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Ins Atelier geschaut : Mit spitzem Stift runde Nasen zeichnen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“: Der Zeichner, Karikaturist und Illustrator Günter Endlich malt auch Aquarelle

Günter Endlich trauert. Den Grund für seine Niedergeschlagenheit trägt er um den Hals: einen historischen Fanschal des FC Hansa Rostock. Die vielen Niederlagen der letzten Wochen, das aktuelle Aus im Landespokal und die Entlassung des Trainers sind nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Um den Sport im Allgemeinen und Hansa Rostock im Besonderen dreht sich ein großer Teil von Endlichs Arbeiten. Seit 1964 und bis kurz nach der Wende lieferte er für Stadionhefte und Zeitungen, vor allem für die NNN, Motive rund um den Rostocker Fußball.

Als Karikaturist, Zeichner oder Illustrator wird Günter Endlich gern bezeichnet. Tatsächlich sind es diese Felder, auf denen sich der 79-Jährige mit Vorliebe tummelt. Nach dem Krieg aus dem heutigen Tschechien nach Mecklenburg gekommen, besuchte er die Schule in Tarnow und die EOS in Bützow. Lehrer war er im Sternberger Raum, nachdem er am Güstrower Institut für Lehrerbildung studiert hatte. Seine Begegnung mit Otto Damm, einem in der DDR bekannten Karikaturisten, beim Studium für Kunsterziehung in Erfurt nennt er „schicksalhaft“. Damm erkannte und förderte das Talent von Günter Endlich, mit schnellen Strichen Komisches auszudrücken. Seine Karriere als Schnellzeichner startete er übrigens bei Heinz Quermann und seiner Fernsehsendung „Herzklopfen kostenlos“. Bis heute schafft er es, aus drei vorgegebenen Strichen in weniger als 15 Sekunden eine Zeichnung zu entwickeln.


Karikatur erfordert einen Denkprozess


Zeitlich viel aufwendiger ist dagegen eine gute Karikatur, die zweite große Leidenschaft des Günter Endlich. „Jede Karikatur erfordert einen Denkprozess und nicht immer gelingt die treffendste Aussage auf Anhieb“, beschreibt er seinen Schaffensprozess. „Eine Karikatur ist dann gut, wenn sie ohne Worte alles erklärt“, formuliert er einen Grundsatz. Maximal toleriert er eine Eingangserklärung, aber Sprechblasen hasst er. „Und jeder Karikaturist sollte seine eigene, unverwechselbare Handschrift entwickeln“, sagt er. Diese Forderung stellte er an alle neuen Studenten, die in der 1965 von ihm an der damaligen Pädagogischen Hochschule Güstrow gegründeten Arbeitsgemeinschaft Karikatur mitarbeiteten. Bis zur Wende waren das über 110 Lehrerstudenten, die später mitunter selbst Karikatur-Arbeitsgemeinschaften an Schulen gründeten. Zu manchen Studenten von damals unterhält er noch heute Kontakt.


Ein Markenzeichen: die Knollennase


Apropos eigener Stil: dass der sich im Laufe eines Lebens wandeln kann, sieht man an den Endlich‘schen Nasen. Zeichnete er sie anfangs ausnahmslos spitz, gab es eine Zeit mit beiden Typen, während heute die runden, knollenförmigen Nasen dominieren. „Eine Hexe oder ein böser Zauberer bekommt natürlich nach wie vor eine spitze Nase“, schmunzelt er. Zu sehen ist diese Entwicklung übrigens in zahllosen Veröffentlichungen von in der DDR erschienenen namhaften Zeitungen und Zeitschriften. Auch im Satiricum Greiz sowie in den Volkskundemuseen Leipzig und Schwerin-Mueß finden sich Arbeiten von Günter Endlich. Und in über 20 Büchern, die er illustrierte. So arbeitete er unter anderem zusammen mit dem plattdeutschen Liedermacher Wolfgang Kniep, dem Laager Karl-Hermann Finck, dem Dabeler Horst Roggenbau, der Krakower Schriftstellerin Marianne Thiele oder dem Güstrower Wolfgang Pfannenschmidt, dessen schöne Geschichte vom Rühner See - „Piraten auf der Gänseinsel“ - er illustrierte. Zeichnungen, Karikaturen, Illustrationen. Weitgehend unbekannt ist, dass Günter Endlich auch Aquarelle malt.

Aktuell arbeitet er an einer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Auftrag gegebenen Publikation und an einer neuen Ausgabe vom „Mallbüdel“. Daneben drückt er seinem FC Hansa Rostock Punktspiel für Punktspiel die Daumen. Trotz alledem.





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