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Güstrower Anzeiger

26. September 2017 | 11:20 Uhr

Mit 1400 PS als Retter unterwegs

vom

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2010 | 05:58 Uhr

Güstrow | Traumjob. Dieses Wort ist Jörg Schwank zu groß. Der 44-Jährige sagt, er ist "zufrieden" mit seiner Arbeit. Andere mögen exotisch finden, was er macht - für ihn sei es Routine. Mit 13 Jahren saß der Güstrower im Segelflugzeug, mit 16 Jahren im Motorflugzeug, zwei Jahre später im Hubschrauber. Heute ist Jörg Schwank stationsverantwortlicher Pilot im Luftrettungszentrum Christoph 34 gleich neben dem KMG-Klinikum Güstrow. Sein Arbeitsgerät, der EC 135, bringt es auf zwei Mal 700 PS Startleistung. Wenn der Pieper einen Einsatz meldet, steigen neben Jörg Schwank auch noch ein Rettungsassistent und ein Notarzt mit in den Hubschrauber. Als Trio geht es zum Unglücksort. Im Schnitt geschieht das 1000-mal pro Jahr.

Das Luftrettungszentrum in Güstrow hat fliegendes Personal der Bundespolizei, genauso wie weitere elf Standorte in Deutschland. Jörg Schwank ist Polizist. Theoretisch könnte er als solcher arbeiten, "aber rein praktisch ist das nicht vorgesehen". Als Polizist trägt Schwank trotzdem eine Waffe auf der Arbeit, "das ist meine Pflicht". Nach der Wende hatte der Pilot beim Bundesgrenzschutz angeheuert, vorher flog Schwank bei der NVA, stationiert in Basepohl. Vom Soldaten zum Polizisten: "Es gab damals eine Anpassungsausbildung von eineinhalb Jahren." Jörg Schwank ist der stationsverantwortliche Pilot, neben ihm fliegen weitere 14 Piloten Einsätze von Güstrow aus. "Die meisten wohnen in Berlin, ein paar kommen auch aus Sachsen." Wie die Piloten wechseln auch die Ärzte, die meisten sind aus dem Krankenhausbetrieb nebenan.

Im Norden bis nach Rügen, im Süden bis nach Waren, bis zum Kummerower See und nach Schwerin: Der "Christoph 34" wird immer dann gerufen, wenn er verglichen mit der Bodenrettung am schnellsten einen Arzt zum Unglücksort bringen kann oder wenn sich von vornherein abzeichnet, ein Patient ist nur über die Luft transportabel, bei einem schweren Motorradunfall zum Beispiel. In den wenigsten Fällen aber kommen Notrufe à la "Karambolage auf der Autobahn" herein. "80 Prozent unserer Einsätze fliegen wir wegen internistischer Fälle, Herzinfarkt und so weiter." Wenn der Hubschrauber gelandet ist, wird der Pilot Jörg Schwank nicht selten zum Handlanger von Rettungsassistent und Arzt. "Steht der Hubschrauber sicher, helfe ich, beim Tragen vor allem." Bilder von Unfallopfern - auch Schwank hat sie deswegen im Kopf. Aber sie seien nicht das Schlimmste. Eher schwer zu ertragen seien oft Einsätze, bei denen die Angehörigen bereits vor Ort sind. "Ihre Reaktionen, sie sind für mich das Schlimmste." Schwank ist dabei, wenn bei anderen Menschen gerade die Welt zusammenbricht.

Schwank und seine Kollegen Piloten wie Ärzte und Assistenten wollen, dass das Luftrettungszentrum Güstrow sich in den Köpfen der Bevölkerung noch mehr verankert, "dass niemand böse ist, wenn beim Landen die Wäsche von der Leine fliegt". Der jetzt gegründete "Förderverein des Luftrettungszentrums Christoph 34, Güstrow " soll dabei helfen.

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