Weinberg-Gottesdienst : Mehr als 600 Jahre Wein angebaut

Der Güstrower Pastor Christian Höser feierte den Gottesdienst mit etwa 100 Besuchern am ehemaligen Weinberg zwischen Güstrow und Gutow.
Der Güstrower Pastor Christian Höser feierte den Gottesdienst mit etwa 100 Besuchern am ehemaligen Weinberg zwischen Güstrow und Gutow.

Um die 100 Gläubige feierten den Gottesdienst am ehemaligen Weinberg zwischen Güstrow und Gutow.

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26. Juni 2017, 21:00 Uhr

Gut beraten war am Sonntag, wer sich zum Gottesdienst am zwischen Güstrow und Gutow gelegenen ehemaligen Weinberg Decken, Kissen und etwas dickere Jacken mitgebracht hatte. Für Pastor Christian Höser, der seit fünf Jahren den Gottesdienst am Weinberg hält, ist der Ort immer wieder etwas Besonderes. „Die Natur, die in voller Blüte steht, der Blick auf den See und die Menschen, die sich versammelt haben, um Gottes Wort zu hören. Alles hat schon fast den Charakter einer Gartenparty“, fand der Pastor. So stimmt die Gemeinde in jedem Jahr das von Joachim Neander geschriebene Lied „Himmel, Erde, Luft und Meer“ an. Vom Posaunenchor der Domgemeinde und der Landeskirchlichen Gemeinschaft begleitet, passt es einfach an diesen Ort.

Wein, erzählt Martin Poppe, der mit seiner Familie in dritter Generation auf dem Anwesen lebt, wurde hier über 600 Jahre lang angebaut. „Original ist das ja eigentlich nicht der Inselsee, sondern der Rosiner See. Mönche, die auf der anderen Seite in Kirch Rosin und Mühl Rosin siedelten, sind über Pfahlbrücken hierher gekommen und haben am Südhang Wein angebaut“, erzählt der 50-Jährige. Anfang des 19. Jahrhunderts soll der Anbau eingestellt worden sein. „Der Wein aus Italien war sicher süßer, obwohl verschiedentlich geschrieben steht, dass hier über viele Jahre einer der besten Weine in Mecklenburg gekeltert worden sei“, sagt Poppe.

Auch die Geschichte der Gottesdienste hängt mit der Familie Poppe zusammen. „Mein Großvater Friedrich Poppe kam 1958 auf den Weinberg. Er war Kirchenältester in der Domgemeinde und hat die Tradition der Gottesdienste mit dem damaligen Propst Gustav Gilde begründet“, erzählt Martin Poppe. Nach einer Unterbrechung nahm Propst Christoph Helwig in den 1990er-Jahren die Tradition wieder auf. Im vergangenen Jahr hatte es an dem Ende Juni – meist um den Johannestag – angesetzten Gottesdienst sogar eine Taufe gegeben.


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