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Pilotenporträt : Mit 74 000 PS am Himmel über MV

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Seit 2014 fliegt Christoph Hachmeister den Eurofighter im Taktischen Luftwaffengeschwader 73 in Kronskamp. Aufwändige Ausbildung in den USA.

Christoph Hachmeister hat es geschafft. Der 30-Jährige ist seit einigen Jahren Eurofighter-Pilot in Kronskamp. Allerdings kam er erst relativ spät darauf, dass Fliegerei etwas für ihn sein könnte. „Das Interesse für einen fliegerischen Beruf kam erst, als ich so 16, 17 Jahre alt war. Da habe ich viel Zeit mit dem Flugsimulator am PC verbracht“, erzählt der gebürtige Niedersachse. Auch stand für ihn schnell die erste Wahl fest: Bundeswehr statt Zivilfliegerei. „Jetfliegen sah für mich einfach spannender aus als die Airlinersparte. Ich schickte damals genau eine Bewerbung ab – und wurde angenommen.“

2005 begann Hachmeister mit der Grundausbildung und dem anschließenden Offizierlehrgang in Fürstenfeldbruck. Danach studierte er Maschinenbau an der Bundeswehruniversität in Hamburg. 2010 beginnt seine fliegerische Vorausbildung mit Luftfahrtenglisch und der Ausbildung „Überleben See für Piloten“.


Fliegen lernen in den USA


Im Januar 2011 durfte Hachmeister dann zum ersten Mal in einem Cockpit sitzen. Dazu schickte ihn die Luftwaffe, wie alle Jet- und Transportfliegeranwärter der Bundeswehr, nach Goodyear in Arizona. „Hier bekam ich drei Monate lang meine erste fliegerische Ausbildung. Diese umfasste rund 35 Flugstunden inklusive meines ersten Alleinfluges.“ Nach zwei Monaten weiterer Vorbereitung in Deutschland kam der angehende Pilot dann nach Shepard. Dort findet die Ausbildung speziell für die Jetpiloten statt. „Jetzt wurde es spannend. Wir flogen T-6 TEXAN II. Das sind leistungsstarke Turboprop-Maschinen mit 1100 PS. Ein gutes und modernes Schulungsflugzeug. Außerdem hatten wir nun Helm und Schleudersitz“, berichtet Hachmeister. Er lernt die Grundlagen der Fliegerei: starten, landen, Loopings, Instrumentenflug. Hinzu kommen Formations- und Tiefflüge. „Highlight war mein erster Soloflug in Formation.“

Ab Januar 2012 stieg Hachmeister um auf die T-38C Talon. Jetzt saß er in einem richtigen Jet mit zwei Triebwerken und Nachbrenner: „Das war schon ein ziemlicher Unterschied zur Texan II. Die T-38 fühlte sich ganz anders an und war viel schneller. Es ist die neuste Version mit einem modernen Cockpit und neuesten Triebwerken.“ Auch hier lernte Hachmeister zunächst wieder die Grundlagen, wie schon zuvor mit dem Propellerflugzeug. Hinzu kamen jetzt aber auch Überschallflüge. Nach einem Jahr wurden ihm die sogenannten Wings verliehen: Von nun an durfte er sich Luftfahrzeugführer nennen. Dazu wurde er für die Eurofighter-Ausbildung eingeplant. Damit hatte sich sein Wunsch erfüllt, den modernsten Jet der Luftwaffe fliegen zu dürfen.

Es folgten Luftkampfübungen und auch das simulierte Luft-Boden-Schießen. „Die Airbase war mitten im texanischen Nirgendwo. Das Leben war also auf die Base beschränkt. Zum Glück hatten wir auch immer mal ,Cross-Country-Flüge’ in andere Bundesstaaten, das sorgte für Abwechslung. Ansonsten hatten wir alles vor Ort, einen Burger King, einen Wal Mart und Tankstellen. Wie in einer Kleinstadt. Man bräuchte quasi ein Jahr lang den Fliegerhorst nicht verlassen.“

Da es sich bei der Ausbildung um ein Nato-Programm handelt, fliegt Hachmeister mit Piloten aus vielen anderen Nationen. „In meiner Klasse waren zum Beispiel Italiener und Amerikaner. Unsere Fluglehrer kamen unter anderem aus den Niederlanden und Norwegen.“


Zurück in Deutschland


Im Mai 2014 begann dann die Ausbildung auf dem Eurofighter in Kronskamp. Hier lief es wieder ähnlich ab, wie bereits in den Staaten: Nach drei Monaten Theorieunterricht begann Hachmeister mit bekannten Übungen, wie starten, landen und Instrumentenflug. Später kamen „1 vs. 1“- und „2 vs. 2“-Manöver hinzu. „Außerdem gab es die ersten scharfen Schussübungen mit der Bordkanone, Luftbetankung und eine große Abschlussübung „4 vs. 8“ inklusive Luftbetankung. Das war schon eine sehr komplexe Mission. Wir haben hier in Deutschland eine andere Luftraumstruktur als in den USA. Allerdings sind die Verfahren im Eurofighter einfacher. Das Fliegen rückt in den Hintergrund, das Taktische, also der Waffeneinsatz, steht viel mehr im Vordergrund.“


