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„Min Lütt Dörp“ : Mecklenburger hautnah erleben

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Min lütt Dörp“: Heute Klein Sprenz zwischen Hohen Sprenz und Schwaan / Hier leben rund 50 Einwohner inmitten der Natur

Für die einen ist es die bewusst gewählte Ruhe und Entspannung als Ausgleich zum stressigen Berufsalltag, für die anderen ist es schlichtweg ihre Heimat, mit der sie tief verwurzelt sind. Auch in Klein Sprenz – zwischen Hohen Sprenz und Schwaan gelegen – ist das der Fall. Rund 15 Familien, insgesamt etwa 50 Einwohner, haben hier inmitten der Natur ein zu Hause gefunden.


Umzug in Stadt kam nie in Frage


„Ich bin auf dem Land groß geworden. Der Umzug in die Stadt kam für mich deshalb nie in Frage, auch wenn meine Frau zwischenzeitlich mal mit Rostock liebäugelte“, sagt Ingo Hallier. 1975 zog der 60-Jährige aus dem benachbarten Klingendorf der Liebe wegen nach Klein Sprenz, zwei Jahre später folgte die Hochzeit mit Ehefrau Marianne (57). „Die Großmutter meiner Frau hat das Haus ab 1952 gebaut. Wir haben es dann von den Schwiegereltern übernommen“, erinnert sich der Rentner. Anzutreffen ist er selbst meist inmitten der Natur. Der Gemüsegarten, das zum Haus gehörende Land und nicht zuletzt das Viehzeug – alles will versorgt werden. Hühner, Gänse, Tauben und zwei Schweine tummeln sich auf dem Grundstück. Langeweile kommt bei dem 60-Jährigen ohnehin nicht auf, „irgendwas suche ich mir dann immer zur Beschäftigung“, sagt Ingo Hallier mit einem Schmunzeln. In der vergangenen Woche wendete er beispielsweise gerade das Heu, um es im Anschluss als Einstreu im Hühner- und Schweinestall zu nutzen.


Gutshaus im Jahr 1987 abgerissen


Anders als in vielen kleinen Dörfern ist es allerdings nicht das gute nachbarschaftliche Verhältnis, das Klein Sprenz auszeichnet. „Ich kenne viele Einwohner nur vom Sehen. Die ganzen Alten sind zum Großteil verstorben. Da gehören die Familie Münchow und wir schon zu den Ältesten“, bedauert der Rentner diesen Zustand ein wenig. Dabei hatte Klein Sprenz in früheren Jahren sogar Einiges zu bieten. Ein Gutshaus war Mittelpunkt des Dörfchens, ehe das Bauwerk nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr verfiel. „Zwischenzeitlich haben Kriegsflüchtlinge hier Unterschlupf gefunden, danach wurde aber nichts mehr gemacht, so dass es 1987 abgerissen wurde“, erzählt sich Hallier.

Etwa zur gleichen Zeit verschlug es Bärbel Walter von Kankel nach Klein Sprenz. „Ich habe ein Jahr in Güstrow gewohnt aber das war mir nix – ich musste wieder aufs Land“, spricht die gelernte Rinderzüchterin aus vollster Überzeugung. Vor allem für Kinder sei der Ort wie ein Paradies, ist sich die 63-Jährige sicher. „Wenn meine Enkelinnen Sarah und Marie zu Besuch sind, wollen sie gar nicht wieder los“, erzählt Bärbel Walter. Der nahe gelegene See, Felder und Wiesen und nicht zuletzt auch die Tiere auf dem hauseigenen Hof sind dabei wie ein großer Abenteuerspielplatz. „Genau diese Natur ist der Grund, warum ich nie weg wollte“, betont Bärbel Walter während sie ihren Katzen sanft hinter den Ohren krault und den Blick in die Ferne abschweifen lässt.


Mecklenburger ehrlich und herzensgut


Genau diese Ruhe und die ländliche Idylle waren auch für Karsten und Heike Melle ein ausschlaggebender Punkt, sich im Herzen Mecklenburgs nieder zu lassen. „Eigentlich war ich beruflich nur für zwei Jahre hier. Am Ende hat es meiner Frauen und mir aber so gut gefallen, dass wir geblieben sind“, erzählt der 57-Jährige, der 2006 mit dem Erwerb der Doppelhaushälfte in Klein Sprenz endgültig in der Region sesshaft wurde. Auch, wenn die Mecklenburger gemeinhin als wortkarg und still gelten, so hat Karsten Melle in den vergangenen Jahren seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht. „Sie sind ein herzensguter und ehrlicher Menschenschlag, das schätze ich so an ihnen“, hat der gebürtige Thüringer festgestellt. Deshalb engagiert er sich seit 2009 in der Kirchgemeinde Hohen Sprenz, führt den Förderverein seit 2009 als Vorsitzender und ist am jährlichen Apfelfest sowie an der Hubertusmesse im November beteiligt. Für den passionierten Jäger sind die Ruhe und Abgeschiedenheit, aber auch das ehrenamtliche Engagement ein idealer Ausgleich zum Berufsleben.



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