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Kriminalität : Mit pädophilen Neigungen ins Gefängnis

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gerichtsreport: 61-Jähriger verstieß mehrfach gegen Bewährungsauflagen - Minderjährige Mädchen in Wohnung gelockt

Wegen Verstoßes gegen Weisungen der Führungsaufsicht stand der Estrich- und Teppichverleger Heinrich H. (61) aus Güstrow am Mittwoch vor der Berufungskammer des Landgerichtes Rostock. Er hatte gegen ein Urteil des Güstrower Amtsgerichtes vom 19. Juni, das ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilte, Widerspruch eingelegt. Entgegen den Weisungen hatte er Kontakte zu nicht volljährigen Mädchen aufgenommen, obwohl ihm wegen seiner pädophilen Neigungen gerade dieses strikt untersagt war.

Zu den Weisungen gehörte auch, dass er keine Mädchen unter 14 Jahre in seine Wohnung lassen durfte und sich 50 Meter entfernt von allen Orten halten musste, an denen sich Kinder gewöhnlich treffen. Er durfte keine Hunde oder andere Tiere halten und sich auch keinen Garten zulegen. Er wurde verpflichtet, seine Medikamente einzunehmen und die Kontakttermine einzuhalten. 37 Verstöße gegen diese Weisungen fanden laut Güstrower Urteil in der Zeit von April 2013 bis Januar 2014 statt.

Demnach lockte er junge Mädchen in seine Wohnung, in dem er ihnen Zigaretten versprach, sie mit kleinen Geschenken überhäufte und sie zu Gesellschaftsspielen einlud. Er wollte ihnen ein Kaninchen schenken, wenn sie mit in den Garten kommen würden. Als sein Kontakt zu den Mädchen enger wurde, überredete er vier von ihnen, sich im Bikini fotografieren zu lassen und bezahlte sie mit 15 Euro für drei Fotos. Es kam sogar zu sexuellen Berührungen. Eine Hausdurchsuchung brachte die Adressen weiterer Mädchen zu Tage.

Ziel der Berufungsverhandlung sollte sein, die Haftstrafe in eine Bewährungsstrafe umzuwandeln. „Ich weiß nicht, wie sie auf die Idee gekommen sind, jetzt eine Bewährung zu beantragen“, sagte der Richter, nachdem er die Eintragungen des Angeklagten ins Bundeszentralregister verlesen hatte – 16 insgesamt. Die meisten wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und sexueller Nötigung. Über zehn Jahre seines Leben verbrachte der Güstrower bereits in Gefängnissen. 2009 erhielt er wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten, die er voll verbüßte. Er wurde 2012 entlassen und unter eine fünfjährige Führungsaufsicht gestellt.

Das Amtsgericht Güstrow hatte den Angeklagten bereits im Oktober 2013 wegen Verstoßes gegen Weisungen der Führungsaufsicht verurteilt. Anlass dafür war, dass er immer wieder in seiner Wohnung mit Hunden angetroffen wurde. Er redete sich heraus, dass es die Vierbeiner von Bekannten waren. Das Güstrower Gericht verurteilte ihn im Oktober 2013 zu einer Bewährungsstrafe, machte aber eindeutig klar, dass es bei einer nochmaligen Verletzung der Weisungen zu einer Haftstrafe kommen werde. Doch der Angeklagte trieb im Geheimen seine Untaten noch bis zum Januar 2014 weiter. „Und warum sollten wir Ihnen jetzt glauben, dass sie den Kontakt zu jungen Mädchen abgebrochen haben, wo Sie das doch im Oktober 2013 schon behaupteten und sogar Ihren Bewährungshelfer lange hinters Licht führten?“, fragte der Richter.

Das Berufungsgericht fällte zwei Urteile: Unter Einbeziehung des Güstrower Urteils erhielt der 61-Jährige eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monate. Das betraf 28 Taten von April 2013 bis zum Urteil im Oktober, und für die neun weiteren Fälle bis Januar 2014 erhielt er eine Strafe von einem Jahr und zwei Monate. Eine Bewährung wurde zurückgewiesen.
 

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