Vereine in der Region : Mit „Thüringer Schnippen“ Meister

Udo Rudolf (l.) mit einer Luchs-Taube blau-weiß geschuppt und Horst Messerknecht mit einer „Thüringer Schnippe“
Udo Rudolf (l.) mit einer Luchs-Taube blau-weiß geschuppt und Horst Messerknecht mit einer „Thüringer Schnippe“

SVZ-Serie „Vereine in der Region“ / Rassegeflügelverein „Phoenix von 1928“ geht auf die 90 zu / Dringend Nachwuchs gesucht

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06. März 2015, 16:18 Uhr

Der Rassegeflügelzuchtverein „Phoenix von 1928“ Güstrow und Umgebung geht – der Name weist darauf hin – auf die 90 zu. Ein stolzes Vereinsalter, was die Mitglieder auch gern erleben und feiern möchten. Allerdings gibt es ein Problem: Die Mitgliederzahl stagniert bei 16 und das Durchschnittsalter ist erheblich hoch. Der „Jüngste“, Steffen Schubert, ist 48, der Älteste, Arno Schwandt, 79 Jahre. Was nichts anderes heißt: Der Traditionsverein braucht dringend Nachwuchs.

Udo Rudolf, seit vergangenem Jahr Vorsitzende, steht deshalb bei unserem Besuch symbolisch mit weit ausgebreiteten Armen händeringend vor einem Schrank mit vielen, vielen Pokalen und sagt: „Wir sind offen für jeden, der zu uns kommt. Natürlich würden wir uns besonders freuen, wenn es vor allem Jugendliche wären.“ Der Kassower verspricht Neuankömmlingen auch viel Hilfe, z.B. was Zuchttiere betrifft. Rudolf kennt aber auch die Gründe, warum es so schwierig ist, neues Blut in den Verein zu pumpen. „Die Jugendlichen haben heute eben meist andere Interessen. Und wenn wir mal einen Jugendlichen hatten, verließ er uns meist nach der Lehre, weil er hier keinen Job fand“, erzählt der Vorsitzende. Udo Rudolf sieht auch als Riesenproblem, dass es nicht einfach ist als Rassegeflügelzüchter zu bestehen, wenn die Nachbarn nicht „mitmachen“. „Da fliegt eine Feder rüber auf den Hof nebenan oder der Hahn kräht zu laut – und der Ärger beginnt. Da hat schon so mancher aufgegeben“, sagt Rudolf.

Jeder, der Züchter werden will, muss ebenfalls wissen, dass es ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist. Rudolf: „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man jeden Tag für die Tiere da sein muss.“ Außerdem verhehlt der Vorsitzende nicht, dass Rassegeflügelzucht ein teures Hobby ist. Nichtsdestotrotz bleibt die Suche nach Verstärkung oberstes Gebot. Udo Rudolf: „Vereine wie der unsere sind dazu da, in erster Linie mit ihrer Zucht Rassen zu erhalten, die sonst aussterben würden.“


Der Dienstälteste: Horst Messerknecht


Einer, dem das ganz besonders am Herzen liegt, ist Horst Messerknecht. Der 71-jährige Güstrower ist das dienstälteste Mitglied im Verein. 1963 entschloss er sich bei „Phoenix“ mitzumachen. Als Schriftführer im Vorstand blickte er daher auf der Jahreshauptversammlung Mitte Februar auf die Geschichte des Vereins zurück. Gegründet wurde der Verein am 22. Februar 1928 für Rassegeflügel-, Exoten- und Kaninchenzüchter. Ab den 1930er-Jahren ging es nur noch um Rassegeflügel, zu dem Tauben, Hühner, Zwerghühner, Enten, Gänse und Puten gehören. Aktuell gibt es im Verein jedoch nur noch Tauben, Hühner und Zwerghühner. Walter Witt ist der Einzige, der noch Gänse züchtet.

Der erste Treff des Vereins war das „Feldeck“ in der Feldstraße. Otto Behrends war der erste Vorsitzende. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Albert Westphal den Verein, später wurde er von Richard Hannemann geprägt, ab 1999 von Arno Schwandt.


Zuchtarbeit mit vielen Preisen gekrönt


Zu Hochzeiten hatte der Verein rund 100 Mitglieder. Ihre Arbeit wurde auf vielen Ausstellungen und bei Meisterschaften anerkannt. Die erste größere Ausstellung in Güstrow wurde 1952 veranstaltet. Es gab kaum eine Schau, auf der die Güstrower Züchter für ihre Tiere nicht hoch dekoriert wurden. Regelmäßig räumte „Phoenix“ z.B. bei der DDR-Siegerschau in Leipzig Preise ab.

Einen großen Knick in der Entwicklung des Vereins gab es nach der Wende. Messerknecht: „Urplötzlich schrumpfte die Mitgliederzahl. Zur ersten Versammlung nach der Wende kamen sechs Mitglieder. Heute sind wir 16.“ Den Erfolgen tat das allerdings keinen Abbruch. Der Verein kann sich weiterhin rühmen, Regional-, Landes- und Deutsche Meister in seinen Reihen zu haben. Udo Rudolf gelang das mit seinen Luchs-Tauben blau-weiß geschuppt und Eckart Schulz aus Laage mit seinen Strasser blau ohne Binden. Und Frank Heinecke aus Güstrow ist als mehrfacher Landesmeister mit der Zucht seiner Vorwerkhühner führend in Deutschland. Schließlich darf sich Horst Messerknecht Deutscher Meister mit seinen „Thüringer Schnippen“ nennen.


Hähne-Wettkrähen im Mai in Hohen Sprenz


Soweit ist Hans Kloock noch nicht. Zwar beschäftigt sich der Klueßer schon seit seiner Jugend mit Tauben, aber dem Verein gehört er erst seit 2012 an. „Mein väterlicher Freund Dieter Schniedewind aus Sarmstorf überzeugte mich“, berichtet Kloock. Er züchtet King-Tauben gelb und King-Tauben gelbfahl dunkel gehämmert. Auf der großen Schau in Leipzig landete er im Vorjahr mit seinen Tieren im Mittelfeld und war damit sehr zufrieden. „Ich lerne noch. Der Verein hilft mir dabei. Außerdem macht mir das Hobby sehr viel Spaß“, möchte er die Arbeit im Verein nicht missen. Auch, weil viel gemeinsam gemacht wird. Da ist vor allem der Auftritt bei den Ausstellungen. Aber es gibt auch Vereinsveranstaltungen wie das Hähne-Wettkrähen. Das findet dieses Jahr am 19. Mai in Hohen Sprenz bei Rüdiger Hartung statt.

Rüdiger Hartung wurde auf der Jahreshauptversammlung als neuer Vertreter des Regionalverbandes Mittleres Mecklenburg gewählt. „Dort haben wir auch beschlossen, 2015 erstmals wieder eine Vereinsmeisterschaft zu organisieren. Sie wird während der Krakower Zuchtausstellung in den Oktoberferien sein. Da werden wir dann auch wieder Werbung für unseren Verein machen. Hoffentlich mit Erfolg und neuen Mitstreitern“, berichtet Udo Rudolf.

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