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25 Jahre Mauerfall : „Mitgift“: Frevel und Tafelsilber

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Filmemacher Roland Blum hat seine Idee, 25 Jahre Entwicklung in Ostdeutschland zu zeigen, umgesetzt: Am 27. Februar hat der Dokumentarfilm „Mitgift“ Deutschlandpremiere. In Mecklenburg-Vorpommern ist u.a. Güstrow eine Station.

Güstrow, Krakow am See, Hohen Wangelin, das Kernkraftwerk Lubmin und der Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen sind in dem Dokumentarfilm „Mitgift“ Stationen in Mecklenburg-Vorpommern, die Roland Blum aufsuchte. Aber nicht einfach so, sondern dreimal seit der Wende: 1990, 2000 und 2013. Den Kameramann und Filmemacher aus Wiesbaden trieb die Idee, in diesen Zeitabschnitten die Entwicklung in Ostdeutschland festzuhalten. Daraus ist eine 96-minütige Langzeit-Dokumentation geworden, die die rasanten Veränderungen seit dem Mauerfall belegen, aber auch auf neue Entwicklungen eingehen, an die vor zweieinhalb Jahrzehnten noch keiner gedacht hat.


Erste Entdeckungsreise von Mai bis Oktober 1990


Das erste Mal begab sich Blum von Mai bis Oktober 1990 auf seine Entdeckungsreise durch die neuen Bundesländer, die damals noch DDR hießen. Dabei wurde ihm klar, dass die DDR 1989 kurz vor dem ökologischen Zusammenbruch stand mit Altlasten und Sanierungsstaus in apokalyptischen Ausmaßen. Aber er entdeckte in der Landschaft auch unberührte Kleinode und erhalten gebliebene Bausubstanz. Das alles formte sich zum Filmtitel „Mitgift“. Dessen doppelter Sinn erklärt sich aus dem „Gift“, das eben die DDR in die deutsche Einheit mitbrachte. Aber auch aus dem Ausspruch des deutschen Umweltministers Klaus Töpfer und von Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1990, dass die Umwelt der DDR „Das Tafelsilber der Wiedervereinigung“ ist – die Mitgift.


Güstrow Beispiel für Mittelzentrum im ländlichen Raum


In Güstrow als Beispiel für ein Mittelzentrum im ländlichen Raum fand er in Hans-Jürgen Kowalzik, Lokalredakteur dieser Zeitung, einen Ansprechpartner, der ihm die Umgebung zeigte und Kontakte vermittelte. Beispielsweise zum Krakower Naturschützer Wolfgang Neubauer, der den Film leider nicht mehr sehen kann, weil er im vergangenen Jahr starb. Blum begleitete Hans-Jürgen Kowalzik 1990 mit der Kamera u.a. bei einer Reportage mit Krakower Fischern, die Angst um ihren See hatten, weil seit Jahrhunderten alle Abwässer in den See liefen. 2000 war diese Sorge erledigt. Roland Blum konnte nahe der Stadt in Charlottenthal ein modernes Klärwerk filmen.

In Güstrow drehte Blum u.a. auf der Mülldeponie in der Plauer Chaussee: Schrott, Farbreste, Ölkanister, Trabant-Karossen. Im Hintergrund die Silhouette der Stadt mit Dom, Pfarrkirche und historischem Postturm. Eine beängstigende Einstellung. Heute ist von der Deponie nichts mehr zu sehen. Auf der Fläche stehen Solarfelder der neuen Zeit… Im vergangenen Juni war Roland Blums erste Station in Güstrow der Dom. Hier drehte er den Barlachschen Engel. Für ihn ein deutsches Kunstwerk mit Symbolcharakter. Mit diesen Szenen beginnt deshalb sein Film. Insgesamt geht die Reise durch alle ostdeutschen Bundesländer. Blum war im Harz auf dem Brocken, in Leipzig, in den Leuna-Werken Bitterfeld, bei ORWO Wolfen, das es nicht mehr gibt, im Biosphärenreservat Schorfheide, im Spreewald, in Dresden, er folgt der Elbe, erzählt Bergbaugeschichte im Erzgebirge und die Rettung der Glashütte-Uhrenwerke.

„Mitgift“ bringt die Erfolgsgeschichte eines Wandels in die Kinos und ins Fernsehen, begleitet vor allem Menschen im Auf und Ab der Veränderungen. Besonders beeindruckend sind in dem Film aber die Szenen von 1990 als Kontrast zum Heute. „Weil vieles vergessen ist, vielleicht verdrängt. Aber mein Film holt die Erinnerung zurück, regt aber auch zum Nachdenken an“, sagt der 64-Jährige.

Gegenwärtig wird der Film deutschlandweit in Pressevorführungen bekannt gemacht. Am 27. Februar ist im Berliner Filmtheater „Babylon“ die Kino-Premiere. Südwestfunk und Hessischer Rundfunk unterstützten das Filmprojekt Roland Blums. Daher soll „Mitgift“ zum 25. Jahrestag des Mauerfalls im Vorfeld des Ereignisses oder am 3. Oktober oder 9. November in der ARD gezeigt werden.


 




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erstellt am 24.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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