zur Navigation springen

Bodenordnungsverfahren : Mit wenigen Mitteln viel erreicht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Abschluss des Bodenordnungsverfahrens Alt Sammit / 20 Jahre lang „Ortslage“ und „Feldlage“ aufgewertet / Gemeinschaftsgefühl im Dorf befördert

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Abgeschlossen ist das umfangreichste und am längsten währende Bodenordnungsverfahren (BOV) in Krakow am See. 20 Jahre lang, unterteilt in zwei auf einander folgende Teilverfahren, haben die Alt Sammiter ihr Dorf und die Umgebung in einen Zustand gebracht, der 1996 noch kaum denkbar war.

Mit sicht- und hörbarem Stolz berichtete Karl-Heinz Kleinpeter, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft, der Stadtvertretung von den Ergebnissen. Die Palette der Vielzahl von Einzelmaßnahmen ist kaum noch vollständig zu benennen: das Dorf wurde neu verkabelt, woran sich koordiniert Energieversorger Wemag und Telekom beteiligten, die Dorfstraße neu gepflastert, der Park hergerichtet und mit Spielgerät bestückt, zahllose Wegeverbindungen innerhalb der Gemarkung sowie zu Nachbardörfern verbessert, eine alte Freileitung abgebaut, Radwege, Reitwege ausgewiesen, zahllose Hecken und Bäume gepflanzt… Krönender Abschluss: auf altem LPG-Werkstattgrund ein neues Dorfgemeinschaftshaus gebaut.


Mit 30  000 D-Mark 1,5 Millionen verbaut


Vor allem aber Grundstücksprobleme wurden geregelt, also z.B. Bauten bzw. Anlagen und Grundstückseigentum in Einklang gebracht. Allein im Verfahren „Feldlage“, das sich dem Verfahren „Ortslage“ nahtlos anschloss, betraf das 967 Flurstücke. Rund 2000 Hektar umfasste das Territorium, das bis hin in den Luftkurort reichte, wo etwa die Neugestaltung der alten Bahnhofsrampe ins Verfahren gehörte wie auch die Sanierung der Kita „Krakower Zwerge“. Allein in der „Feldlage“ hätten 285 Teilnehmer mitgemacht.

Die Wegeverbindungen wurden meistens gemeinsam mit Nachbargemeinden realisiert, reichen von und durch Alt und Neu Sammit, Krakow am See, Tessin, Marienhof, Rum Kogel bis in die Gemarkung Reimershagen. Auf solche Verbindungen, zweckbestimmt unterschiedlich ausgebaut, habe man besonderen Wert gelegt, betont Kleinpeter. 15 Wander-, Rad- und Fahrwege wurden erneuert, teilweise auch mit Sponsorenhilfe, berichtet der Vorsitzende. Darunter ein Abschnitt des internationalen Radweges Berlin-Kopenhagen.

Und ohne das Bodenordnungsverfahren, denkt Kleinpeter, wären solch komplizierte Grundstücksverhältnisse wie etwa auf dem Gelände des ehemaligen Agrochemischen Zentrums (ACZ) vermutlich niemals in absehbarer Zeit und schon gar nicht so kostengünstig zu ordnen gewesen. Grundbesitz von 19 Eigentümern wurde allein hier zu einem zusammengeführt und an anderer Stelle dafür entschädigt.

Rund 1,5 Millionen Euro wurden in der „Ortslage“ investiert. Gerade mal 30  000 D-Mark habe die Stadt hier beisteuern müssen, so Kleinpeter, der sogenannte zweite Arbeitsmarkt damals habe vieles kostengünstig ermöglicht. Insgesamt hätten beide Verfahren zusammen 4,5 Millionen Euro Investitionsmittel gefordert, darunter 1,8 Millionen Euro von der Stadt als Eigenanteil aufgewendet.

Neben dem für z.B. Landwirte wirtschaftlichen und dem touristischen Aspekt möchte Karl-Heinz Kleinpeter die direkten Effekte für die Einwohner, für das Leben in Alt Sammit nicht übersehen. Viele hätten sich mit dem Verfahren Fenster, Türen oder Dach ihres Hauses erneuern können.


Geschaffenes wahren: Dorfverein gründet sich


Freilich, nicht alles, was man sich gewünscht hätte, habe sich verwirklichen lassen. Begrenzt wäre eben der Fonds der Eigenmittel, die für solch ein Vorhaben bereit gestellt werden müssten. So bezeichnet Kleinpeter einen ziemlich wild aussehenden Parkplatz an der Straße von Krakow am See nach Neu Sammit als Schandfleck. Und dennoch: Ausdrücklich lobt Kleinpeter das Engagement der federführenden, in Bützow ansässigen Mitarbeiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt: „Die brennen dafür!“

Doch einen willkommenen „Nebeneffekt“ des Bodenordnungsverfahrens möchte Kleinpeter noch hervorheben: Das Zusammengehörigkeitsgefühl im Dorf sei gewachsen. Ein Ergebnis: Die Grünflächen werden jetzt von den Einwohnern gepflegt, dazu gibt es einen Vertrag mit der Stadt, die 1300 Euro jährlich für Material bereit stellt. Kleinpeter: „Das ist mir vielleicht noch wichtiger als die materiellen Werte allein.“ Kommenden Sonnabend gründe sich zudem in Alt Sammit ein „Dorfverein“, der sich um das neue Dorfgemeinschaftshaus kümmern werde. Dies alles, so vermutet der Vorsitzende der BOV-Teilnehmer, sei für den Erhalt des Geschaffenen sicher vorteilhaft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen