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Güstrower Anzeiger

21. November 2017 | 03:58 Uhr

Schloss Güstrow : Martin Luther wird geröntgt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Umfangreiche Schadensanalyse an Gemälde von Lucas Cranach dem Jüngeren im Güstrower Schloss.

Martin Luther geht es schlecht. Das großformatige Gemälde, das Lucas Cranach der Jüngere im Todesjahr des Reformators, 1546, schuf, war ein Blickfang der zu Ende gegangenen Sonderausstellung im Güstrower Schloss. „Das fast 500 Jahre alte Bild zeigt ein massives Farbschichtenproblem. Bis jetzt und in vorangegangenen Restaurierungen konnte nicht geklärt werden, was die Ursachen dafür sind“, sagt Petra Kruse, Abteilungsleiterin Restaurierung im Staatlichen Museum Schwerin. Äußerlich zeigen sich die Schäden in Rissen im Holz und an unterschiedlich starken Blasenbildungen auf dem gesamten Gemälde.

Die ganze Woche über nahm sich die Diplomrestauratorin Linda Schäfer das Luthergemälde vor. Sie fotografierte und dokumentierte die Schäden, analysierte unter dem Mikroskop die Maltechnik und die oberen Schichten und untersuchte auch den Bildträger. Als Krönung fertigte Hans Portsteffen von der Technischen Hochschule Köln gestern Röntgenaufnahmen von dem Gemälde an. Der Professor lehrt Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften und hat ein spezielles Röntgenverfahren entwickelt. „Dabei kommt die gleiche Technik zum Einsatz, die in der Human- und Tiermedizin angewandt wird, nur dass wir es hier mit Kunstwerken zu tun haben“, erklärt er. Bei dem Verfahren geht der Röntgenstrahl durch das Objekt hindurch und trifft auf eine dahinter angebrachte Speicherplatte. Diese wird in einem folgenden Schritt in einem Scanner ausgelesen. Das so erhaltene digitale Bild kann dann nach verschiedenen Gesichtspunkten interpretiert werden.

Petra Kruse erwartet nun voller Ungeduld den Bericht und die Restaurierungsvorschläge der Restauratorin und des Wissenschaftlers. Danach soll entschieden werden, wie bei der weiteren Konservierung und Restaurierung vorgegangenen werden soll. „Es ist ein sehr kostbares Gemälde, das den Aufwand um seinen Erhalt unbedingt wert ist“, schätzt die Abteilungsleiterin ein.


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