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Gesundheitsreport : Mehr Depressionen im Landkreis

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Rückenleiden und Depressionen verursachen die meisten Fehltage. Sonderanalyse untersucht „Hirndoping im Job“

Der Krankenstand im Landkreis Rostock ist 2014 gesunken. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen gingen im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte zurück. Mit 4,8 Prozent gab es in der Region jetzt den gleichen Krankenstand wie im Landesdurchschnitt. Laut dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport waren damit an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern 48 krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern wurde mit 5,6 Prozent in den Regionen Ludwigslust und Uecker-Randow verzeichnet, der niedrigste mit 4,4 Prozent auf Rügen und im Landkreis Vorpommern-Rügen.

Die Analyse der DAK-Gesundheit für den Landkreis Rostock zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen. Die meisten Ausfalltage erfolgten aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. Diese Diagnose war Ursache für mehr als jeden fünften Fehltag. Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände kamen mit 14,4 Prozent auf den zweiten Platz, wobei es hier erneut einen leichten Anstieg gab. Verletzungen und Vergiftungen nahmen um sieben Prozent ab. Den größten Rückgang mit fast 34 Prozent gab es dagegen bei Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Bronchitis.

„Wir informieren regelmäßig über den Krankenstand im Landkreis, um so Impulse für das Gesundbleiben und Gesundwerden der Beschäftigten zu geben“, erklärt Christiane Köster von der DAK-Gesundheit die Ergebnisse. „Um zum Beispiel längeren Erkrankungen durch Rückenleiden oder seelische Probleme vorzubeugen, können Arbeitgeber Hilfe anbieten.“ In MV seien zum Beispiel die Fehltage durch psychische Erkrankungen seit dem Jahr 2000 um 204 Prozent gestiegen. Den betroffenen Mitarbeiten könne ein betriebliches Gesundheitsmanagement gezielt helfen.

„Ergebnisse ein Alarmsignal“

Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem Gesundheitsreport auch den aktuellen Trend „Hirndoping im Job“. Für die Studie hat die Krankenkasse die Daten ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit 5000 Männer und Frauen repräsentativ befragt. Ein Fazit: In Mecklenburg-Vorpommern nutzen 14 000 Beschäftigte mindestens zweimal im Monat verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen. Insgesamt gaben sieben Prozent der Berufstätigen in MV an, wenigstens einmal im Leben gedopt zu haben. „Auch wenn Doping im Job noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal“, warnt Christiane Köster. „Nebenwirkungen und Suchtgefahr sind nicht zu unterschätzen. Deshalb müssen wir auch beim Thema Gesundheit vorausschauen und über unsere Wertvorstellungen und Lebensstilfragen diskutieren.“

Im Vergleich zum Jahr 2008 hat bundesweit das Doping im Job zugenommen. In Mecklenburg-Vorpommern kennen aktuell mehr als 70 Prozent der Befragten den vermeintlichen Nutzen des Hirndopings. Häufig werden dafür Betablocker und Antidepressiva eingesetzt, aber auch Wachmacher und ADHS-Pillen – Medikamente also, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten verschrieben werden. Auslöser für den Griff zur Pille sind meist hoher Leistungsdruck sowie Stress und Überlastung. Männer greifen eher zu leistungssteigernden Mitteln, Frauen nehmen häufiger stimmungsaufhellende Medikamente ein. Es sind nicht primär Führungskräfte oder Kreative, die sich mit Medikamenten zu Höchstleistungen pushen wollen. Der DAK-Report zeigt, dass vor allem Erwerbstätige mit einfachen Jobs gefährdet sind. Auch Beschäftigte mit einem unsicheren Arbeitsplatz haben ein erhöhtes Doping-Risiko. „Hirndoping ist mittlerweile bei ‚Otto Normalverbraucher‘ angekommen, um den Arbeitsalltag besser zu meistern. Das Klischee der dopenden Top-Manager ist damit vom Tisch“, so Köster.

Die DAK hat rund 180 000 Versicherte in MV, davon rund 20 000 im Landkreis Rostock.

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