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Güstrow : Mit Abbau des Daches Sanierung des Hauses erzwungen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrower und diejenigen, die mit dem Theater zu tun hatten, haben ein Buch geschrieben. Es ist zum 185. Geburtstag des Güstrower Theaters erschienen. Weil es die zusammen gestellt haben, die es am besten kennen, hat es eine sehr persönliche Note.

Wo anders hätte die Präsentation eines Buches über das Ernst-Barlach-Theater besser stattfinden können, als auf den Brettern dieses über 185 Jahre alten Hauses? So hatte der Verein der Freunde und Förderer des Theaters als Herausgeber denn auch Autoren und Sponsoren zur kleinen Premierenfeier auf die Bühne eingeladen. Ursprünglich, so die Vorsitzende Heidemarie Beyer, hätte die Publikation schon am 12. Oktober, dem Theatergeburtstag, erscheinen sollen. Aber dann meldeten sich auf den Aufruf des Vereins so viele Menschen aus nah und fern, die Berichte, Erinnerungen und Impressionen beitragen wollten, dass der Termin nicht zu halten war.

Die Fülle der Einsendungen aber bereichert das Buch ungemein. Aus vielen Mosaiken wie in den beiden Arbeiten der Künstlerin Vera Kopetz an den Seitenportalen der Vorbühne entsteht ein lebendiges Kaleidoskop des Güstrower Bürgertheaters. Da schildert Heinz Rosenthal, der in den 1950er-Jahren als Schauspieler, Sänger und Theaterfotograf wirkte, wie junge Leute einfach mit Bauarbeiten am Haus begannen. Es drohte nämlich die Rücknahme des Sanierungsbeschlusses und die Schließung wegen Baufälligkeit. „Da haben wir einfach angefangen, das Dach abzudecken. Danach konnten die Stadtverantwortlichen nicht mehr zurück“, erinnert er sich an die Umbauzeit von 1955 bis 1957. Hans Heinrich Höffer übergab dem Stadtmuseum die Fotoalben seiner Frau Luise Schloite-Höffer, die nach dem Krieg als Sängerin in Güstrow gewirkt hatte. Die beiden Herren, Rosenthal und Höffer, lernten sich bei der Buchpräsentation kennen und wurden kaum fertig, die Erinnerungen über gemeinsame Bekannte auszutauschen.

Viele Anekdoten bereichern das Buch. So schildert Wilfried Kopp, wie ein tanzender Schmetterling eine Konzertaufführung zum besonderen Erlebnis machte.

Klaus-Jürgen Schlettwein erzählt, wie er dem Mimen Peter Bause über eine Textpanne half und dafür einen anerkennenden Blick von Hanns-Anselm Perten erntete.

Heidemarie Beyer erinnert an Björn Engholm, der als Ministerpräsident von Schleswig Holstein 1990 zu einer Podiumsdiskussion im Ernst-Barlach-Theater weilte und ob der schlichten Schönheit des Hauses erst einmal sprachlos war.

Helga Kressin beschreibt, wie eine „Klavierstunde“ im Theater Erinnerungen an den eigenen Klavierunterricht weckten.

Fast unmerklich liest sich das Buch in die Gegenwart mit seinem umfangreichen, viele Interessen bedienenden Angebot. Dazu passen auch die drei – allerdings am Anfang – stehenden Grußworte von Landrat Sebastian Constien, Bürgermeister Arne Schuldt und Kultusminister Mathias Brodkorb. „Ich gratuliere dem Güstrower Theater zu seinem 185-jährigen Geburtstag und bin sicher, dass dieser Theaterort noch lange auf unserer kulturellen Landkarte zu finden ist“, schreibt der Minister. Heidemarie Beyer wertete alle drei Grußworte als Bekenntnis zum Theater.

Das Buch ist in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen. Die Theaterfreunde hoffen auf einen guten Verkauf, denn mit den Einnahmen will der Verein Projekte befördern, die Kindern und Jugendlichen Besuche im Güstrower Theater ermöglichen.


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