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Güstrower Zoohandlung schließt : Nach 25 Jahren die Reißleine gezogen

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Nach 25 Jahren schließt die Zoohandlung von Gerd Köhler in Güstrow für immer ihre Pforten. "Ich hätte den Betrieb gern noch bis zur Rente fortgeführt, aber es geht einfach nicht mehr. Ich muss die Reißleine ziehen."

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erstellt am 12.Apr.2012 | 10:12 Uhr

Güstrow | Nach 25 Jahren schließt die Zoohandlung von Gerd Köhler im Krönchenhagen am 30. April für immer ihre Pforten. "Ich hätte den Betrieb gern noch bis zur Rente fortgeführt, aber es geht einfach nicht mehr. Ich muss die Reißleine ziehen", sagt der 60-jährige Besitzer. Das Geschäft mit seinem exotischen Angebot von Haustieren - außer Katzen und Hunden -, Futter, Zubehör für die Tierhaltung und Anglerbedarf wird in der Kreisstadt fehlen. Es war eine gute Adresse für ausgefallene Wünsche: Fische und Vögel konnte der Liebhaber hier erstehen, aber auch verschiedene Reptilienarten, Vogelspinnen oder Skorpione.

Am 1. August 1987 hatte Gerd Köhler die Zoohandlung von Hans Peters im Krönchenhagen 36 übernommen. Nach der Wende musste er sich ein neues Domizil suchen. Gerd und Petra Köhler entsorgten die Ruine im Krönchenhagen 34 und errichteten darauf ein Wohn- und Geschäftshaus. Und die Geschäfte liefen gut in den 90er-Jahren. Zeitweise fanden bis zu fünf Halbtagskräfte Arbeit in der Zoohandlung. "Das hat richtig Spaß gemacht, ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Zeit", schwärmt Köhler - in Erinnerungen.

Mit der Einführung des Euro habe sich die Konjunktur abgeschwächt. "Die Leute schauten plötzlich mehr aufs Geld", erinnert sich der Geschäftsmann. Richtig schlimm, sagt er, sei es aber geworden, als vor sechs Jahren die Straße vor der Zoohandlung erneuert wurde. "Da hatten wir einen Umsatzrückgang von etwa 70 Prozent. Kunden blieben aus, angelieferte Ware mussten wir vom Pferdemarkt ins Geschäft holen", erinnert sich Köhler. "Von diesen Verlusten haben wir uns nicht mehr erholt", fügt er an. Die letzten zwei Jahre habe der Geschäftsmann sogar einen 400-Euro-Job in einer Bäckerei annehmen müssen, um gestiegene Energiekosten und den Kredit begleichen zu können.

Jammern wolle er aber nicht, betont Köhler. Einiges habe sich nun mal in der Gesellschaft geändert, wie beispielsweise das Freizeitverhalten Jugendlicher: Computer statt Haustier. Oder das unbefriedigende Arbeitsangebot vor Ort, das junge Menschen außer Landes treibe. Oder die steigenden Energiepreise, die auch Aquarienfreunde hart treffen. Viele Missstände seien jedoch hausgemacht in der Stadt, kritisiert er. "In Güstrow ist auch deswegen nichts los in der Innenstadt, weil der Branchenmix in den Geschäften nicht stimmt. Ganz schmerzlich vermisst wird zudem ein Kaufhaus", zählt Köhler auf.

Der Ausverkauf in der Zoohandlung hat bereits begonnen. Gerd Köhler und seine langjährige Mitarbeiterin Doris Beckmann hoffen, bald eine neue Arbeit zu finden. Das Haus im Krönchenhagen steht zum Verkauf. Die Köhlers wollen aufs Land ziehen. Ihr Gelbbrust-Ara "Ramses", der seit 1992 zum Geschäft und praktisch zur Familie gehört, soll mitziehen.

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