickel wurde die gelernte Physiotherapeutin übrigens exakt ein Jahr nach ihrem ersten Krakow-Campingurlaub. Die Goldene Hochzeit in einem Jahr aber wollen sie denn doch zu Hause feiern. Das 49-Jahre-Ehepaar tritt heute wieder die Heimreise an und ist sich einig: „Diese Woche war es hier richtig schön. Und das bei dem prima Wetter! Aber wenn wir zur großen Feier flüchten würden, könnten uns einige Freunde vielleicht sauer sein.“

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