Linstow : Musik bringt die große Welt ins kleine Dorf

Auf viele Teilnehmer und Besucher der Musikwoche freut sich Anne Pressentin im Wolhyniermuseum.
Auf viele Teilnehmer und Besucher der Musikwoche freut sich Anne Pressentin im Wolhyniermuseum.

Vorträge, Konzerte, Workshops: Wolhynier-Museum gestaltet mit Musikwoche im Juli großes Event in Linstow.

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14. Juni 2018, 05:00 Uhr

Chorsänger gesucht! Fünf Frauen und Männer haben sich bereits bei Anne Pressentin angemeldet. Doch die Leiterin des Wolhyniermuseums in Linstow wirbt für mehr: „Mindestens 15 sollten es schon sein.“ Das Chorseminar bildet nur einen Teil der „1. Linstower Musikwoche“.

Sechs Tage lang im Juli möchte Pressentin die Museumsscheune voll haben. Der etwas sperrig zu lesende Titel „Musik(migr)anten“ weist darauf hin: Musik soll zum verbindenden Element, zum Träger einer kulturpolitischen Botschaft werden. „Hier wird zwar die Geschichte der Wolhynien-Deutschen, eine von Flucht und Vertreibung, dargestellt, wir verstehen uns als aber als Migrationsmuseum an sich“, erklärt Anne Pressentin. Die Kunsthistorikerin belegt seit Jahresbeginn die erste bezahlte Stelle im Heimatmuseum. Mit der Musikwoche stellt sie ihr erstes großes Projekt auf die Beine. „Das Thema Migration brennt uns heute wie damals unter den Nägeln. Und das Thema für diese Woche passt: Musik verbindet über Sprachen und Herkunft hinweg“, ist Pressentin überzeugt.

Für jeden Abend vom 2. bis 6. Juli hat Pressentin profunde Musikfachleute als Vortragende gewinnen können. Sei es für Konzert oder Lesung oder die Kombination aus beidem. So referiert Karl Wieland Kurz, Leiter der Berufsakademie für Tonkunst Darmstadt, zum Einfluss osteuropäischen Musikdenkens auf die Entwicklung der westeuropäischen musikalischen Moderne. Oder spürt Clemens Malich, Professor an der HMT Hamburg, dem Verhältnis von Musik, bildender Kunst und Philosophie zu Migration nach. Stefan Fischer, Violinist der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin, blickt auf die 455-jährige Geschichte des Ensembles – in dem heute unter Musikern aus acht Nationen nur ein einziger Mecklenburger spielt. Die Botschaften: In der Musik spielt die Herkunft keine Rolle.

Dazu sind täglich von Dozenten und Studenten professionell geleitete Workshops für jedermann in die Musikwoche eingebaut (siehe „Programm“ rechts). Der noch gesuchte Chor soll am 7. Juli mit seinem erarbeiteten Repertoire die Abschlussveranstaltung gestalten.

Programm:

2. bis 7. Juli 2018, Wolhynier Umsiedlermuseum

Workshops:

• 3. bis 6. Juli, 11 bis 13 Uhr/15 bis 18 Uhr: Komposition (kostenfrei)

• 3. bis 6. Juli: Gesang (3 x 60 min Einzelunterricht, 2 x 30 min Korrepetition)

• 3./5./6. Juli, 17 bis 19 Uhr: Chorarbeit (kostenfrei)

• 6. Juli, 10 bis 16 Uhr: Tagesseminar Gesang

Abendprogramme (ohne Angabe täglich 19.30 Uhr/Eintritt frei):

• 2. Juli: Eröffnungskonzert

• 3. Juli: Vortrag „Das Licht aus dem Osten“, Karl-Wieland Kurz

• 4. Juli: Konzertlesung „Ent wurzelt“, Clemens Malich

• 5. Juli, 10 Uhr: Lecture von Stefan Fischer „Neue Heimat Mecklenburg – Die Mecklenburg-Schweriner Hofkapelle“

• 5. Juli: Vortrag und Musik „Ingolf Dahl – Komponist und Dirigent im Spiel der Emigranten von Los Angeles“

• 6. Juli: Konzert Duo Austral

• 7. Juli, 15 Uhr: Abschlussveranstaltung mit Konzert der Kursanten

Anmeldungen bis 22. Juni bei anne.pressentin@umsiedlermuseum-wolhynien.de oder per Telefon 038457/51963

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