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Invasion der Kormorane? : Nabu: dauerhafte Abschüsse der Kormorane keine Lösung

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ministeriumssprecher: Bestand im Land zurückgegangen, aber „absolut gegenläufiger Trend“ auf dem Krakower See

Zum Problem der Kormorane („Invasion der Kormorane“, siehe SVZ vom 11. April) antwortet auf SVZ-Nachfrage Constantin Marquardt, Pressesprecher des Landwirtschaftsministeriums.

Marquardt verweist auf den Kormoranbericht 2013. Darin wird festgestellt, dass die Bestände landesweit in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen seien. Für den Bestand im Krakower See gelte allerdings ein „absolut gegenläufiger Trend“, so der Sprecher. „2013 wurden 822 Brutpaare gezählt, 2009 waren es 525, 2010 stehen 627 in der Statistik, 2011 waren es 747 und 2012 weist der Bericht 778 Paare aus“, so Marquardt. Welche konkreten belastbaren Auswirkungen dies auf Fischbestände bzw. den Tourismus habe, könne über Mutmaßungen aber nicht hinausgehen.

Maßnahmen zur Jagd bzw. Verbrämung seien, so der Pressesprecher weiter, laut Kormoranverordnung des Landes vom 5. Juli 2012 „unter Beachtung der zeitlichen und örtlichen Beschränkungen (z.B. nicht in Naturschutzgebieten, Brutkolonien, Schlafplätzen) möglich. Marquardt: „Die Verordnung mit konkreten Inhalten ist im Internet abrufbar.“

Der Nabu MV schätzt zwar ein, dass die Diskussion in Mecklenburg-Vorpommern um den Kormoran ruhiger geworden ist. Das dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die nach EU-Recht besonders geschützten Vögel vor allem von einigen Fischwirten und Sportanglern noch immer als „Fischräuber“ angesehen und bekämpft würden. So seien 2013 laut Kormoranbericht mehr als 900 Kormorane getötet worden.

Obwohl eine Jagd auf die Vögel nach dem Jagdrecht nicht zulässig sei, heißt es in der Mitteilung, gebe es eine Landesverordnung „zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden durch den Kormoran“. Danach können die Vögel mit Ausnahmegenehmigung gejagt bzw. bekämpft werden. Der Nabu stellt klar, dass es solche Ausnahmegenehmigungen aber nicht in Schutzgebieten geben dürfe, wenn es nach einer „pauschalen Genehmigungspraxis“ aussieht. „Das lehnt der Nabu ab“, wird betont. Nabu-Landessprecher Stefan Schwill fordert hier ein Umdenken von Landesregierung und Fischwirten, hin zu einer naturverträglichen Bewirtschaftung, die sich nicht in dauerhaften Abschüssen der Kormorane sondern in der Etablierung sinn- und wirkungsvoller Abwehrmaßnahmen widerspiegelt.

Für den Nabu ist laut Schwill der Kormoran ein „natürlicher Bestandteil der Gewässerökosysteme. Zudem fehle laut Nabu an diesen Seen nach wie vor jeglicher Nachweis eines konkreten, von den Kormoranen verursachten erheblichen wirtschaftlichen Schadens als Legitimierung für Eingriffe in die Vogelpopulation.


Sinnvolle Abwehr etablieren


Mit rund 9500 Brutpaaren bestätigt Schwill Fakten aus unserem gestrigen Bericht, dass der Kormoranbestand in Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zum Vorjahr abgenommen hat. Von einer unkontrollierten oder gar explosionsartigen Vermehrung könne keine Rede sein. Schwill in der Mitteilung: „Können die Tiere unter weitgehend natürlichen Bedingungen leben, reguliert sich die Populationsgröße ganz natürlich.“

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erstellt am 12.Apr.2014 | 06:00 Uhr

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