Ganschower Stutenparaden : Mit Ehrgeiz zurück in den Sattel

Durch monatelanges Training hat Swantje Arzt es geschafft, wieder richtig gut zu reiten.
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Durch monatelanges Training hat Swantje Arzt es geschafft, wieder richtig gut zu reiten.

Nach einem Unfall ist Swantje Arzt als Reiterin mit Handicap erfolgreich / Ihr Können zeigt sie bei den Ganschower Stutenparaden

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14. Juli 2014, 06:00 Uhr

Tausende Pferdeliebhaber aus Mecklenburg-Vorpommern und anderen Bundesländern sind gestern wieder zum Gestüt Ganschow gepilgert. Sie wollten sich die Attraktionen der zweiten Stutenparade nicht entgehen lassen. In 17 Schaubildern zeigten Profis aller Altersklassen den begeisterten Besuchern, was der Reitsport zu bieten hat. Präsentiert werden die Ganschower Stutenparaden von der Schweriner Volkszeitung.


„Ich konnte das nicht fassen“


Ein besonderer Programmpunkt war der Auftritt von Swantje Arzt. Die 22-jährige Brandenburgerin präsentierte sich mit ihrem Pferd Sunny. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Kür ausgesehen haben mag, war das Ergebnis monatelanger harter Arbeit. Denn Swantje Arzt hat sich bei einem Reitunfall vor drei Jahren schwer verletzt. So schwer, dass ihr die Mediziner sagten, sie könne nie wieder auf ein Pferd steigen. „Das konnte ich überhaupt nicht fassen“, erzählt Swantje.


Eine halbe Stunde für 20 Meter


Der Unfall passierte während ihres Trainings als Vielseitigkeitsreiterin. „Das ist quasi Motorcross mit einem Pferd“, erklärt sie. Zum Verhängnis wurde ihr eine unbefestigte Grasfläche hinter einem Übungshindernis. „Als das Pferd gelandet ist, sackte der Boden zusammen, es war eine reine Mauselochlandschaft.“ Das Pferd sei stecken geblieben und sie habe noch halb im Sattel gesessen, berichtet sie. Dabei hat sich die Wirbelsäule der jungen Frau so stark verdreht, dass die Wirbel an dieser Stelle komplett zertrümmert wurden. „Das habe ich in dem Moment gar nicht realisieren können.“

Mit einem Hubschrauber wurde Swantje nach Berlin gebracht, wo sie nach einer komplizierten Operation die schlimme Nachricht erhielt: „Die Ärzte sagten mir sofort, dass ich nie wieder reiten kann. Jeden Tag kam ein neuer Fachmann zu mir, dem ich versprechen musste, dass ich mich von Pferden fernhalte.“

Eingehalten hat Swantje dieses Versprechen nicht. Als sie feststellte, dass sie sich im Krankenhaus nicht richtig von dem Unfall erholen kann, entließ sie sich selbst – und fuhr auf den Pferdehof.

Weil sie sich ein Leben ohne das Reiten nicht vorstellen konnte, hat Swantje hart für ihre Genesung gearbeitet. Als Folge des Unfalls musste sie wieder laufen lernen. „Ich habe am Anfang für 20 Meter mehr als eine halbe Stunde gebraucht“, berichtet sie. Sie habe hart trainiert und sich jeden Tag gesteigert.

Dabei hat sie sich auch nicht von Streitigkeiten mit ihrer Mutter abbringen lassen. „Sie hat mir nicht erlaubt, das Pferd zu reiten, mit dem ich den Unfall hatte. Deswegen habe ich aus Trotz ein anderes Pferd gekauft“, erzählt Swantje. Dass sie jetzt wieder mühelos auf ein Pferd steigen kann, hat Swantje Arzt einer ganz besonderen Trainerin zu verdanken. „Sie hat eine Art Reha-Sport entwickelt“, sagt Swantje. Mit ihrer Hilfe habe sie erst einmal das Reiten im Schritt gelernt. „Ich hatte ein spezielles Korsett an und musste wieder alle Muskeln aufbauen. Die waren ja komplett weg“, erzählt sie.


Swantje räumt Titel bei Meisterschaft ab


Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten wurde Swantje bei den Landesmeisterschaften für Reiter mit Handicap im Dezember 2012 angemeldet – und holte den Titel. „Spätestens da war ich natürlich angefixt.“ Seitdem reitet Swantje auf einer Erfolgswelle. So konnte sie sich dieses Jahr für die deutschen Meisterschaften qualifizieren. Da ihr Pferd ein Jahr zu jung ist, kann sie jedoch nicht teilnehmen. Doch Swantje lässt den Kopf nicht hängen. „Im Dezember bin ich wieder bei den Landesmeisterschaften für Reiter mit Handicap dabei. Und jetzt ist erst einmal Ganschow dran“, sagt sie.

Beim Finale der Stutenparaden zeigt Swantje, wie gut sie inzwischen geworden ist. Sie selbst ist begeistert von der Veranstaltung. „Die Schaubilder sind hervorragend. Vor allem die Havellandkosaken haben mich sehr beeindruckt.“ Auch Gestütsinhaber Friedhelm Mencke ist beeindruckt: „Ich wollte diese jungen Frau unbedingt für unsere Stutenparaden haben.“

In dieser Woche gibt es die Stutenparaden zum letzten Mal in diesem Jahr. Das Finale findet am Sonnabend statt, Einlass ist ab 9 Uhr, das Showprogramm beginnt um 13 Uhr. Der Höhepunkt wird wieder die freilaufende Herde sein. Mehr als 100 Trakehner laufen auf den Horizont zu.

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