Erster Weltkrieg : „Mir geht es noch gut!“

Aus dem großen Postkartenfundus des Dorfmuseums Lohmen hat Heinz Koch  exemplarische Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg zusammengestellt.
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Aus dem großen Postkartenfundus des Dorfmuseums Lohmen hat Heinz Koch exemplarische Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg zusammengestellt.

Dorfmuseum Lohmen zeigt in Sonderausstellung Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg

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03. Juli 2014, 06:00 Uhr

Es war ein heißer Sommer, genau vor 100 Jahren. Während Ernst Barlach mit seinem Sohn im Güstrower Inselsee Abkühlung suchte, der Strand in Warnemünde überfüllt war und Kaiser Wilhelm II. mit seiner Yacht über die Ostsee schipperte, braute sich im Juli 1914 eine der größten Katastrophen zusammen, die den weiteren Verlauf der Weltgeschichte für immer verändern sollte. Ende Juli brach der Erste Weltkrieg aus, mehr als zehn Millionen Tote waren die Folge. Doch nicht nur das große Weltgeschehen veränderte sich, sondern auch das Leben der einfachen Leute auf dem Land in Mecklenburg. „Der Krieg war ein tiefer Einschnitt für diese Menschen“, sagt Heinz Koch, Vorsitzender des Kulturvereins Lohmen und Leiter des Dorfmuseums. Hier hat er zum 100-jährigen Jubiläum des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges eine kleine Sonderausstellung zusammengestellt, Titel: „Der Erste Weltkrieg auf Postkarten“.


Feldpost von Knechten und Arbeitern


Aus dem großen Postkartenfundus des Dorfmuseums hat Koch exemplarische Beispiele ausgewählt. Feldpost, die ehemalige Knechte und einfache Arbeiter vom Land als Soldaten von der Front in die Heimat an Eltern, Geschwister und Freunde geschrieben haben. Da ist zum Beispiel der Maurergeselle Ernst Westphal aus Gnoien. Als 19-Jähriger zog er am 1. August 1914 als Infanterist in den Großen Krieg. „In der Schampanje (Champagne) sind große Kämpfe in Gange. Liebe Eltern, das Paket mit Strümpfe habe ich schon ein par Tage“, schreibt er 1917. „Schon die Rechtschreibfehler zeigen, dass es sich um die einfache Landbevölkerung gehandelt hat“, sagt der Historiker Koch. Die rückt der Lohmener in den Mittelpunkt und bietet damit eine kleine Geschichte von unten. Ernst Westphal schildert Entbehrungen, Dreck und Läuse in den Schützengräben. „Man merkt beim Lesen der Karten, dass der Widerwillen gegen den Krieg wächst und damit die Friedenssehnsucht“, sagt Koch. Immer öfter taucht am Ende der Karten der sehnsüchtige Wunsch auf: „Auf Wiedersehen in der Heimat!“ Viele seien im Ersten Weltkrieg körperlich und seelisch zu Krüppeln geworden. „Sie sind durch die Hölle gegangen“, sagt Koch. Ernst Westphal kehrte nicht mehr zu seinen Lieben nach Gnoien zurück. In seiner letzten Feldpostkarte schrieb er noch „Mir geht es noch gut“ und zeigte damit bereits, dass sich das jederzeit ändern könnte. Er fiel im Mai 1917 an der Westfront.

Doch nicht nur das Geschriebene hat Koch bei seiner Sonderausstellung im Blick, sondern auch die Motive der Feldpostkarten. Die wandeln sich im Laufe der vier Kriegsjahre. „Stellen sie anfangs den Krieg als Abenteuer und Kinderspiel dar, wechseln sie zunächst zur ,Frontromantik’, bilden dann zerstörerische Erfolge der deutschen Kriegsführung ab und enden schließlich mit Lazarett- und Friedhofsmotiven, die bereits das Ende ankündigen“, schildert Koch.


Weiteres Ausstellungsprojekt


Auch für die Daheimgeblieben wurde das Leben immer entbehrungsreicher. Es war schwer, ohne Männer den Hof weiter zu bewirtschaften. „Ich würde gerne noch etwas dazu machen, wie der Krieg das Leben an der Heimatfront verändert hat“, sagt Koch. Er denkt bereits über eine weitere Sonderausstellung im Dorfmuseum Lohmen nach. Im Blick hat er dabei das 100-jährige Jubiläum des Endes des Ersten Weltkrieges 2018.

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