Anstrengender Alltag


Nach seiner Ausbildung bleibt der frischgebackene Pilot in Laage stationiert. „Mein Alltag sieht so aus, dass ich morgens in das Einsatzbriefing gehe, wo wir Piloten auch mit dem aktuellen Wetter vertraut gemacht werden. Das ist sehr wichtig in der Fliegerei. Anderthalb Stunden vor dem Start mache ich nochmal ein Flug- und Missionsbriefing und schlüpfe dann in meine Fliegerkombi. Dann gibt es nochmal letzte Updates, das sogenannte Stepbriefing vom Flugdienstleiter, bevor ich zum Flieger gefahren werde.“

Rund zehn Minuten vor dem Start rollt er dann mit dem Flugzeug zur „Last Chance“. Es folgt der tosende Start in den Himmel über Mecklenburg-Vorpommern. „Je nachdem, ob wir mit Vollgas fliegen oder eine Tankermission über der Nordsee üben, dauert ein Flug zwischen 35 Minuten und zweieinhalb Stunden. Nach der Landung werden die Flugdaten runtergeladen und es gibt ein Debriefing, bei dem die Mission ausgewertet wird. Je nach Komplexität des Fluges kann das von einer halben Stunde bis zu vier Stunden dauern. Es ist auch möglich, dass dieses ganze Prozedere zwei Mal am Tag stattfindet.“

Zu den anspruchsvolleren Missionen gehört Luftbetankung. „Sie ist sehr individuell. Es handelt sich je nach Mission auch nicht zwangsläufig darum die Flugstrecke zu verlängern. Häufig muss nur die Flugzeit verlängert werden, weil die Flugzeuge einen bestimmten Luftraum für eine bestimmte Zeit schützen sollen. Und hier werden je nach Auftrag und Bedarf die Tankflugzeuge eingesetzt“, erklärt der 30-jährige. „Auch für eine weit entfernte Verlegung der Eurofighter, beispielsweise ins Ausland, nutzen wir dieses Prozedere. Theoretisch wäre es möglich, dass die Flieger immer dort oben bleiben, wenn sie regelmäßig mit Treibstoff versorgt werden würden.“

„Alternativ habe ich aber auch mal am Schreibtisch zu tun. In Nebenfunktion bin ich nämlich noch Flugausrüstungsoffizier“, berichtet der Pilot. Dieser beschäftigt sich mit den Ausrüstungsteilen, die der Pilot während des Fliegens bei sich trägt, der Ausrüstung, die bei einem Notausstieg mit dem Schleudersitz zum Überleben notwendig ist. Sollten sich herbei Lücken aufzeigen, die den sicheren Flugbetrieb oder nur die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs beeinflussen, kann der Flugausrüstungsoffizier versuchen, hier neue Ausrüstungsteile zu beschaffen oder zumindest einen Anstoß für die Beschaffung dieser Ausrüstung bei den höheren Kommandobehörden geben.“

Geflogen wird allerdings nicht nur im Flugzeug. Auch hochmoderne Simulatoren stehen in Laage zur Verfügung. Hier können die Piloten in originalen Cockpits alles machen, was auch im echten Flieger funktioniert. Sie können sogar mit zwei verschiedenen Simulatoren zusammen in einer simulierten Welt fliegen. Während der Ausbildung haben die Pilotenschüler 36 Flüge im Flugzeug und 37 im Simulator. Aber auch nach der Ausbildung werden die digitalen Welten von den Piloten genutzt.

Hachmeister ist einer von zur Zeit 37 Piloten auf dem Stützpunkt in Laage-Kronskamp. Unterstützt werden die 18 Fluglehrer, sechs Staffel-Piloten und 13 Flugschüler von knapp 1500 Soldaten und zivilen Angestellten.


Nicht zu fliegen ist das Schlimmste


Auf die Frage, was das Schönste am Fliegen sei, antwortet der junge Pilot eindeutig: „Das Schönste am Fliegen? Das ist, wenn man nach drei Tagen grauem Himmel und Regenwetter zum ersten Mal wieder durch die Wolken stößt und die Sonne genießen kann, das ist unbezahlbar.“ Immer wieder müssen Flüge aber auch wieder abgesagt werden: „Das ist dann das Schlimmste. Wenn ich nicht fliegen kann, so wie heute. Es stürmt zu sehr.“


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