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Hartz IV : „Maßanzüge“ für Arbeitssuchende

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Zehn Jahre Hartz IV – eine Bilanz für den Landkreis Rostock: Arbeitsagentur, Jobcenter und Kreisverwaltung sehen Erfolgsgeschichte

von
erstellt am 14.Jan.2015 | 05:00 Uhr

Zehn Jahre Hartz IV – eine Erfolgsbilanz für den Landkreis Rostock? Arbeitsagentur und Landkreis sehen das durchaus so. Und die von den Jobcentern Güstrow und Bad Doberan vorgelegten Zahlen sollen das unterstreichen. So sank die Arbeitslosigkeit seit der Einführung der Hartz-Gesetzgebung im Jahr 2005 in der Region erheblich. In Zahlen: Während auf dem Gebiet des jetzigen Landkreises Rostock im Jahresdurchschnitt 2005 noch rund 25 000 Menschen arbeitslos waren, liegt die Zahl aus dem Jahr 2014 bei unter 9600. Dabei ist dem Chef der Arbeitsagentur Rostock, Christoph Möller, sowie dem stellvertretenden Landrat, Rainer Boldt, durchaus bewusst, dass dafür nicht alleine die Hartz-Gesetze verantwortlich sind.

Ganz vorneweg die Demografie. Die Menschen werden älter, scheiden aus dem Arbeitsmarkt und damit aus der Arbeitslosenstatistik aus. Hinzu kommt ein stark veränderter Arbeitsmarkt. Während Industriebereiche wegfallen kommen Arbeitsplätze in der Dienstleistungsbranche hinzu. Für Möller ein wesentlicher Faktor sind zudem die heute verbesserten Förderangebote und Eingliederungsmaßnahmen für Arbeitslose. „In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit hatten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und die Ein-Euro-Jobs einen ganz anderen Stellenwert als heute. Aktuell hingegen liegt der Schwerpunkt auf der passgenauen Weiterbildung bis hin zur Umschulung“, sagt Möller. Er will keine „Förderung von der Stange“ mehr, sondern will hin zum „Maßanzug“ für den Arbeitssuchenden. Das funktioniere immer besser.

Probleme gebe es noch beim Übergang von der Schule zum Beruf. „Da gehen uns noch einige verloren“, sagt Rainer Boldt. Auch die Instrumente zur Reduzierung der Langzeitarbeitslosen müssten noch präzisiert werden. Es sei zu beobachten, dass die Zahl der Hartz IV-Empfänger ansteige, umso weiter man sich von Rostock und dem Speckgürtel entferne. Dennoch sieht Boldt „Zehn Jahre Hartz IV“ als eine Erfolgsgeschichte für die Region an. „Man muss auch sehen, dass durch die Hartz-Gesetze die Erwartungen an die Arbeitnehmer deutlich erhöht wurden. Der Druck, eine Arbeit anzunehmen, ist größer geworden.“

Im Januar 2005 wurden die Bereiche Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zur Grundsicherung für Arbeitssuchende in den damaligen Landkreisen Bad Doberan und Güstrow zusammengelegt. Getragen von der Arbeitsagentur und den Landkreisen entstanden die Jobcenter in Doberan und der Barlachstadt. Der Geschäftsführer des Jobcenters Güstrow, Ditmar Wachholz, sieht diese Center als „kundenorientierte Dienstleistungszentren“. Mit ihnen wird es gelingen, auch ältere Leistungsempfänger in den Arbeitsmarkt zu integrieren und damit die Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen, ist er überzeugt. „Wir müssen Hartz IV-Empfänger nicht als Leistungsbezieher betrachten, sondern als potenzielle Kräfte für den ersten Arbeitsmarkt“, sagt Wachholz.  

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