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Ins Atelier geschaut : Mit Kopf und Hand: Landschaft entsteht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“: Hannes Schützler aus Qualitz, Grafiker und Drucker

Zwei Ausstellungen hielten Hannes Schützler in den letzten Wochen in Atem. Zum einen beteiligte er sich mit zwei Arbeiten an der gegenwärtig laufenden Landes-Grafikausstellung „Prolog 01“ in Neustadt/Glewe. An der von 30 Künstlern aus Mecklenburg-Vorpommern bestrittenen Schau schätzt Schützler besonders das Bemühen der Veranstalter, die zeitgenössische Grafik wieder stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken.

Das zweite Projekt bereitete dem Grafiker Schützler einiges Kopfzerbrechen. Am letzten Septemberwochenende gab es im Kulturhaus Mestlin eine Ausstellung zum Thema Erster und Zweiter Weltkrieg. „Die Darstellung von Krieg ist über Kunst schwer zu fassen. Immer besteht die Gefahr, dass das wichtige Thema ins Plakative abgleitet“, sagt Schützler. Er wählte einen „leisen Zugang“ zu dieser großen Problematik, indem er Spuren von kriegerischen Auseinandersetzungen in der Landschaft sucht. „Kriege haben ganze Landstriche verändert“, beschreibt er den Ansatzpunkt für seine Radierungen.

Landschaften sind ohnehin die vorherrschenden Themen in den grafischen Arbeiten von Hannes Schützler. Das, sagt der Künstler, habe seinen Ausgangspunkt schon im Studium. 1997 hatte der heute 39-Jährige ein Studium auf Lehramt Gymnasium für Kunsterziehung und Ethik an der Burg Giebichenstein und der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg begonnen und wechselte später zur Kunstpädagogik. Seine kunstgeschichtliche Abschlussarbeit fürs Diplom verfasste er über die Autonomisierung von Landschaftsdarstellungen. Theoretisch untersuchte er den Jahrhunderte dauernden Prozess, in dem sich Landschaft von der Hintergrundmalerei zum eigenständigen Motiv etablierte. Der praktische Teil seiner Diplomarbeit bestand aus Grafiken. „Für mich“, sagt Schützler, „entsteht Landschaft im Kopf. Es ist eine konstruierte Landschaft, die ich ausschnitthaft abbilde, ohne dem Naturalismus verhaftet zu sein.“

Als künstlerisches Vorbild nennt Schützler den niederländischen Maler und Radierer Hercules Seghers (um 1590-1638), einen Zeitgenossen Rembrandts. Weitere Motive für seine Radierungen findet er in Stillleben und in der Architektur. Es sei jedes Mal ein ungeheuer spannendes Ereignis, wenn er nach tagelanger Arbeit an einer Zink- oder Kupferplatte den ersten Druck auf handgeschöpftem Büttenpapier ausführe und dem Ergebnis mit klopfendem Herzen entgegen sehe. „Es muss auf Anhieb stimmen. Fehler sind im Nachhinein kaum auszubügeln“, weiß er.


In Pfarrhaus idealen Ort fürs Schaffen gefunden


2007 übernahm Hannes Schützler die Druckwerkstatt von Ernst Lau, den er als seinen Mentor betrachtet. Im 150 Jahre alten Pfarrhaus in Qualitz fand der Druckgrafiker den idealen Ort für sein Schaffen. Neben seinen eigenen Radierungen druckt er für Künstler wie zum Beispiel Rolf Kuhrt, Joachim John, Hellmut Martensen und Britta Matthies. „Willst du Künstler oder Grafikdrucker sein?“, hatte ihn Lau anfangs gefragt. Hannes Schützler, der gelegentlich die Qualitzer Abgeschiedenheit gegen das hauptstädtische Berlin eintauscht („Ich brauche sowohl die Stille auf dem Lande als auch das pulsierende Leben der Großstadt.“), will beides sein: Künstler und Handwerker. Daneben lädt er zu Kursen in das Pfarrhaus ein und unterrichtet dienstags im Kinder-Jugend-Kunsthaus in Güstrow.

Mit Ausstellungen will er sich nun erst einmal zurück halten. „Erst muss ich wieder etwas schaffen“, sagt er und hat natürlich wieder die Landschaft im Blick. Mehr als bisher will er reduzieren, nicht die ganze Fülle der sich bietenden Motive abbilden. „Die Tendenz geht zum Detail, ohne das Ganze zu verlieren“, formuliert er sein Credo.




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