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Güstrower Anzeiger

21. September 2017 | 05:10 Uhr

Neuer Prozess : Menschenraub neu aufgerollt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gerichtsbericht: Überfall in Clubgaststätte Tarnow / Verurteilte wollen Freispruch

Wegen schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Menschenraubes wurden am 23. Dezember 2012 Emin B. (33), Videotechniker aus Sternberg, zu einer Haftstrafe von acht Jahren, sein Landsmann Mehmet Y. (25), Lagerist aus Parchim, zu fünf Jahren und der Stellmacher Nico W. (42) aus Bolz zu eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Personenschützer Steffen S. (33) aus Güstrow erhielt eine Strafe von zwei Jahren und neun Monaten. Er wurde der Beihilfe und gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden (SVZ berichtete). Jetzt begann das Strafverfahren von vorne.

Der Bundesgerichtshof hatte lediglich die Urteile gegen Nico W. und Steffen S. bestätigt, die Urteile gegen Emin B. und Mehmet Y. nicht. Ihre Verfahren wurden an die 2. Kammer des Rostocker Landgerichtes zurückverwiesen. Grund ist u. a., dass die Aussagen des Nico W. nicht genug geprüft worden seien. Nico W. hatte in dem Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt und seine Mitangeklagten schwer belastet. Emin B. und Mehmet Y. wollen nun einen Freispruch erreichen.

Die damaligen Erkenntnisse basierten auf den Angaben des Angeklagten Nico W., dem Teilgeständnis von Steffen S., den Aussagen der Opfer Heiko H. und Thomas K., der Telefonüberwachung sowie DNA-Spuren von Emin B. und Mehmet Y. Während Emin B. keine Angaben zum Geschehen machte, bestritt Mehmet Y. die Tatvorwürfe.

Die Angeklagten wurden für schuldig befunden, am 6. April 2012 in die Clubgaststätte in Tarnow eingedrungen, den neuen Besitzer Heiko H. geschlagen und gefesselt zu haben. Der Gastwirt sei in einen Transporter gestoßen und nach Bolz auf die „Biker Ranch“ verbracht worden, die dem Angeklagten Nico W. gehörte. Heiko H. seien der Mund mit einem Klebeband verschlossen und eine Jacke über den Kopf gezogen worden. Die Angeklagten hätten von Heiko H. 2000 Euro gefordert und um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, hätten Emin B. und Mehmet Y. mit Fäusten und einem Besen auf ihn eingeschlagen und ihn mit dem Tod bedroht.

Auf Geheiß der Angeklagten, wurde der Rostocker Gastwirt Thomas K. am selben Tag nach Hohen Luckow gelockt. Dort wurde er mit gefesselten Händen in ein Waldstück gebracht. Die Angeklagten forderten 15 000 Euro für seine Freilassung und konfiszierten seinen Mercedes.

Mit geschwellter Brust verfolgten Emin B und Mehmet Y. zu Prozessbeginn das neue Verfahren. Der Rechtsbeistand des Emin B. zog alle Register, um die Glaubwürdigkeit des Zeugen Heiko H., der sich noch immer in psychologischer Behandlung befindet und an den Folgen eines Schlaganfalls leidet, zu erschüttern. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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