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Güstrower Puschkinweg : Mit fünf Kindern in der Drei-Raum-Wohnung

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

25 Mietparteien wohnen seit 50 Jahren in ein und derselben Wohnung im Puschkinweg und feierten gestern

Sie begegneten sich in den vergangenen 50 Jahren oft im Puschkinweg: Mieter, die seit dem Ersteinzug 1964 in einer der 144 Drei-Raum-Wohnungen im Puschkinweg 1 bis 18 in Güstrow leben und seitdem nicht mehr umgezogen sind. Die Geschäftsführung der Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG) hatte gestern die 25 Parteien, für die das zutrifft, zu einer Feier eingeladen.

Bei Kaffee und einer kreativen Geburtstagstorte kamen die Erinnerungen schnell hoch. So konnten sich Herbert (75) und Hildegund (72) Cwienk noch sehr gut an die große Freude erinnern, die sie empfunden hatten, als sie als frisch verheiratetes Paar in eine Neubauwohnung einziehen konnten. Mit Hermine (74) und Gerhard (83) Stittrich sowie Edith und Peter Moll verstehen sie sich im Aufgang Nr. 9 hervorragend. „Wir sind durch dick und dünn gegangen“, bestätigt Hildegund Cwienk. Sie und Hermine Stittrich waren es auch, die während der zwei Sanierungen nach der Wende jeden Tag den Aufgang von oben bis unten geputzt hatten. „Manchmal waren wir schneller als die Bauleute“, schmunzeln sie. Aber ordentlich habe es immer ausgesehen. Zweimal seien Angestellte einer Reinigungsfirma gekommen. Die seien über alle Stockwerke mit einem Eimer Wasser ausgekommen. „Aber den Schmutz haben sie gut verteilt“, erzählt Peter Moll. Er erinnert sich an 1984, als Flachheizkörper in die Wohnungen kamen. „Weil wir zu viel Baudreck fürchteten, haben wir die Bohrungen in den Decken selbst angebracht“, erinnert er sich.

Lustig ging es an einem Tisch mit über 80-Jährigen zu. „Das liegt am Puschkinweg, dass wir so alt werden“, lacht der 84-jährige Hubert Hendriock. Liselotte Findeklee (82) und Lieselotte Ritschel (87) haben ein anderes Thema. Die Frauen haben mit ihren Männern je fünf Kinder in den Drei-Raum-Wohnungen groß gezogen. „Mein Mann war Tischler, der hat Doppelstockbetten gebaut“, sagt Liselotte Ritschel. „Zeitweise haben wir im Wohnzimmer geschlafen“, erzählt Liselotte Findeklee. Und noch enger wurde es, als sie ihre pflegebedürftigen Eltern in der Wohnung aufnahm. „Es war unwahrscheinlich beengt, aber es war eine wunderschöne Zeit“, schwärmt sie.

Dass Mieter über 50 Jahre in ein und derselben Wohnung blieben, sei ein Phänomen, sagt WGG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt. Im Durchschnitt würden Mieter alle acht bis neun Jahre die Wohnung wechseln. „Aber das ist auch ein Zeichen dafür, dass wir die Sanierung und Modernisierung im Puschkinweg gut hinbekommen haben“, stellt er fest.


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