Lesung mit Musik : „Maschine“ läuft weiter auf Hochtouren

Buchlesung oder Gespräch? Egal: Ein Muss war, dass „Maschine“ zur Gitarre griff und sang.
Buchlesung oder Gespräch? Egal: Ein Muss war, dass „Maschine“ zur Gitarre griff und sang.

AWG Güstrow-Parchim und Umgebung begeisterte bei der 9. Buchlesung 280 Fans mit einem Auftritt von Dieter Birr, ehemaliger Frontmann der „Puhdys“.

svz.de von
28. September 2017, 21:00 Uhr

Dieter „Maschine“ Birr sorgte am Mittwochabend für eine rappelvolle Güstrower Viehhalle. Die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschaft (AWG) Güstrow-Parchim und Umgebung hatte den Ex-Frontmann der „Puhdys“ zur 9. Buchlesung geladen. Von der ersten Minute an begleitete die Rock-Legende eine Woge der Begeisterung. „Das ist das Schöne an unserem Musiker-Beruf: Du kommst zur Arbeit und wirst mit Beifall begrüßt“, kommentierte er lachend den Empfang. Dem folgte ein launiges Frage-Antwort-Spiel. Manager Kai Suttner entlockte ihm jede Menge „Maschine“, aber auch „Puhdys“, mit denen er drei Viertel seines Lebens bis Anfang Januar 2016 verbrachte. „Das war meine schönste Zeit“, ließ der 73-Jährige viele Einblicke in sein Leben zu. Das hat auch mehrere Verbindungen zu Güstrow. Birr hat hier eine Cousine. Unvergesslich ist für ihn ihre Konfirmation, bei der sich der 13-Jährige mit Jungs anlegte, die ihn verdroschen. Am meisten erinnert er sich, wenn es um Güstrow geht, an Auftritte im Jugendklubhaus.

„Von Gott reichlich beschenkt“, bereut „Maschine“ nichts – außer den Punk-Song „Jodelkuh Lotte“. Sein Musiker-Leben begann auf einem Akkordeon. Die erste Gitarre schenkten ihm die Eltern. Seinen ersten Auftritt hatte er bei einem Betriebsvergnügen. Er spielte den Schlager „Marina“. Birrs erste eigene Komposition hieß „Susi Babytwist“. Sie ist auf einer Raritäten-Schallplatte verewigt. Ernst mit der Musik wurde es 1969 als Peter Meyer ihn zu den „Puhdys“ holte. „Wahnsinn“ war es, als die „Puhdys“ 1971 mit ihrem ersten eigenen deutschen Titel „Türen öffnen sich zur Stadt“ im Radio zu hören waren. Ein Durchbruch war der Film „Die Legende von Paul und Paula“, mit Songs von Peter Gotthard: „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“.

Peter Schimmelpfennig, ein westdeutscher Promotor, ebnete der Band den Weg in den Westen. Den größten Auftritt hatten die „Puhdys“ vor 120 000 Zuschauern in Portugal. Eine Promotiontour in die USA erklärte „Maschine“ schmunzelnd so: „Nix Promotion, wir wollten nur einmal nach Amerika. Peter spendierte uns die Reise.“

Einblick in sein Liebesleben gestattete er ebenfalls. Mit Silvia, seiner zweiten Frau, ist er seit 38 Jahren verheiratet. Sie nennt ihn Dieter und gibt in „Maschines“ gleichnamigem Buch eine Liebeserklärung ab, nennt ihn aber auch einen Messi, ja eine Schlampe. Ob das stimme, wollte Suttner wissen. Birr lächelnd: „Das Buch muss sich ja verkaufen.“

Zufällig fiel der Mauerfall mit dem Ende der „Puhdys“ zusammen. Aber die Fans sorgten dafür, dass sie von der Rockerrente abließen.

Bei seinem jetzigen Musiker-Leben sieht er nach drei Solo-Alben im Vergleich zu den „Puhdys“ keinen großen Unterschied, denn schließlich seien fast alle Songs, rund 250, aus seiner Feder entstanden. Neu sei jedoch, so „Maschine“, dass er jetzt für alles verantwortlich ist. Eine neue Erfahrung ist auch, dass er in wechselnden Besetzungen musiziert. Zwischen neuen Liedern und Gassenhauern wie „Alt wie ein Baum“, den die 280 Besucher textsicher mitsangen, erklärte er, was ihn antreibt: „Ich bin froh, wenn ich Musik machen kann und so soll es weitergehen.“



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