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Mitfahrgelegenheit für Erstklässler zur Schule gesucht

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erstellt am 24.Aug.2012 | 07:04 Uhr

serrahn | Der Vorfall klingt schier unglaublich: Kinder, die gerade eingeschult wurden, müssen zur Schule trampen. Geschehen zwischen Krakow am See und Güstrow, und nicht nur einmal.

Nadine Warncke aus Serrahn, Mutter eines sechsjährigen Mädchens, schildert: Gemeinsam mit ihrer elfjährigen Schwester und dem siebenjährigen Sohn der Nachbarin fährt ihre Abc-Schützin jeden Morgen zum Besuch der Freien Schule in die Kreisstadt. Der Weg ist etwas umständlich, soll aber vom Prinzip her funktionieren: Um 6.52 Uhr fährt der reguläre Schulbus von Serrahn nach Krakow am See. Dort steigen die Kinder in den nächsten Schulbus, der u.a. die Gymnasiasten nach Güstrow bringt. Da sie selbst um 7 Uhr zur Arbeit fährt, passe das so ganz gut. "Wenn der Bus pünktlich fährt", schiebt die Serrahnerin nach. Nach der Schule bringt die Nachbarin die Kinder aus Güstrow mit nach Hause. Das hätten sie in den Ferien mit der OVG persönlich abgesprochen, mit den Kindern den Weg angelaufen und als Eltern das erste Mal auch mitgefahren.

Alles habe in den ersten Schultagen auch gut geklappt. Vorige Woche jedoch sei einmal der Bus in Krakow am See bereits weg gewesen, berichtet die Mutter. Darauf habe die Elfjährige die beiden Kleinen an die Hand genommen, sei mit ihnen zur Tankstelle gegangen und hätte wildfremde Autofahrer angesprochen, damit sie das Trio nach Güstrow mitnehmen könnten. Nadine Warncke sprach daraufhin im Kundenzentrum der Omnibusverkehrsgesellschaft (OVG) auf dem Güs trower Pferdemarkt vor, denn es sei auch abgesprochen, dass der Busfahrer im Luftkurort auf den Kollegen aus Serrahn wartet. Doch vorgestern sei das Gleiche wieder passiert. Und jetzt, als sie sich im Parumer Weg, in der OVG-Zentrale, beschwerte, habe man dort noch gar nichts von dem ersten Fall gewusst, beklagt sich unsere Leserin. Und auch im Schulamt kümmere man sich offensichtlich nicht um die Angelegenheit, meint die Serrahnerin.

Das müsse man auch nicht, sagt Kreissprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm. Eine gesetzliche Pflicht zur Mitnahme der Kinder gebe es nur für den Weg zur örtlich zuständigen Schule, erklärt die Sprecherin - und das sei für die Serrahner Kinder Krakow am See. Auch gebe die kreisliche Satzung zur Schülerbeförderung nichts Anderes her. Zühlsdorf-Böhm: "Der weitere Transport ist private Sache der Familie. Der Landkreis muss sich nicht darum kümmern, dass Kinder zur Freien Schule kommen."

Theoretisch sei es also möglich, dass die Familie auch mit der OVG eine Absprache zur Mitnahme der Kinder trifft. In diesem Fall scheine es ja auch von den Fahrplänen her funktionieren zu können, ohne dass weiterer Aufwand entstehe. Nur gebe es auch dann keinen Rechtsanspruch auf die Beförderung der Kinder von Krakow nach Güstrow. Die Verantwortung dafür, das betont Petra Zühlsdorf-Böhm ausdrücklich, liege bei der Familie; die müsse das ganz allein für sich organisieren.

Bleibt unter dem Strich die Frage: Gab es eine solche Absprache der Familien mit der OVG? Aus der Führungsetage des kreislichen Unternehmens gibt es zu der ganzen Sache keinerlei Auskunft. Das alles stimme nämlich gar nicht und müsse erst untersucht werden, heißt es abwiegelnd.

Gestern, bestätigt Nadine Warncke, wäre das Gleiche jedenfalls wieder passiert.


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