Pokal-Gastspiel des FC Hansa Rostock beim Güstrower SC : Müller sichert mit Parade seinen Job

Ob  Adrian Petrick sein Shirt schon mal wieder ausgezogen hat?  Hansa-Stürmer Johan Plat verewigte sich darauf.  Anne Schwartz (3), Eckhard Rosentreter (3)
1 von 6
Ob Adrian Petrick sein Shirt schon mal wieder ausgezogen hat? Hansa-Stürmer Johan Plat verewigte sich darauf. Anne Schwartz (3), Eckhard Rosentreter (3)

Überaus achtbar hat sich das junge Team des Güstrower SC mit dem 0:5 im Landespokalspiel gegen den übermächtigen FC Hansa Rostock geschlagen. Nur zweimal gab es aus Güstrower Sicht bessere Resultate.

von
10. September 2012, 06:54 Uhr

güstrow | Überaus achtbar hat sich das junge Team des Güstrower SC mit dem 0:5 im Landespokalspiel gegen den übermächtigen FC Hansa Rostock geschlagen. Nur zweimal in der Geschichte aller Vergleiche von Güstrower Fußballmannschaft mit Hansa Rostock gab es aus Güstrower Sicht bessere Resultate: beim legendären 1:1 der damaligen BSG Einheit in der DDR-Liga 1975 (Torschütze: Hartwig Klatt) und beim 0:2 zwei Jahre später. Tore gelangen neben Klatt überhaupt nur noch zwei weitere: Jürgen Waldbach schoss 1977 beim 1:6 der Güstrower in Rostock den Ehrentreffer, und Tom Hagemann gelang das beim 1:11 im Freundschaftsspiel 2008. Dicht dran an solch einem Kunststück war am Sonnabend Steven Licher. Zwei Minuten vor dem Abpfiff stürmte der erst nach der Pause eingewechselte Wirbelwind auf Hansa-Keeper Kevin Müller zu, von Geburtstagskind Mathias "Stäbchen" Staben (24) mit einem Traumpass auf die Reise geschickt. Manch einer sah den Stürmer leicht im Abseits, und er selbst gab zumindest zu, dass er beim Zuspiel bereits in der gegnerischen Hälfte stand. Egal: Frech tunnelte "Stivie" am Strafraumeck noch den zur Rettung heranstürmenden Hansa-Kapitän Sebastian Pelzer, um dann den auf links gelegten Ball flach aufs lange Toreck zu zwirbeln. Auf die Frage, wie Müller das Leder noch mit den Fingerspitzen um den Pfosten lenken konnte, nahm der Güstrower dem Rostocker nach dem Spiel die Antwort grinsend ab: "Du musst den ja halten, sonst bist du wieder draußen." Anspielung auf das unter dem neuen Hansa-Coach neu eröffnete Torwartduell.

Der, Marc Fascher, ließ sich nach seinem Debüt mit Hansa jedoch nicht in die Karten schauen, blieb bezüglich der Wertung des 5:0-Sieges gegen den Siebentligisten unverbindlich: "Das war eine konzentrierte Leistung, die Mannschaft hat ihre Pflichtaufgabe gemeistert. Ich habe viele positive Ansätze gesehen; der erste Schritt ist gemacht. Die Torausbeute hätte höher sein können. Das Spiel hat aber insgesamt noch wenig Aussagekraft."

Trainerkarriere sieglos beendet: Mathias Puschik

Ähnlich wird das auch Mathias Puschik für die von ihm betreute Vierzehn bewerten. Seit einem Jahr Co-Trainer der Landesligamannschaft, hatte der langjährige Kapitän kurzerhand einspringen und, assistiert von Torwartcoach Torsten Fentzahn, die Mannschaft auf das Pokalspiel vorbereiten müssen. Dabei hatte der 32-Jährige sogar für eine der nur drei zur Verfügung stehenden Trainingseinheiten passen müssen: Kinderbetreuung zu Hause hatte Vorrang. Die Einstimmung des Teams gelang ihm augenscheinlich trotzdem sehr gut. Für die nahe Zukunft habe er jedoch keine Ambitionen auf den Job vor der Wechselbank, betonte Puschik nach dem Spiel. Er möchte selbst noch weiter aktiv bleiben, und die Doppelfunktion als Spielertrainer sei für ihn keine Option. Gerne wolle er noch an der Seite eines erfahrenen Fußballfachmannes lernen, bevor er die Verantwortung trägt. Mit dem ihm eigenen leisen Humor bestätigte Mathias Puschik einen Einwurf von Spielerkollegen: Seine Trainerkarriere bleibt damit also ohne Sieg.

Durch seinen persönlichen Verzicht hatte Mathias Puschik nur noch vier Akteure auf den Rasen geschickt, die bereits vor zwei Jahren im Freundschaftsspiel gegen Hansa antreten durften: Stefan Werth, Steven Licher, Maurice Bohnet und Tobias Schollmaier. Beim FC Hansa standen mit Pelzer und Stephan Gusche gar nur zwei Profis auf dem Platz, die das Güstrower Publikum schon 2010 im Jahnstadion sehen konnte. Beim GSC war auch zur Partie am Sonnabend, so wie seit Saisonbeginn, die Torwartposition lange vakant. Stammkeeper Robert Leonhardt weilt mit der Bundeswehr zu einem Einsatz auf Sardinien. Michael Tessenow von den Alten Herren, der zuletzt im Kasten stand, hatte seine Rotsperre (1 Spieltag) abzusitzen. Spannende Frage, die bis Freitagabend offen blieb: Ob Martin Nique noch rechtzeitig aus dem Urlaub zurück kehrt? Er kam, doch er wusste noch gar nichts von seinem Glück, dass der Gegner Hansa Rostock heißt! So wirkte er denn auch etwas unsicherer, vor allem unentschlossener als sonst, machte aber seine Sache gut und parierte einige Male stark. Sebastian Bohra, der sich als zweiter Keeper der Zweiten die Hände warm hielt, musste so nicht in dieses Match.

2230 verkaufte Karten wurden übrigens Montag früh beim Güstrower SC zusammengezählt. Fußball-Abteilungsleiter Ron-Olaf Rebien sah eine gute Organisation der vielen Helfer, bis auf Kleinigkeiten habe alles geklappt. "Und unser Sicherheitskonzept hat sich bewährt", verteidigt Rebien die strengen Einlasskontrollen. "Was wir da alles gefunden haben - Küchenmesser, Nägel, Pyro… Womit manche Leute zu einem Fußballspiel wollen?" Rebien schüttelt nur mit dem Kopf. Jedenfalls lobte auch Hansa-Trainer Marc Fascher: "Eine gute Atmosphäre. Für die Güstrower war das Spiel sicher eine schöne Sache, sie erhalten durch den Pokal gute Einnahmen, da haben alle was davon."

Was jetzt noch auf die Reihe gebracht werden muss, ist die Antwort auf die Trainerfrage beim Güstrower SC. Der plötzlich scheidende Jens Dowe war Sonnabend eine knappe Stunde im Jahnstadion. Auf eine Ansprache ihres Ex wollte die Mannschaft aber verzichten. "Es ist alles gesagt", hieß es. Heute Abend berät der Vorstand, wie es in dieser Frage weitergehen soll.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen