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Pferderückung : Mit wenig Geld viel Holz rücken

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Landesweiter Pferderückungsaktionstag in den Letschower Tannen fordert Landesförderprogramm / Ab September kein EU-Geld mehr

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Ein Landesförderprogramm für das Holzrücken mit Pferden wurde gestern beim landesweiten Pferderückungsaktionstag in den Letschower Tannen bei Schwaan von Förstern, Waldbesitzern, Rückeunternehmen und Vereinen wie der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft gefordert. Hintergrund: Im August läuft die EU-Förderung aus. Bisher wurde die Pferderückung von der EU und vom Land anteilig mit 5 Euro je gerücktem Festmeter gefördert (Gesamtkosten ca. 10 bis 12 Euro/Festmeter). „Aber ohne eine solche Unterstützung können die 20 Unternehmen mit 100 Beschäftigten diese Dienstleistung nicht ausführen“, sagt Holger Weinauge, Förster im Waldverein Bansow. Im Februar hatte der Verein mit seinen 80 Mitgliedern über unsere Zeitung das Problem öffentlich gemacht.

„Wir benötigen unabhängig von der EU 200 000 Euro im Jahr, um 40 000 Festmeter Holz mit Pferden zu bewegen. Das würde heißen, dass wir mit relativ wenig Geld viel gerückt bekämen, ja sogar flächendeckend die Leistungen garantieren könnten“, rechnet Weinauge vor. Kommt die Förderung nicht, hintertreibe das das Bemühen um eine ökologische, bodenschonende, naturnahe und Tourismus freundliche Waldbewirtschaftung, mache eine Tradition zunichte und setze Arbeitsplätze im strukturschwachen ländlichen Raum aufs Spiel. So ist es in der Petition formuliert, die Kati Kruthoff, Geschäftsführerin des Waldvereins, gestern Manfred Hübner, Referatsleiter im Landwirtschaftsministerium, überreichte. Eigentlich war Minister Till Backhaus der Adressat. Der hatte sein Kommen auch zugesagt, fand aber nicht den Weg in die Letschower Tannen (siehe Kommentar).

Manfred Hübner verwies auf das Spannungsfeld auf dem globalisierten Holzmarkt zwischen wirtschaftlichen Zwängen und ökologischen Aufgaben. Daher werde das Pferderücken eine Nische bleiben und müsse mit der modernen Rücketechnik kombiniert werden. Wenn zwei bis drei Prozent des Holzeinschlags so geschlagen würden – jetzt seien es 0,2 bis 0,3 Prozent –, dann wäre das schon ein Erfolg, so Hübner. Der kritisierte allerdings, dass bisher zu wenig Fördermittel beantragt wurden. Achim Rensch von der Reit- und Fahrtouristik Lychen, die, um zu überleben, Pferderücken als Standbein benötigt, hielt dagegen: „Es sollte direkt und unbürokratisch gefördert werden. Die Anträge, die wir bisher ausfüllen mussten, sind nämlich eine Katastrophe.“

Gestern demonstrierten acht Unternehmen mit neun Pferden und zwei Maultieren den traditionellen Holzeinschlag. Sie rückten langes und kurzes Industrieholz zur Schau und zeigten wie im Akkord Industrieholz und Parkett geerntet werden. Dass es das ab September nicht mehr geben soll, ist für die Teilnehmer des Aktionstages unvorstellbar.


 

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