Der Heisse Draht : Marode Straßen, zerfahrene Gräben

Kathrin Sulz demonstriert, wie sie die Situation der maroden Straße Neu Heinde – Prebberede sieht: Da kann sie nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen.
Kathrin Sulz demonstriert, wie sie die Situation der maroden Straße Neu Heinde – Prebberede sieht: Da kann sie nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen.

Familie Sulz beklagt Zustand der Straße Neu Heinde – Prebberede. Sanierung nicht in Sicht. Investitionsstau auf Kreisstraßen.

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12. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Kathrin Sulz schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Sie steht mit ihrem Mann Georg an der Kreisstraße Neu Heinde – Prebberede. Die Taxi-Unternehmer aus Prebberede beklagen den Zustand dieser Straße. Der Abschnitt ist rund vier Kilometer lang. Aus ihrer Kenntnis stammt die Straße noch aus DDR-Zeiten und lässt sehr zu wünschen übrig: zu schmal, schmale Betonplatten als Belag, defekte Ränder aus Asphalt. Ihre Frage: Wann wird die Straße von Grund auf erneuert?

Investitionen von 170 Millionen Euro nötig

Die Antwort aus dem Straßenbauamt des Landkreises ist für sie ernüchternd. „Die Straße steht 2018 nicht auf der Prioritätenliste des Landkreises“, teilt Kreissprecher Michael Fengler mit. Die jährlichen sechs bis acht Millionen Euro für den Ausbau des Kreisstraßennetzes, die abhängig von Fördermitteln sind, reichen im kommenden Jahr für elf Vorhaben (siehe Prioritätenliste 2018).

Das Problem, das die Sulz’ ansprechen, ist allerdings nicht neu und charakterisiert seit Jahren die Gesamtsituation. Es herrscht ein Investitionsstau auf den 79 Kreisstraßen mit einer Länge von 617 Kilometern. Michael Fengler beziffert ihn auf 170 Millionen Euro. Wie und bis wann wird das Problem aber gelöst? Fengler: „Der Landkreis kommt auf der Straße Neu Heinde – Prebberede seiner Verkehrssicherungspflicht nach. Angesichts der knappen Mittel für die Sanierung von Kreisstraßen ist ein grundhafter Ausbau aller Kreisstraßen ein Vorhaben für mehrere Jahrzehnte.“

Für Kathrin und Georg Sulz ist das sehr unbefriedigend und sie fragen sich, ob der Ausbau nicht auf einem anderen Weg realisiert werden kann. Z.B., wenn sich ansässige Unternehmen bereit erklären würden, Straßen – mit Hilfe des Landkreises – zu bauen. Beispiele lieferten in der Vergangenheit Gemeinden wie Zehna mit dem Straßenbau nach Klein Breesen, in Braunsberg und nach Neuhof. Finanziert wurde das – auch aus Lalendorf kennt man das schon – von Firmen und Privatpersonen, meist Landwirte. „Ob eine finanzielle Beteiligung von Unternehmen bzw. Privatpersonen am Kreisstraßenbau möglich wäre, ist rechtlich nicht abschließend geklärt“, kann Fengler auch auf diese Frage keine zufrieden stellende Antwort geben.

Straßengraben zerfahren

Aber die Familie Sulz wirft noch ein weiteres Problem auf. Der Landwirt, der die Fläche neben der Straße bewirtschaftet, hat bei der Maisernte auf einer Länge von 100 Metern den Straßengraben zerfahren, weil er eine zusätzliche Abfahrt angelegt hat. Familie Sulz möchte wissen, wie das repariert wird und wer das bezahlt. Außerdem beklagt sie, dass der Landwirt beim Transport des Maises die Straße stark verdreckt und den Schmutz nicht beseitigt hat. Kreissprecher Fengler: „Das regelt das Straßen- und Wegegesetz. Es gilt das Verursacherprinzip. Wer bauliche Anlagen an Straßen beschädigt, wird für deren Wiederherstellung herangezogen. Bei Verschmutzungen gilt ebenso das Verursacherprinzip.“ Nach Erfahrungen des Landkreises reagierten Landwirte schnell auf solche Hinweise. Die Situation sei in diesem Herbst wegen der starken Niederschläge allerdings besonders schmutzträchtig, so Fengler. Bei einer Kontrolle der Straße vergangene Woche sei keine übermäßige Verschmutzung dieses Straßenabschnitts festgestellt worden. Die angesprochene Auffahrt müsse bei trockener Witterung fachgerecht hergestellt werden, betont Fengler.

Proritätenliste für die Kreisstraßen 2018

• Kreisstraße DBR 01 (Bad Doberan): Ortsdurchfahrt Karin
• Verbreiterung der Kreisstraße GÜ 04 (Güstrow): Hof Rühn – Steinhagen
• Kreisstraße 06: Restleistungen am 1. Bauabschnitt der Ortsdurchfahrt Bützow
• Kreisstraße DBR 06: Brücke Stülower Weg
• Kreisstraße DBR 09: Kreuzung B 105 Bargeshagen (B 105)
• Kreisstraße GÜ 13: Kankel – Scharstorf
• Kreisstraße GÜ: 18 Strenz – Karow – Siemitz, 1. Bauabschnitt, 1. Teilabschnitt
• Kreisstraße DBR 18: Verbreiterung zur L 182
• Kreisstraße DBR 20: Entwässerung Thulendorf
• Kreisstraße DBR 27: Verbreiterung
• Kreisstraße GÜ 46: Verbreiterung Alt Sührkow
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