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Henning Spitzer : Motive, die das Blut in Wallung bringen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ins Atelier geschaut: Der Bildhauer und Maler Henning Spitzer lebt und arbeitet seit 2010 in Güstrow

Drei lebensgroße Gips-Plastiken hat der Bildhauer und Maler Henning Spitzer in diesem Winter geschaffen. Fast vollendet nehmen ein als Hebefigur dargestelltes Paar, eine ältere Frau, die die Arme in die Hüften stemmt, und eine aufrecht Stehende einen Großteil des Raums im Krönchenhagen ein. Seit Sommer 2011 nutzt Spitzer den einstigen Schulraum des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses als Atelier. Wobei: Atelier gefällt dem 42-Jährigen nicht. „Ich sage ‚Labor für Kunst’ dazu, Werkstatt kann man es auch nennen“, beschreibt er. Tatsächlich laboriert Spitzer geduldig an seinen Plastiken aus Gips und Wachs, selten aus Ton, oder malt mit kräftigem Pinselstrich seine Bilder. Vor knapp fünf Jahren erst, erinnert er sich, entdeckte Spitzer die impulsive Malerei in Stillleben und Porträts für sich. „Es ist die Magie der Farben, erzeugt durch temperamentvolle Konstellationen und entstanden durch das Spiel des Lichts im Augenblick, was mich fasziniert“, sagt er.


Weg aus der Schaffenskriese


Die Bildhauerei begleitet ihn schon seit über anderthalb Jahrzehnten, bescherte ihm Augenblicke höchsten Glücks und tiefer Niedergeschlagenheit. Vier Jahre nahm er Unterricht in figürlicher Bildhauerei bei Michael Mohns und Thomas Jastram. Ein Studium in Halle/Burg Giebichenstein Anfang des neuen Jahrtausends enttäuschte ihn. Folgerichtig rutschte Spitzer nach seiner Rückkehr nach Mecklenburg in eine tiefe Schaffenskrise. „Herausgeholt aus dem Tal hat mich auch Jürgen Weber, ein väterlicher Freund, dem ich die Begeisterung für die Kunst verdanke und der mir Arbeitsmoral und Intensität beibrachte“, sagt Spitzer. Auch nach dem Umzug von Rostock nach Güstrow blieb der Kontakt erhalten. Übrigens zeigt das Kunsthaus Bützow ab 10. Mai die Ausstellung „Unterwegs“ mit Malerei und Plastik von Jürgen Weber.

In der Barlachstadt ist Henning Spitzer inzwischen angekommen. Sein Tag hat sich mit dem neuen Atelier – dem Labor – strukturiert. „Morgens bringe ich meine drei Kinder in die Kita, dann gehört mir der Tag bis in den Nachmittag zum Arbeiten“, schildert er. Vorbei die Zeit, da er im Atelier schlief, seinen Werken nahe. Geblieben ist seine Besessenheit. „Ich brauche Motive, die mich zum Toben bringen, der wunderbaren Formen wegen. Der flüchtige Augenblick treibt mich zur Raserei: der Pinsel soll tanzen, der Spachtel meiner Erregung folgen“, beschreibt er Momente des Schaffens. Ganz pragmatisch dann der Umgang mit den fertigen Arbeiten. Für seine meist lebensgroßen Skulpturen hat er eine Garage gemietet. Mit einem Transporter mit Hebebühne bringt er sie zu Ausstellungen. Zum Sommeranfang wird er seine Werke während der Aktion „Offene Gärten“ in Niex bei Rostock zeigen, im Spätsommer in einer Ausstellung im Nordschiff der Petrikirche.


Offene Ateliertüren und Schülerarbeit


Kunst betreibt Spitzer längst nicht mehr im „stillen Kämmerlein“. Sein Laboratorium steht offen für Besucher, die Gedanken austauschen, dem Bildhauer bei der Arbeit zuschauen oder sich nach den Konditionen fürs Modellstehen erkundigen wollen. Jeden Mittwoch bietet er über die Kreisvolkshochschule Malkurse an, im Kunsthaus erstellt er mit jungen Leuten Bewerbungsmappen. Seit Jahren beteiligt sich Henning Spitzer an der Aktion „Künstler für Schüler“, aktuell mit einem Projekt am Bützower Geschwister-Scholl-Gymnasium. Zum Internationalen Museumstag am 18. Mai wird er wieder öffentliches Porträtzeichnen anbieten und zur Güstrower Kunstnacht am 2. Oktober sein Atelier öffnen. Erstmals lädt Henning Spitzer in diesem Jahr zu Kursen und Seminaren in die neu entstandene Kreativwerkstatt neben Barlachs Atelierhaus ein. Sein Kalender ist gefüllt mit Terminen; sein Kopf mit Ideenund zu verwirklichenden Motiven.





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erstellt am 28.Apr.2014 | 06:00 Uhr

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