Mistorf : Mehr als frische Farbe für alte Kapelle

Restaurator Fred Kluth zeigt Reste einer mittelalterlichen Fugenmalerei in der Kapelle Mistorf. Fotos: REgina Mai
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Restaurator Fred Kluth zeigt Reste einer mittelalterlichen Fugenmalerei in der Kapelle Mistorf. Fotos: REgina Mai

Reste einer mittelalterlichen Fugenmalerei im Gotteshaus in Mistorf entdeckt – Restauratorische Innenausmalung für dieses Jahr geplant.

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13. Februar 2018, 12:00 Uhr

Sonnenlicht durchflutet den Raum – braunes Gebälk, helle Wände, dunkles Gestühl. Eine Vase mit Blumen steht vor dem Altar. Ein prüfenden Blick – das Wasser ist nicht gefroren. Weniger Plusgrade herrschen auch dieser Tage in der kleinen Kapelle in Mistorf. Pastorin Ingeborg Bräutigam und Restaurator Fred Kluth berichten über die restauratorische Innenausmalung des Gotteshauses. Im Frühjahr, so die Hoffnung, soll es losgehen. Zu klären ist bis dahin noch einiges.

Denkmalpfleger favorisieren 19. Jahrhundert

„Die Denkmalpfleger favorisieren die Fassung aus dem 19. Jahrhundert“, berichtet die Pastorin. Viele Diskussionen habe es darüber schon gegeben. Denn eher überraschend hätten die Untersuchungen Reste der mittelalterlichen Ausmalung zu Tage gefördert. „Es ist so viel an der Kapelle rumgebaut worden, dass wir nicht damit gerechnet hätten etwas aus dem Mittelalter zu finden“, sagt Fred Kluth. Die Fugenmalerei sei aber nur stückweise entdeckt worden, zwar überall im Innenraum, aber nicht flächendeckend. Eine Restaurierung dieser Fassung sei also schwierig, weil etwas nachempfunden werden müsste, erklärt der Restaurator. Auch außen wurden Reste der Fugenmalerei entdeckt. „Wir sehen uns immer als Land der Backsteinbauten, aber der Anblick der Kirchen war früher völlig anders, wenn auch nicht überall“, betont Ingeborg Bräutigam. Man habe im Mittelalter den schlichten Backstein kaschieren wollen und den Gotteshäusern Farbe gegeben. Das wünscht sie sich für den Innenraum auch in Zukunft. Ein schlichtes Weiß oder Grau wird es wohl nicht werden, denkt auch der Restaurator, aber das müsse noch im Gespräch mit der Denkmalpflege entschieden werden. Auch an den Balken wurden oxidrote und graue Farbreste gefunden. Fred Kluth: „Die Ideenfindung ist noch nicht ganz abgeschlossen.“ Ob es am Ende eine Betonung auf die mittelalterliche Fassung wird, sei abzuwarten. Auf jeden Fall aber würde man die Funde nicht wieder kaschieren.

Notwendig ist eine Sanierung des Innenraumes, weil u.a. Risse zu schließen sind. Auch macht der Restaurator auf Zementputz aus den 1980er-Jahren aufmerksam, der dem Mauerwerk zusetzt. Schäden im Gebälk seien darüber hinaus zu beheben. Außenmauerwerk und Fundament waren bereits saniert worden. Mit 33000 Euro ist die Kapelle Mistorf eines von 107 Projekten in den Bauobjektlisten des Kirchenkreises Mecklenburg. Finanziert wird es aus Fördergeldern von Bund und Land, Zuschüssen vom Kirchenkreis und Eigenmitteln der Kirchengemeinde Lüssow.

Pastorin Ingeborg Bräutigam wünscht sich, dass die Erneuerung des Kapellen-Innenraumes auch im Dorf ausstrahlt. Die Mistorfer hätten kaum eine kirchliche Bindung. Vielleicht aber könnten sie die Kapelle mehr als bisher als einen Ort für alle begreifen und sich ein bisschen verantwortlich fühlen, wie das in Bezug auf dem Friedhof schon der Fall sei.

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