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Güstrower Anzeiger

17. Dezember 2017 | 22:42 Uhr

Gerichtsbericht : Milde Strafen für Schläger

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Fünf Teterower wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt / Durchweg Bewährungsstrafen ausgesprochen

Der Prozess gegen die Teterower Stefan P. (20), Peter P. (19), Chris H. (20), Tom B. (23) und Philipp H. (19) vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichtes Rostock endete mit einer Riesenüberraschung. Alle Angeklagten wurden zwar wegen gefährlicher Körperverletzung, begangen an Andreas W., verurteilt, erhielten aber nur Bewährungsstrafen.

Obwohl die Angeklagten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machten, also zu den Tatvorwürfen schwiegen, gab es für das Gericht keine Zweifel, dass sie am Abend des 8. Mai 2013 nach einer Feier mit reichlich Goldkrone in der Bahnhofstraße in Teterow Andreas W. lebensgefährlich verletzten.

Laut Zeugenaussagen trafen die Angeklagten auf dem Schulcampus mit ihrem späteren Opfer zusammen. Andreas W. wollte sich die Aufbauten für den Himmelsfahrtgaudi am nächsten Tag ansehen. Das hatten auch die Angeklagten im Sinn. Aber sie begannen, die Bühne auf dem Festplatz umzustoßen. Andreas W. sagte nur: „Dumme Kinder.“ Aber das war schon zu viel. Chris H. riss den Plastikeinsatz aus einem Mülleimer und schlug Andreas W. damit ins Gesicht. Faustschläge folgten. „Den machen wir tot“, hörte der Geschädigte noch, bevor er das Bewusstsein verlor. Schon am Boden liegend, traten alle Angeklagten mit weit ausholenden Bewegungen auf ihr Opfer ein. Abwehrreaktionen des Opfers konnten die Sachverständigen nicht feststellen.

Andreas W. erlitt mehrere Rippenbrüche, eine offene Nasenbeinfraktur, Brüche des Ober- und Unterkiefers und Zahnverletzungen, so die medizinische Sachverständige von der Rechtsmedizin der Rostocker Universität. Die Verletzungen seien zwar gut geheilt, aber es hätte auch anders ausgehen können, stellte die Sachverständige fest. Rippenbrüche und so starke Gesichtsverletzungen wie bei dem Opfer könnten auch lebensgefährliche Situationen nach sich ziehen. Über zwei Wochen war der Geschädigte in der Güstrower Klinik und weitere fünf Wochen danach krank geschrieben. Andreas W. erkannte seine Peiniger auf Facebook und brachte so die Ermittlung ins Rollen.

Da die Angeklagten durch ihr Schweigen nichts zur Aufklärung der Tat beitrugen, war das Gericht auf die Zeugen angewiesen. Der Vorsitzende Richter betonte in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich, dass alle Zeugen glaubwürdige Angaben machten. Zu Gunsten der Angeklagten bewertete das Gericht, dass sie nicht vorbestraft sind, aus einer Gruppendynamik heraus handelten und die Tat lange zurück liegt. Aber die Schwere der Verletzungen des Andreas W. und das hässliche Gesamtbild, dass die Angeklagten auf einen am Boden Liegenden eintraten, legte das Gericht zu ihren Ungunsten aus. Nur der jüngste Angeklagte Philipp H. sprach Andreas W. im Gerichtssaal sein Mitgefühl aus. Er erhielt eine Jugendstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung. Stefan P., Peter P. und Tom B. wurden ebenfalls zu je eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Chris H. erhielt eine Strafe von einem Jahr und acht Monaten, die auch zur Bewährung ausgesetzt wurde. Jeder Angeklagte muss 300 Euro Schmerzensgeld an Andreas W. zahlen. Die Vertreterin der Rostocker Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten mit Ausnahme Philipp H. hohe Haftstrafen von zweieinhalb Jahren bis zu rund drei Jahren beantragt. Alle Verteidiger hatten Freispruch für ihre Mandanten gefordert.

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