Zehna : Mittelalter blickt von der Wand

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Nach Innenrenovierung Kirche in Zehna wieder eingeweiht / Einst vollständige Ausmalung des Gewölbes fragmentartig angedeutet

svz.de von
03. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Es ist vollbracht: Der Innenraum der Kirche in Zehna ist neu ausgemalt, zeigt sich fast ganz in weiß, gestattet aber auch eine punktuellen Blick in die Vergangenheit, als das Gewölbe vollständig ausgemalt war. Man wählte eine Szene an der Nordwand mit Christus als Weltenrichter aus. Eigentlich sollten die Restauratoren schon Anfang Oktober mit ihrer Arbeit fertig sein, doch entschied man, den Ausschnitt, der gezeigt wird, noch zu vergrößern. Zu viel sei an beiden Seiten angeschnitten gewesen, erklärt Pastorin Beate Reinhard. Mit der Vergrößerung des Ausschnittes sei der Bildgehalt erlebbarer geworden. Sonntagnachmittag wurde die Zehnaer Kirche mit einem festlichen Gottesdienst wieder eröffnet.

„Der Raum hat enorm an Ausstrahlung gewonnen“, sagt die Pastorin und fügt hinzu, dass sie sehr angetan sei. Verbinden möchte sie ihre Freude darüber mit der Hoffnung, dass auch das Gemeindeleben in Zehna mit der Renovierung der Kirche einen Aufschwung nimmt. Die sehr große Kirchengemeinde mit Zentrum in Lohmen möchte insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit in Zehna konzentrieren. „Das ist sinnvoll, weil hier auch die Schule ist“, erklärt Beate Reinhard. Die Gemeindepädagogin würde ohnehin auch jetzt schon viel in Zehna arbeiten.


Christus als Weltenrichter an der Nordwand


Die Szene mit Christus als Weltenrichter an der Nordwand der Kirche stammt aus einer zweiten Ausmalung des Gewölbes in der Zeit des Mittelalters, erklärt Restaurator Heiko Brandner. Insgesamt hatte man fünf Farbfassungen gefunden. Der geneigte Betrachter sollte sich allerdings etwas Zeit nehmen, das Fresko zu betrachten. Erst nach und nach erschließt sich die Szene mit Sternenhimmel, Blumenwiese, mit einem Bogen als Verbindung zwischen Himmelreich und Erde. Heiko Brandner macht auf zwei Figuren am unteren Rand aufmerksam. „Menschen, die aus ihren Gräbern auferstehen“, erklärt er. Leider sei der Kopf von Christus sehr stark beschädigt. Ein neuer Kopf sei nicht „erfunden“ worden. „Wir haben freigelegt, gesäubert und gefestigt, Putzfehlstellen und Risse gekittet und in geringerem Umfang die Malerei retuschiert“, berichtet der Restaurator. Mehr ist aus denkmalpflegerischer Sicht nicht gewollt. Überraschen mag die Farbgebung hauptsächlich in Grün und Braun. Pigmentveränderungen macht Heiko Brandner dafür verantwortlich, dass sich beispielsweise orange Farbe oder ein Goldton braun verfärbt.

Rund 48 000 Euro kostete die Innenrenovierung. Neben einer Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz machten es viele Einzelspenden möglich, betont Pastorin Beate Reinhard. Sie lädt als nächstes zur Christvesper am 24. Dezember um 15 Uhr in die Zehnaer Kirche ein.

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