Meine Heimat, meine Zeitung : Mit Köster Klickermann fing alles an

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Klaus-Jürgen Schlettwein bringt das Plattdeutsche auf der Bühne zum Leben und strapaziert seit Jahrzehnten die Lachmuskeln in und um Güstrow

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15. März 2014, 06:00 Uhr

Weißer Lockenschopf, ein Lächeln auf den Lippen und immer einen plattdütschen Spruch im Gepäck. So kennen die Güstrower ihren Klaus-Jürgen Schlettwein. Der geborene Wismarer ist ein echtes Mecklenburger Original und darum auch eines der Gesichter der SVZ-Kampagne „Meine Heimat. Meine Zeitung“. Momentan lächelt er gemeinsam mit Tochter Susanne von vielen Plakaten in den Bussen der Region.

Die Liebe zur Musik und die Freude andere Menschen zu unterhalten prägte seine Mutter schon in frühester Kindheit. „Sie hat mich gelehrt, wie man aus wenig viel machen kann. Wir hatten damals wirklich nichts, aber wir hatten immer etwas zu lachen“, erinnert sich der heute 76-Jährige an seine Kindertage. Heute würde Klaus-Jürgen Schlettwein den Müttern dieser Zeit mit Freuden ein Denkmal setzen: „Viele Väter – auch meiner – sind im Krieg gefallen oder in Gefangenschaft geraten und die Frauen haben daheim einfach unglaubliches geleistet.“

Seiner Mutter sei es gelungen aus einem Kaninchenbraten stets ein Festessen zu machen und so habe er schon als kleiner Junge gelernt, den Menschen mit den kleinsten Dingen eine Freude zu bereiten – eine Weisheit, die sich Klaus-Jürgen Schlettwein bis heute bewahrt hat.


Erste Rolle auf Platt mit 12 Jahren


Die Affinität zum Plattdeutschen kristallisierte sich während seiner Schulzeit heraus. So brachte ihm sein Biologielehrer botanische Namen auf Platt bei. Mit zwölf spielte „Schletti“ – wie ihn seine Freunde liebevoll nennen – seine erste plattdeutsche Rolle. „Ich verkörperte den Köster Klickermann. Eine Figur von Rudolf Tarnow – Damit fing alles an“, erinnert sich der Güstrower mit einem Lächeln auf den Lippen.

Bis zum Studium schlummerte Schlettweins Leidenschaft, bis er schließlich an der Universität Rostock auf Professor Hans-Joachim Gernentz traf. „Ich war der erste Student, der nach 1945 sein Examen in Niederdeutsch schrieb. Für seine Unterstützung bin ich Professor Gernentz nach wie vor dankbar“, sagt Klaus-Jürgen Schlettwein rückblickend.

Als studierter Germanist und Anglist zog es den jungen Lehrer schließlich nach Güstrow. „Ich war wirklich mit Leib und Seele Lehrer. Das Plattdeutsche wurde schließlich zu meinem Hobby und in Arbeitsgemeinschaften brachte ich meinen Kollegen das Platt bei“, erinnert sich der Güstrower.


Vom Lehrer zum Plattsnacker


Mit der Zeit wurde der Plattdeutsch-Unterhalter immer bekannter, gab bis zu 280 Veranstaltungen im Jahr, machte Abstecher zum Fernsehen und Radio und entschied sich schließlich dem so geliebten Lehrerdasein den Rücken zu kehren. „Seit 1988 bin ich nun also freischaffend und habe es nie bereut“, sagt der Künstler und kann seine Freude darüber kaum verbergen.

Klaus-Jürgen Schlettwein ist einer der wenigen, die wahrlich von sich behaupten können, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben und auch mit 76 Jahren noch Abend für Abend auf den großen und kleinen Bühnen der Region zu stehen und die Menschen zu unterhalten.

Viele fantastische Erinnerungen hat der Musiker im Laufe seiner Karriere sammeln können. Gerne erinnert sich Klaus-Jürgen Schlettwein an sein Silvesterprogramm im Ernst-Barlach-Theater zurück: „Das war immer wie eine riesengroße Familienfeier. Eine sehr schöne Zeit für mich und für Güstrow.“ Auch die Besuche in Tokio, Hong Kong und Singapur bleiben für den weit gereisten Unterhaltungskünstler unvergessen.

Doch obwohl er schon viel gesehen und erlebt hat ist „Schletti“ auf dem Boden geblieben: „Ohne die großartige Unterstützung meiner Frau Inge – meine stärkste und zugleich schärfste Kritikerin sowie mein bester Kumpel – und ohne mein treues Publikum, wäre mir all das nicht gelungen.“


„Schletti“ bleibt Bühne noch lange treu


Besonders stolz mache ihn, dass sowohl Tochter Susanne als auch Enkelin Svenja inzwischen mit ihm auf der Bühne stehen. „Als Vater und Großvater ist das ein wirklich ganz tolles Erlebnis“, schwärmt der 76-Jährige. Hinzu komme ein weiterer Aspekt: Plattdeutsch sei ein Kulturgut und müsse bewahrt werden. Es müsse gesprochen werden, um nicht wie Latein zu enden.

So umfasst sein Repertoire inzwischen 29 Programme á 90 Minuten und obwohl „Schletti“ eigentlich kürzer treten wolle, sei er im März bereits ausgebucht. Ans Aufhören denkt Klaus-Jürgen Schlettwein aber nicht: „Ich habe noch viele Ideen für neue Programme und die schönsten Geschichten schreibt ohnehin das Leben – jeden Tag.“

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