zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

25. November 2017 | 08:59 Uhr

Museum ersteigert Stadtgeschichte

vom

svz.de von
erstellt am 03.Jun.2010 | 08:45 Uhr

Güstrow | Das Stadtmuseum Güstrow präsentierte gestern Abend im Festsaal des Güstrower Schlosses seine jüngsten Neuerwerbungen. Es handelt sich um Gemälde des Künstlers August Viereck, die er 1853 malte. Die Bildnisse zeigen den Güstrower Advokaten Franz Gottlieb Johann Diederichs (1791-1865) und seine Ehefrau Henriette Caroline Sophie, geborene von Müller (1802-1882). Die Bilder werden in der Dauerausstellung zu sehen sein.

Beide Gemälde ersteigerte das Güs trower Museum am 10. April in einem Potsdamer Auktionshaus. Das Geld kam innerhalb von drei Tagen durch den Kunst- und Altertumsverein Güstrow sowie durch Spenden Güstrower Bürger zusammen.

Bürgermeister Arne Schuldt betonte, dass die Gemälde aus dem Haushalt der Stadt nicht hätten bezahlt werden können. Für ihn ist diese Bürgerhilfe daher ein Beispiel, um so ein "Netzwerk" für die Kultur zu nutzen, das "Dinge bewegen kann, die sonst nicht möglich sind". Außerdem könne das heute als Vorbild dienen, dass wie einst im 19. Jahrhundert das "Bildungsbürgertum" die Stadt voranbringe.

Iris Brüdgam, Mitarbeiterin des Stadtmuseums, betonte das in ihrem Vortrag ebenfalls. In den Porträts dieser Zeit würden sich "bürgerliches Selbstbewusstsein" widerspiegeln, sagte sie. Die Aufträge übernahmen Bildnismaler wie August Viereck. Mit den Diederichs stellte er "bedeutende Vertreter des Güstrower Bürgertums, die im 19. Jahrhundert das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Stadt mit geprägt haben", vor. Franz Gottlieb Johann Diederich war Rechtsanwalt, seine Ehefrau eine Tochter des Gutsbesitzers Heinrich von Müller aus Groß Lunow. Sie bewohnten das stattliche Haus in der Domstraße 13. Es galt als ein Zentrum des musikalischen Güstrow.

Der Maler August Viereck besuchte in Parchim das Friedrich-Franz-Gymnasium. Zu Ostern 1840 wurde er nach Dresden in das Erziehungsinstitut von Karl Justus Blochmann, einem Schüler von Pestalozzi, gegeben. In Dresden begann er sein Studium an der dortigen Akademie bei Eduard Bendemann und Ludwig Richter. 1842 studierte noch ein anderer bei Bendemann, Hermann Kersting, ein Sohn von Georg Friedrich Kersting. Brüdgam: "Ein Beispiel, wie klein die Welt ist." 1848 schloss Viereck seine Ausbildung ab. Die weiteren Nachrichten seien dürftig. In Güstrow sei er nach datierten Bildern seit 1852 ansässig, so Iris Brüdgam. Er wohnte im Haus Ecke Hollstraße/Gleviner Straße. Im Alter von 40 Jahren verstarb August Viereck am 6. März 1865 in Güstrow.

Iris Brüdgam resümierte in ihrem Vortrag: "Im Gegensatz zu unserer schnelllebigen Zeit muss man sich als Museumsmensch mit der Vergangenheit beschäftigen, um diese, unsere Geschichte, für künftige Generationen bewahren zu können. Ich denke, dazu haben wir mit diesem Ankauf beigetragen."

Der Aufrufpreis für die Gemälde betrug 1400 Euro. Mit den Spenden ging die Stadt mit einem Polster von 600 Euro in die Auktion. Das letzte Gebot waren 2300 Euro, inklusive Aufgeld waren 2404,60 Euro zu zahlen. Den fehlenden Betrag, erklärte Iris Brüdgam, stellte das Auktionshaus in besonderer Verbundenheit mit Mecklenburg und Güstrow bereit.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen