"Möppi" will doch nur leben

Ganz bedröppelt sitzt die kleine 'Möppi' auf dem Behandlungstisch während die Tierarzthelferinnen Jessica Jänisch (r.) und Josephin Brückert die Blutentnahme vorbereiten. Anne Schwartz
Ganz bedröppelt sitzt die kleine "Möppi" auf dem Behandlungstisch während die Tierarzthelferinnen Jessica Jänisch (r.) und Josephin Brückert die Blutentnahme vorbereiten. Anne Schwartz

von
21. September 2012, 08:58 Uhr

Güstrow | Nach der misshandelten Katze "Mimi" (SVZ berichtete) gibt es mit der halb verhungerten Mops-Dame "Möppi" nun innerhalb kürzester Zeit den nächsten Fall von Tierquälerei. "Das häuft sich in letzter Zeit", hat der Güstrower Tierarzt Bernd Linke festgestellt. "Sogar mehrfach angeschossene Katzen musste ich bereits behandeln - leider vergeblich," sagt er nicht ohne Zorn.

Mehr Glück hatte hingegen "Möppi": Stark unterernährt und völlig verwahrlost fand Jenny Zielske das Tier am Donnerstagabend an einem Feldrand zwischen Teterow und Ziddorf. Gerade noch rechtzeitig mit dem Auto gebremst, rief sie geistesgegenwärtig ihre Cousine Jessica Jänisch an, Tierarzthelferin bei Bernd Linke in Güstrow. Sie nahm sich des geschundenen Tieres an. "Aufgrund meines Berufes war schnell klar, dass ich dem Tier helfen möchte", erzählt sie.

Vom Anblick der Kleinen war aber auch die 22-Jährige sichtlich geschockt: "Dass die Beckenknochen bei einem Mops so hervorragen, sieht man wirklich ganz selten. Das ist ein ernstes Alarmsignal", beschreibt Jessica Jänisch aus Krakow am See ihren ersten Eindruck. Und auch das Fell war stark verschmutzt. Kurzerhand auf den Namen "Möppi" getauft, nahm die bemitleidenswerte Mops-Dame zumindest Futter und Wasser zu sich, so dass Jessica Jänisch den Hund gestern früh mit zur Arbeit in die Güstrower Tierarztpraxis von Bernd Linke nahm.

Der erfahrene Tiermediziner stellte sogar noch schlimmeres fest. "Das Tier ist durch eine Hornhautverletzung fast erblindet und weist durch Floh- und Wurmbefall auffällige Blutwerte auf", erläutert der Güstrower die ersten Untersuchungsergebnisse. "Da der Mops zwischen acht und zehn Jahre alt ist und eindeutige Anzeichen eines reinen Wohnungshundes aufweist, muss ich leider davon ausgehen, dass der arme Wurm einfach ausgesetzt wurde", mahnt Linke die herzlosen Hundebesitzer an. "Sollte er doch weggelaufen sein, würde ich mich natürlich umso mehr freuen, wenn der Besitzer sich meldet", schiebt er ein.

Dennoch hatte "Möppi" Glück im Unglück und wird sich der Prognose nach bald wieder erholen. Ein neues zu Hause fand der kleine Kerl außerdem bei seiner Retterin Jessica Jänisch, die das Tier nun dauerhaft bei sich aufnehmen will. "Im Tierheim hätte der Hund aufgrund seines Alters kaum eine Chance auf eine Vermittlung. Zumindest den Lebensabend möchte ich ihr deshalb so schön wie möglich gestalten", so die Tierliebhaberin. Nur auf den Kosten bleibt sie nun sitzen: "Mein Chef ist mir sehr entgegen gekommen, doch zumindest das Geld für die Medikamente und die Infusion will bezahlt werden", sagt sie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen