Kirchenmusik : Musiklandschaft mitgeprägt

Wolfgang Leppin – Urgestein der Güstrower Kirchenmusik
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Wolfgang Leppin – Urgestein der Güstrower Kirchenmusik

Heute vor 50 Jahren startete Wolfgang Leppin seine Berufung als Güstrower Kantor.

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01. April 2017, 05:00 Uhr

Heute vor genau 50 Jahren begann Wolfgang Leppin als Kantor in Friedland. Zwei Jahre später kam er nach Güstrow und war hier an der Pfarrkirche tätig, bis er 2003 in den Ruhestand ging. Doch auch heute noch ist der 76-jährige Wolfgang Leppin nicht untätig.

Noch ganz genau erinnert sich Wolfgang Leppin an seine erste Stelle als Kantor. „Die Sauer-Orgel in der Kirche war in einem entsetzlichen Zustand“, erzählt er. In der Stimmung habe sie wie ein Harmonium geklungen. Zum Wohnen habe er nur ein kleines Zimmerchen gehabt, was als Arbeits-, Wohn- und Schlafzimmer diente. „Die Toilette war draußen im Anbau“, sagt er.


Neben Orgel und Chor auch Christenlehre


Weil die Katechetin krank geworden war, sollte er auch ein paar Christenlehre-Stunden halten. Leppin hatte zwar vor seiner kirchenmusikalischen Ausbildung eine Diakon-Ausbildung absolviert, doch die Arbeit mit Kindern fiel ihm nicht so leicht. Der damals 26-Jährige hatte eher Freude daran, den Friedländer Kirchenchor wieder zum Singen zu bringen, schaffte Chorliteratur an und spielte in den Gottesdiensten an der Orgel. Aber er baute auch einen Posaunenchor auf. Bereits im Oktober seines ersten Dienstjahres sang der Friedländer Kirchenchor eine Bach-Kantate, dazu kamen Sinfonieorchester und Solisten.

Die Liebe zur Musik wurde bei Wolfgang Leppin in Demmin geweckt, wo er ab seinem sechsten Lebensjahr mit seinen Eltern lebte. Hier lernte er das Blasen und spielte im Bläserchor mit. Nach der Schulzeit arbeitete er ein Jahr in der väterlichen Tischlerei mit und begann dann eine Diakon-Ausbildung. Noch währenddessen nahm Wolfgang Leppin Orgelunterricht und absolvierte die C-Prüfung. Schließlich startete er das dreieinhalbjährige Studium in Greifswald, schloss danach noch seine Diakon-Ausbildung ab und begann in Friedland.

Auf Bitten des Landessuperintendenten ging Wolfgang Leppin bereits im August 1970 nach Güstrow und übernahm die Stelle des Kantors an der St.Marienkirche. Dann aber schon nicht mehr allein. Er hatte in Friedland seine Frau Inge kennen gelernt und gemeinsam zogen sie in den Grünen Winkel. Erste Proben mit dem von ihm wieder aufgebauten Chor mussten in der Sakristei der Kirche durchgeführt werden, später wurde am Markt 25 geprobt. „Ich musste mich dort selbst ums Heizen kümmern“, erinnert sich der Kantor i.R.

Schöne Kammermusiken organisierte Wolfgang Leppin. Als staatliche Orchester nicht mehr in Kirchen spielen durften, weil es „der Kirche nicht zustand mit dem Orchesternamen Werbung zu machen“, fand er einen Weg und gab dem ganzen einen neuen Namen. „Es kam dann das Neubrandenburger Kammerorchester und hat alle großen und kleinen Musiken gespielt“, sagt er. Die Orgel der Pfarrkirche war auch in schlechtem Zustand. Winderzeuger und Gleichrichter wurden aus Westdeutschland besorgt.


Musikreisen in schöne Kirchen


Wolfgang Leppin war vielseitig aktiv. Er gründete den Güstrower Sing- und Bläserkreis, mit dem er viele Jahre im Umland unterwegs war. Er war über Jahre Kirchenkreismusikwart, Orgelsachberater und arbeitete mit daran, so manche Orgel wieder in Gang zu bringen. 1982 startete er mit einer Kinderchor-Arbeit und 1995 schließlich kam noch die von ihm organisierte Musikreise in Dorfkirchen und später in schöne Kirchen Mecklenburgs und Vorpommerns hinzu. „Ich habe alles gerne gemacht. Es war für mich Berufung“, sagt er im Rückblick. Noch heute ist er in manchem Gottesdienst an der Orgel zu hören und so lange er die 41 Stufen zur Orgelempore steigen kann, wird er das wohl auch weiterhin tun.  

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