Güstrow : Mit einem Bärenfang auf alte Heimat anstoßen

Für die in 25 Jahren geleistete Arbeit bedankt sich Helga Pundt mit einer CD mit ostpreußischem Platt beim Vorsitzenden der Güstrower Ostpreußengruppe, Hans-Jürgen Skoeries.
Für die in 25 Jahren geleistete Arbeit bedankt sich Helga Pundt mit einer CD mit ostpreußischem Platt beim Vorsitzenden der Güstrower Ostpreußengruppe, Hans-Jürgen Skoeries.

Güstrower Ostpreußengruppe feiert 25-jähriges Bestehen.

svz.de von
09. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Sie sind hochbetagt und die Reihen haben sich merklich gelichtet. Die Güstrower Ostpreußengruppe feierte jetzt ihr 25-jähriges Bestehen. „Als wir uns 1993 zum ersten Mal im Hotel ‚Stadt Güstrow‘ getroffen haben, waren wir um die 300 Menschen, die einst aus Ostpreußen gekommen waren“, erinnert sich Helga Pundt, die als stellvertretende Vorsitzende die Organisationsfäden zieht. Und das seit 25 Jahren und damit genau so lange wie Hans-Joachim Skoeries der Gruppe als Vorsitzender vorsteht.

Hans-Joachim Skoeries musste 1944 als damals Fünfjähriger mit seiner Mutter und den fünf Geschwistern seinen Geburtsort Tilsit verlassen. „Als ich nach der Wende endlich Tilsit besuchen durfte, habe ich vieles in meinem Elternhaus und dem Grundstück wiedererkannt. Sogar den Briefkasten, der an gleicher Stelle wie 50 Jahre zuvor am Haus angebracht war“, erinnert sich der heute 79-Jährige.

Viele Erinnerungen an die siebenwöchige Flucht, die sie unter anderem über das Haff führte, hat auch Helga Pundt. Die Güstrowerin war damals zwölf Jahre alt, als sie ihre Heimatstadt Schloßberg verlassen musste. „Über die gesamte Fluchtdauer habe ich Tagebuch geführt und zum Beispiel jeden Ort notiert, an dem wir übernachtet haben“, erzählt sie. Die deutsche Partnerstadt von Schloßberg ist Winsen/Luhe. „Von dort gingen auch die Impulse aus, die schließlich zur Gründung der Ortsgruppe in Güstrow führten“, weiß sie zu berichten. Noch heute hält Helga Pundt über das Internet Kontakt zu einer Schülergemeinschaft in Schloßberg.

In all den Jahren stand in der Ortsgruppe die Erinnerungskultur im Vordergrund. Viele Menschen haben von ihrer Kindheit oder Jugend berichtet, die sie in der alten Heimat verbracht haben. Zu jedem Treffen wurde und wird die Ostpreußen-Hymne gesungen und immer wird mit einem Bärenfang angestoßen. Dieser Likör aus Honig, Gewürzen und hochprozentigem Alkohol, der auch Meschkinnes oder Petzfang genannt wird, stammt aus Ostpreußen. Wie es weiter geht mit der Ortsgruppe, weiß auch Helga Pundt nicht. Viele ihrer Mitstreiter hat sie in den letzten 25 Jahren verloren. „Es ist ein biologisches Problem. Die aus Ostpreußen stammenden Menschen sterben aus und die Jugend hat kaum Interesse an der Heimat von uns Alten“, sagt sie etwas resigniert. Aber dennoch war es noch einmal eine fröhliche Feier, auf der in Erinnerungen geschwelgt und – unterstützt vom Gertrudenchor – viel gesungen wurde.

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